Törnbericht 2021:

Inhaltsverzeichnis:

Vorbemerkungen
Im Mai
Im Juni
Di., den 15. Juni
Fr., den 2. Juli
So., den 4. Juli
Do., den 8. Juli
Mo., den 12. Juli
Sa., den 17. Juli
Mo., der 19. Juli

Do., den 22. Juli
Mo., den 26. Juli













Vorbemerkungen
Wir sind es so leid, wie so viele andere. Leid, diesem verdammten Virus so ausgeliefert zu sein sein, dass der Alltag zu mehr oder weniger vollständigen Isolation mutiert. Kontakte nur per Telefon, oder im Videobild. Einmal die Woche einkaufen, um Menschen zu sehen. Das Gespräch mit dem Nachbarn oder der Nachbarin, nur wenige Worte auf Abstand. Abstand, Abstand, Abstand! Kein Umarmen, kein Drücken von Menschen, die man gerne hat, von Freunden und Bekannten.
Letztes Jahr hätte es sich nicht gelohnt, das Schifff zu Wasser zu lassen, über all zu. Die kleinen Häfen in Polen, die wir besuchen wollten, geschlossen. Die deutschen Häfen im Haff: mit vielen Fragezeichen versehen. Wir haben das Beste daraus gemacht: "Arbeitsurlaub", klingt wie "Arbeitsessen", also Pflicht und wenig Genuss. Jeden Tag vier bis fünf Stunden Arbeit, dann war der "Akku" leer. Also doch ein bißchen Urlaub. Aber meistens in der Ferienwohnung, wir sind wenig rausgekommen. Und eine Ferienwohnung ist eben kein Schiff! Deswegen unsere große Hoffnung, dass es dieses Jahr klappt. Mit allem drum und dran, egal, ob wir bis dahin dann geimpft sind oder nicht. Und wenn wir die meiste Zeit in deutschen Häfen bleiben, aber wenigstens raus, aufs Wasser, in die Sonne, die Wellen spüren, die See, den Wind, die Salzluft, das Geschrei der Möwen, das Geheule des Windes in den Wanten, die Knarzgeräusche, nachts aufstehen, da was festzurren, dort was lockern, die Leinen kontrollieren, die Fender, all das haben wir vermisst und sehnen uns danach.

Im Mai
Einige Vorbereitungen für die Tour 2021 haben wir bereits getroffen: Seekarten wurden bestellt, das Modul für den Plotter aktualisiert, eine neues "Dänemark 2" -Buch eingekauft. Unser Ziel heißt "Rund um Sjelland, die östliche große Insel Dänemarks, westlich von Schweden. Umrahmt von zwei Sunden, von Rügen aus gut erreichbar. Am Ende wollten wir in Fehmarn landen, wo wir für den Winter 2021/22 schon ein Quartier vereinbar haben.

Allmählich nimmt die Tour Fahrt auf: einen ziemlich konkreten Krantermin haben wir schon, die Post ist abgesagt und auch die Zeitung wird bald nicht mehr kommen. Bis zur Abfahrt wartet jedoch noch jede Menge Arbeit im Garten, was alles will ich hier gar nicht aufzählen. Wenn wenigstens das Wetter mitmachen würde, aber jeder Tag mit Regen, Temperaturen um die 13 °C, da macht das keinen Spass. Und dann die obligatorischen letzten Arzttermine. Zum Glück haben wir unsere beiden Impfungen hinter uns, so dass wenigstens von Corona-Seite keine Gefahr droht.

Im Juni
Eigentlich wollten wir schon Anfang Juni los, aber das zerschlug sich aus den verschiedensten Gründen. Und da war dann noch dieses und jenes, und so wurde der 13. Juni als Abfahrtstag festgelegt. Auch der hat sich mittlerweile in heiße Luft aufgelöst, es muss halt viel Zeugs mit und wir machen uns keinen Stress mehr. Lieber 2 Tage später ankommen als hinterher festzustellen, was alles überflüssigerweise mitgenommen wurden bzw. was dann doch fehlt. Und wir packen nicht mehr von früh bis spät, Pausen braucht der Mensch, essen und ausruhen muss er auch und gut Ding will einfach Weile haben, heißt es doch. Also ganz entspannt, loslassen!




Abb. 01: Der "Ostteil" unserer Tour: von Ueckermünde über Swinoujscie nach Sassnitz auf Rügen.



Abb. 02: Der "Westteil" der Tour: Rügen-Mön-Kalvehave-Rödvig-Kopenhagen, hier in Teilausschnitten.


Inzwischen ist das Auto zu 90% voll, aber es gibt noch Platz. Und irgendwie auch bei größter Ruhe - der Endspurt wird immer doch etwas hektisch, wie gesagt, dies und das und jenes.... Jeder, der schon mal für einige Monate weggefahren ist, wird das kennen. Und dann das Wetter und all die anderen Imponderabilien, wer will das schon wissen. Vielleicht sind wir alle auch so sehr auf Sicherheit geeicht, und das geht nicht, dann bräuchten wir einen LKW für den Transport und ein 12-m-Schiff. Und das wäre dann vielleicht auch bald zu klein. Selbstbeschränkung ist eine Kunst und Kunst kommt von üben!

Etliches muss auch erst mal wieder ausprobiert werden, wie das Programm zur Erstellung dieser Seiten, der ftp-Transport, der ganze Rechner, der hier seine 1. Reise macht. Mal sehen, wie sich so ein Lenovo L540 anstellt. Jedenfalls brummt nicht ständig das Gebläse wie bei dem hp-Rechner. A propos hp: ..., aber das ist eine andere Geschichte, die ich hier nicht erzählen will.

Alles entwickelt sich weiter, die Technik sowieso, wer stillsteht, befindet sich bald im Abseits. Aber vielleicht will man&frau das ja. Es ist ja auch nicht alles gut, was sich da so entwickelt, in "the struggle of life". Und das, was einige "Große" tonangebend bestimmen mit ihren Standards, und alle laufen wie Lemminge hinterher, hat das was mit Demokratie zu tun? Aber das ist hier ja eine Segelseite und keine Internet-Seite für linkes Agit-Prop.

Di., den 15. Juni
Das Auto ist gepackt, bis Oberlippe Oberkannte, an zwei Stellen kann ich noch durch die Rückscheibe sehen. Reifendruck stimmt, Öl wurde  kontrolliert und vollgetankt ist es auch. Um 10 Uhr wollen wir weg, es wird mal wieder halb elf, die übliche Verzögerung. Über Münster und Bremen geht es nach Hamburg, dann Richtung Lübeck und irgendwann Richtung Rostock und Greifswald, das Navi weiß den Weg und sagt uns, wie lange es noch dauert. Keine Staus, wenig Baustellen, wir kommen gut durch. Um ca. 18 Uhr sind wir an der Lagunenstadt Ückermünde, schlüpfen durch die offfene Schranke, hinter einem anderen Wagen durch und suchen zuerst auf dem falschen Gastliegeplatz unser Boot, dann auf dem richtigen. Ach, wie schön, das Boot da zu sehen, Freude kommt auf, die auch nicht dadurch getrübt wird, dass es in der Kabine wie bei Hempels unterm Sofa aussieht, alles durcheinander noch vom letzten Jahr, als ich zum Arbeiten auf dem Boot war, vier Wochen, und mich zwei Tage lang mit den Hinterlassenschaften einer Mäusefamilie auseinandersetzen musste. Was im Sommer 2020 nicht weggeputzt werden konnte, musste jetzt dem Putzlappen, Scheuermilch und Sagrotan weichen, aber das war dann  hauptsächlich Barbaras Job, während ich mit den Außenarbeiten beschäftigt war. Nur: die Hitze der nächsten Tage machte das Arbeiten mühevoller und langsamer, unter Deck locker mal 35 °C, wenn die Sonne auf die Kabine knallte, Sauna umsonst und zum Abkühlen dann ein kurzes Bad im warmem Hafenwasser, mit der anschließenden Dusche aus dem Wasserkran.

Jetzt, heute Montag den 28. Juni, ist das Schiff so ziemlich fertig, jedenfalls was die Segeltechnik betrifft, das Funkgerät ist eingerichtet, der Plotter funktioniert, es fehlen noch die Essens- und andere Vorräte - Dänemark ist teuer!!! - und Diesel, dann kann es losgehen. So das Schicksal es will, am Do oder vielleicht erst Freitag, wir werden sehen. Das viele Klein-Klein, was das Leben hier so auszeichnet, ist für niemanden von Interesse, deshalb sparen wir uns das dieses Jahr.

Fr., den 2. Juli
Der Tag der Abreise ist gekommen, das Auto weggebracht, die letzten Vorräte eingekauft und das Schiff soweit segelfertig. Bei leichter Bewölkung und Sonnenschein legen wir knapp vor 12 Uhr ab, etwas später als gedadht, aber es ist ja auch die erste Fahrt, die Routine muss sich erst noch einspielen. Die Bütterchen sind geschmiert und nach Verlassen des Uecker-Kanals und Erreichen der ersten Tonne des Tonnenstrichs Ueckermünde setzen wir das Vorsegel, bei 4 Bft auf West reicht das aus, um mit einigen Knoten Richtung Polnische Grenze zu fahren. Wir sind auf dem Stettiner Haff und immer wieder schweift der Blick suchend nach Fischernetzen, die bis dicht unter die Wasseroberfläche gehen können. An einigen Fahnen, die sie markieren, fahren wir vorbei, der Abstand ist groß genug. Eine große Erleicherung sind die Kurslinien früherer Fahrten auf dem Plotter von und nach Ueckermünde aus/nach Swinoujscie, so dass wir nur diesen Linien folgen müssen. Freilich sind sie im grellen Sonnenlicht schwer zu lesen, zumal mein Augenlicht sich in den letzten zwei Jahren  nicht verbessert hat.

Kurz vor zwei Uhr überqueren wir die polnische Grenze, schon gespannt, ob wegen Corona gleich ein Polizeiboot aufkreuzt und die Ausweise kontrolliert. Aber nichts dergleichen, es sind keine Kontrollen sichtbar. Allerdings sind wir auch nicht wirklich informiert, wie es mit Corona auf polnischer Seite aussieht, aber das wird sich noch herausstellen.

Kurz vor drei Uhr nachmittags wechseln wir den Kurs, jetzt geht es nach Nordwesten Richtung Kaiserkanal. Wir fahren gegen Wind und Welle. Das Vorsegel lässt sich nicht einholen, die Trommel mit der Rückholleine ist übervoll, das Tau verheddert sind und ich muss nach vorne an die Bugspitze, sitzend und rutschend, weil das Schiff der kurzen steilen Wellen wegen sich vorne heftig hebt und senkt. So sitze ich vor der Rolle, einen Fuß über die Bordwand, der immer wieder vom Seewasser überspült wird. Lieber nasse Füsse als ins Wasser fallen, denke ich. Mit aller Kraft drehe ich die Trommel so weit, dass wenigstens drei Viertel des Segels aufgerollt sind. Wegen des verklemmten Taus besteht nicht die Gefahr, dass das Vorsegel sich von alleine aufrollt.

Kurz vor vier Uhr erreichen wir die Einfahrtstonnen in den Kaiserkanal, jetzt beruhigt sich das Wasser, Wellen sind kaum spürbar und so schnell es geht fahren wir Richtung Swinoujscie-Marina. Auf der Steuerbordseite sehen wir zahlreiche Bäume mit Nestern voller Kormorane, meistens sind es tote Bäume ohne Blattwerk, die sie sich aussuchen.

Kurz nach fünf Uhr erreichen wir die Marina, die 24,5 Seemeilen haben wir in 5 Stunden und 40 Minuten bewältigt, davon konnten wie immerhin knapp drei Stunden Segeln, der Rest Motorzeit. Nicht schlecht für das erste Mal, wir merken, dass uns die Routine der vergangenen Fahrten etwas fehlt durch die 1-Jahres-Corona-Pause.

Im Hafen von Swinoujscie dann die Überraschungen, auf die man sich immer so freut: Bis 2019 waren an den ca. vier Stegen nur 2 Hausboote angebracht, jetzt sind es über 11. Teilweise ist der Platz zwischen ihnen und dem nächsten benachbarten Steg mit Leinen abgesperrt, so dass nicht einmal kleine oder schmale Boote hier anlegen können. Entsprechend knubbeln sich jetzt die ankommenden Segler und Motorboote um die geringere Anzahl von Liegeplätzen. Bis spät abends nach 10 Uhr können wir beobachten, wie spät Ankommende sich lange einen Platz suchen müssen. Die linke Hafenhälfte ist ja für die meisten deutschen und polnischen Boote nicht zugänglich, weil es dort nur feste Liegeplätze gibt.

Aber das ist noch nicht Alles: Zusätzlich zur Liegeplatzgebühr wird jetzt eine Kurabgabe von 4,40 ZTL erhoben. Hallo, seit wann ist Swinoujscie ein Kurort? Gegenüber der Stadt erhebt sich auf dem Hafengelände und dahinter ein riesiges Industriegebiet mit Lärm, Emissionen und Betrieb 24 Stunden am Tag. Nachts und tagsüber kommen mehrmals die riesigen Fährschiffe aus und nach Skandinavien, die ungehindert ihre Rußwolken aus den Schornsteinen über das Stadtgebiet verteilen. Parken die Fähren am Pier, laufen wegen der Stromerzeugung permanent die Motoren mit den Abgasfahren. Das soll ein Kurort sein? Nein, es geht um pure Geldschneiderei, weil weder irgendwo erläutert wird, für was diese Kurabgabe sein soll noch wie wir sie als Segler überhaupt nutzen könnten. Aber das interessiert ja auch niemanden wirklich, vermutlich haben sich die Swinoujscier Stadthäupter gedacht, was die Deutschen  im Stettiner Haff können, das können wir schon lange! Interessant, wie auch die Hafenverwaltung sich gewandelt hat: Früher gab es ein großes Buch, in das alles eingetragen wurde, vom Schiffsnamen bis zur Bootslänge, Heimathafen, Adresse des Eigentümers, dann gab es Buch und PC-Verwaltung, jetzt gibt es nur noch den PC, alles läuft viel automatisierter ab, auch das Geldeinziehen, aber die Kurabgabe: Umständlich wird ein Zettelchen ausgefüllt, natürlich doppelt, mit Durchschlag, der Segler bekommt seine Kopie und die andere wird irgendwo abgeheftet. Industriestadt Swinoujscie und Kurabgabe, ein Witz der traurigen Art. Mit einem Wort: Die Marina hat sich nicht verbessert, ist teurer  geworden, und jetzt auch noch die Kurabgabe. Obwohl: stimmt so nicht ganz! Die Toiletten im 2. Wasch- und Sanitärgebäude sind endlich auf einen Mindeststandard gehoben worden, wie er eigentlich üblich ist. Und das auch nur begrenzt: Am So-Morgen, als wir abfahren wollen, fehlen in beiden Toiletten das Klopapier. Die Müllcontainer am Kai - Remondis als Entsorger - laufen über, der Müll häuft sich um die Rollcontainer herum auf. Naja, was soll's, Hauptsache weg!

So., den 4. Juli

Ein Tag Swinoujscie war genug, ein Tag Pause nach einer Überfahrt ist die Mindesterholzeit, jetzt stehen uns 44 Seemeilen bevor, die erste lange Strecke nach Sassnitz.
Schon etwas routierter stehen wir früh auf, "mitten in der Nacht", wie wir zu sagen pflegen, und um halb neun ist die Motor an. Es ist ziemlich windstill, trocken, warme Luft und angenehme Temperatur von knapp 18 °C, später auf 24-25 °C steigend. Schnell liegt Swinoujscie hinter uns, der Seegang ist fast Null, die Wasseroberfläche glatt bis ölig, und der Motor schnurrt. Problemlos war er angesprungen, Öl ist auch genügend vorhanden, so dass es erstmal gut läuft. Nach den ersten Meilen auf der Ostsee versuche ich die Selbststeuerung zu installieren, aber die ständige Korrektur des Kurses nervt und später, auf Automatik eingestellt, kurvt das Schiff immer um eine imaginäre Kurslinie herum, es nervt. Dann also Handsteuerung, geht auch, wenn auch der Arm immer länger wird.
Der Weg zieht sich hin, aber die Welle ist gering, später kommt etwas Dünung der vergangenen Tage auf, kein großer Hinderniss. Mit fast 6 Knoten = 6 Seemeilen pro Stunde pflügen wir durch das ruhige Wasser, links von uns die Küstenlinie von Usedom, rechts einige wartende große Schiffe, später zwei Fähren. Es ist nichts los, bis kurz vor der Einfahrt von Sassnitz haben wir keine Handvoll Schiffe gesehen.
Mit Bütterchen, Bonbons und Kaugummi sowie Gesprächen über das und jenes vertreiben wir die Zeit, achten aufd Schiffernetze - bis auf ein einsames Fähnchen nichts zu sehen - und schauen nach vorne, wo Wasseroberfläche und Horizont in einem undurchdringlichen Grau miteinander verschwimmen. Hin und wieder ein bisschen Sonne, meistens Wolken, kaum Wind, es ist nichts los. Und trotzdem anstrengend, immer schauen, immer wachsam, immer auf der Hut vor Netzen oder Hindernissen, die wie aus dem Nichts auftauchen. Manchmal fallen mir die Augen zu, die Nacht war kurz, schlecht geschlafen, die Aufregung vor einer so weiten Strecke. Mein Vorschlag zwischen durch, nach Thiesow abzubiegen, war nicht wirklich durchdacht, insgesamt hätten wir so eine größere Strecke gemacht, aber verteilt auf mehr Tage, was wiederum mehr Zeit gekostet hätte. Schließlich wollen wir ja nach Sjaelland, auch wenn Barbara immer wieder von "Bornholm" spricht, aber das mehr als Provokation mir gegenüber. Ich antworte dann mit "Kröslin", meinem "Lieblingshafen", 5 Sterne, aber auch mit einem langem Umweg durch den Greifswalder Bodde verbunden. So haben wir unsere kleinen gegenseitigen Sticheleien und lachen darüber.

Kurz vor 12 Uhr entdecken wir etwas Großes im Wasser, es sieht anfangs aus wie eine Rettungsinseln, die halb untergegangen ist, mit einem Menschen an Bord. Beim näheren Heranfahren entpuppt sich das Ding als Gummibadeinsel oder so ähnlich, der "Kopf" des Menschen ist irgendein rundes Teil, es treibt vor sich hin. Wir lassen es ziehen, es ist ja nicht unsere Aufgabe, den Müll anderer aus der Ostsee zu entsorgen.

Gegen ein Uhr sind wir auf Höhe der Greifswalder Oie, einer mitten an der Küsten gelegenen unbewohnten Insel, sieht man von den Vogelwelten ab, die dort wohnen und zum Teil auch überwintern. Mit genügend Abstand geht es weiter, an Mönchsgut vorbei, wieder die Küste jetzt von Rügen an der Backbordseite. Sassnitz wird allmählich sichtbar, anhand der Wegepunkte auf dem Plotter ist die Ansteuerung nicht allzuschwer.

Um halb fünf, nach fast 8 Stunden, machen wir die Leinen in Sassnitz fest, an einem guten Platz. Das Anlegen klappt wunderbar, jetzt noch aufräumen, Hafenmeister und essen gehen. Wir haben uns es verdient!
Beim Hafenmeister wieder so ein Überraschung: Jetzt gibt es keine Tally-Card  mehr für Strom, sondern eine "Servicepauschale" für Strom, Wasser und Müllentsorgung. Was mindestens teilweise ein Witz ist: Am ganzen Steg 2 gibt es bei mehr als 50 Schiffen eine einzige Zapfstelle für Wasser, aber kein Trinkwasser. Seit Jahren vermag die Hafenverwaltung das Problem mit dem Trinkwasser nicht zu lösen: weil die Wasserleitungen durch den Hafen wohl nicht dicht sind, Verunreinigungen enthalten sein könnten, bekommt die Hafenverwaltung kein Zertifikat für Trinkwasser, nur für Brauchwasser. Vor zwei Jahren gab es noch nicht einmal diese Zapfstelle. Weil jetzt die "Serviceabgabe" erhoben wird für Wasser, muss wenigstens eine Zapfstelle vorhanden sein. Und natürlich zahlt man hier auch Kurabgabe. Dafür gibt es kostenloses WLAN, das hier an unserem Platz - ca. erstes Drittel des Steges - soweit von der Sendestelle entfernt ist, dass es regelmäßig zusammenbricht. Und den Code für die Toilette und das WLAN muss man sich jeden Tag abends abholen!
Wie man sieht: auch hier geht es nur darum, Geld zu machen, bei geringfügigen Verbesserungen!

Natürlich ist es nicht bei der Feststellung einer Wasserzapfstelle geblieben. Freundlich den Hafenmeister am nächsten Tag gefragt, hat der längst seine routinierte Antwort auf der Zunge, bevor ich meine Frage überhaupt vollständig losgeworden bin. Da, an der gegenüberliegenden Brücke - er geht sogar mit mir vor die Tür, vom 1.Stock des Hafengeäudes ist die Brücke gut zu sehen - gebe es Schläuche und Zapfstellen zur Genüge. Nur: kein Skipper wird dort anlanden, die Brücke ist viel zu hoch, man muss an der Stelle anlegen, wo eine Leiter befestigt ist, und wer einmal in einer Box ist, wird diese erst wieder verlassen, wenn er weitersegelt. Dann kann er/sie auch gleich im nächsten Hafen vom Steg aus Wasser tanken. Also eine reine Pro-Forma-Argumentation: Wer es wirklich nötig hat, der kann doch an die Brücke fahren! Sowas nennt man im allgemeinen Verarscherei!

Heute gibt es mal wieder kein Internet, gut, dass wenigstens das Smartphone über WLAN seine email- und Wetterdaten holen kann. Bevor ich wieder mal erfolglos die Konfiguration verschlimmbessere, gebe ich es lieber auf und übe mich in Gelassenheit: hinzunehmen, was nicht zu ändern ist, den Mut zu haben, das zu ändern ist, was zu ändern ist und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden, so in Kurzform der Gelassenheitsspruch von Al-Anon. Es regnet draußen, also machen wir einen Bordtag, viel Ruhe, nachdem gestern bei lauem Sonnenschein eine Menge Dinge geregelt, installiert, repariert usw. wurden.

Morgen geht es weiter nach Glowe, dann der große Sprung über den Teich nach Mön-Klintholm. Dann sind wir in Dänemark!

Do., den 8. Juli
Die Fahrt nach Glowe verläuft unspektulär, es sind ja auch nur 3 Stunden Fahrtzeit für die 14 Seemeilen. Etwas über eine halbe Stunde segeln wir, aber bei einem 3-er Wind bringt uns das nur 3 - 3,5 kn, zu langsam. Also muss doch der Jokel wieder ran. An den Kreidefelsen vorbei - es ist schön, sie anzusehen, sind sie doch ein Zeugnis der gewaltigen Veränderungen, denen die Ostsee im Jura (?) ausgesetzt war. Aber das soll jetzt keine Nachhilfestunde in Geologie-Geschichte sein, das kommt später. Vor halb drei machen wir direkt vor dem imposanten Hafenmeistergebäude fest, mit der Absicht, diesmal ein gutes WLAN  zu bekommen. Es klappt, die Verbindung über das Offene Netz MVP ist hervorragend.

Am Freitag-Nachmittag fängt es an zu regnen. Was erst als kleine Schauer begann, wächst sich mit den Stunden zu einer Sintflut aus. Zum Glück steht die Kuchenbude seit der Ankunft, es war ja angekündigt, aber diese Mengen? Der Wind nimmt zu auf 5 Bft, in Böen 6. Es schüttet und schüttet, eine Regenfront nach der anderen. Längst ist gegen Mitternacht die Imprägnierung der Kuchenbude durchgenässt, Beulen bilden sich auf dem Dach, es tropft durch. Trotz zweier Schirme ist alles nass oben, selbst unter der Sprayhood bleibt es  nicht trocken. Erst am Sa-Mittag hört das Nass auf, und allmählich wird es sonnig. Wir machen den "letzten" Einkauf im Supermarkt von Glowe und gehen danach Essen.

Sonntag wollten wir eigentlich weiter, aber bei einem 3-er Wind hätte das wieder motoren bedeutet. So nehmen wir den Montag, hier sind 4-5 Bft vorausgesagt aus östlicher Richtung, das passt. Wir haben ja Zeit und können auch mal einen Tag länger bleiben, zumal die Regen- und Starkwind-Nacht nicht gerade von Erholsamkeit durchtränkt war.

Mo., den 12. Juli

Wieder müssen wir früh aufstehen, der Weg nach Klintholm ist lang: 48 sm wird nachher der Plotter gemessen haben, 44 sm sind es nach Karte. Die Differenz ist wohl dem kleinen Umweg und Bogen zuzuschreiben, den wir wegen des Windes und die Seeschifffahrtsstraße machen mussten, auch das Auf und Ab in den heftigen Wellenbewegungen hat einen kleinen Teil dazu beigetragen.

Kurz nach 9 Uhr legen wir von Glome ab, im Hafen kräuselt sich das Wasser vom 4-er-Wind. Draußen auf See geht es gleich zur Sache: Nach der Untiefentonne wird das Groß hochgezogen, dann das Vorsegel, und ab geht die Post. Schon zu Beginn der Fahrt wird mir die Stimmung versaut: beim Anbändseln der Brille bricht ein Bügel ab. Das kann ich jetzt gut gebrauchen! Zum Glück ist die Ersatzbrille gleich griffbereit, sie hat die gleichen Stärken, auch wenn von einem Glas ein kleiner Teil abgesplittert ist. Aber ich kann sehen und es kann weitergehen. Musste das jetzt sein? Naja, die Brille ist eben auch schon in die Jahre gekommen. Und es ist nicht das erstemal, dass das Material an irgendeiner Stelle bricht. Nichts hält für die Ewigkeit, noch so ein Trostspruch!

Barbara nimmt das gleich persönlich, "Unausstehlich", schreibt sie über mich, "ich hasse es, wenn er so ist." Aber das ist nicht mein Problem, ich habe ihr ja keine "Schuld" zugewiesen. Naja, die Kindheit lässt grüssen, mehr muss ich da nicht sagen!

Nach etwas mehr als einer halben Stunde sind wir soweit weg von allen Untiefen vor Glowe, dass wir segeln können. Die Sonne scheint, es weht in Wind 4-5 Bft aus Ost, und die Wellen werden immer heftiger. Bis zum Kap Arkona sind es ein bis eineinhalb Meter, danach nehmen die Zwei-Meter-Wellen zu, die seitlich von hinten herangewalzt kommen, unter dem Schiff durchlaufen und vor dem Schiff mit Karacho zusammenbrechen. Jede zehnte Welle ist stärker, aber das habe ich ja früher schon mal beschrieben. Allmählich verschwindet Rügen hinter unserem Rücken und wir sind allein auf weiter See, kein Schiff um uns herum.

Zwischendurch, es ist etwa 11 Uhr, flaut der Wind etwas ab, um dann kurze Zeit später wieder zuzunehmen. Die Wellen bleiben im wesentlichen die gleichen, es geht auf und ab, auch wenn das Schiff auf dem Halb-Wind-Kurs ziemlich stabil segelt. Hin und wieder packt uns eine Böe, dann wird das Boot ein bisschen luvgierig, will in den Wind, und mit Druck auf dem Ruder kehrt es wieder zu seinem alten Kurs zurück.

Zwischendurch hören wir Seefunk von DP07, der Empfang von Kap Arkona ist ziemlich gut. Das Funkgerät scheint zu funktionieren, auch wenn nachher die Seefunkgespräche anderer Boote schnell im Rauschen versinken. Man hofft ja immer, dass der Gebrauch nicht notwendig sein wird, aber wer weiß?!

Kurz vor sechs Uhr sind wir endlich vor Klintholm, vom Wind ausgezehrt, es hat lang gedauert und wir sind so lange Fahrten nicht mehr gewohnt. Und die Schaukelei, das ständige stundenlange Kurshalten auf 330°, später dann 300° und dann 280° strengt doch ziemlich an. Immer schauen, immer Kurs korrigieren, immer Konzentration auf Wind, Welle und Segelstellung, es kostet Kraft und uns fehlt dank dem Corona-Jahr etwas die Routine und Übung. Naja, das wird schon werden, jetzt um Sjaelland herum liegen ja viele kleine Häfen, das sind die Distanzen schon kleiner.

Kurz nach sechs Uhr erreichen wir den Hafen Klintholm, es ist proppenvoll, sogar im Fischereihafen ist kein Platz mehr. Aber wir haben Glück: einer großen 12-m-Yacht ist der Tiefgang in einer Box zu gering, sie fahren wieder raus und überlassen uns den Platz. Eigentlich sind wir zu klein für diese Stelle, aber mit Hilfe der Nachbarn von nebenan gelingt uns das Anlegen mit Seitenwird. Wir sind einfach nur platt und nach eine Verschnaufpause gibt es zum Abendessen nur die "Hasenbrote", die tagsüber nicht gegessen wurden. Sie schmecken vorzüglich, der Hunger treibt's rein, wie man so sagt.

Später am Abend haben wir noch ein nettes Gespräch mit den Nachbarn über monatelanges Segeln nach Erreichen des Ruhestandes, ein kleiner Ouzo lockert die Stimmung, nette Leute, auch wenn sie ein großes 12-m-Schiff fahren. A pro pos Schiffslänge: Wir sind mal wieder die Kleinsten, andere "Kleine" haben an einem anderen Steg festgemacht, aber uns wurde dieser Platz ja gewissermaßen zugewiesen.

Statt Hafenmeister gibt es einen Bezahlautomaten wie in Dänemark und Schweden weit verbreitet, keiner fragt nach, warum so ein kleines Boot in einer so große Box liegt.
Spät kommen wir ins Bett, es braucht seine Zeit, bis wir die Tagesanstrengung so weit runtergeschraubt haben, dass wir schlafen können. Jetzt heißt es "Willkommen Dänemark" und wir werden sehen, was daraus passiert.

Sa., den 17. Juli

Nach 5 Nächten in Klintholm treibt es uns weiter auf unserer Sjaelland-Tour. Der kleine Hafen Hårbølle an der Westseite von Mön am Eingang des Grønsunds ist das Ziel. Versorgung gibt es hier wenig, ein kleines Caffee mit einer Burger-Braterei, die allerdings sehr lekker sind.
 Für die 17 sm brauchen wir fast dreieinhalb Stunden mit dem Motor gegen Wind und Welle, beides bis zum Grønsund ziemlich moderat, dann zunehmend. Die ziemlich schmale kabbelige Hafeneinfahrt mit Querströmung errinnert uns an die polnischen Häfen, ist aber nicht vergleichbar mit denen. Der Hafen ist voll, auf dem Bild im Hafenguide hat er viel größer ausgesehen. Am 1. Steg kriegen wir noch einen Platz, der Bug ragt etwas in die Hafeneinfahrt rein. Später, als sich eine große HR am Quersteg plaziert, fällt das gar nicht mehr auf. Zur Warnung befestigen wir trotzdem ein rotes Tuch vorne.

Am Abend spielt eine 2-Mann-Group sentimentale Lieder, endlich der Schlusssong enthält etwas mehr Pfeffer. Das bei Sonnenschein bzw. Sonnenuntergang und pfeifendem Wind von 4 Bft. Aber es ist einigermaßen warm. Der Burger-Preis reist uns von den Socken, der Chef tut alles, um radebrechend auf Englisch und Deutsch ihn zu rechtfertigen: Ökologische Wirtschaft, alles regional usw. usf. Wir glauben ihm alles, können wir es ja doch  nicht nachprüfen. Immerhin ergeben sich mit einem Motorradfahrerpärchen und den deutschen Schiffsnachbarn nette Gespräche, die über das Woher und Wohin hinausgehen. Mit den Dänen ist das nicht so einfach, deren Englisch ist vielfach besser als mein, mir fehlen die Vokabeln. Das Schiffspärchen - wenigstens wird deutsch gesprochen - erzählt viel, sie sind beide noch sehr jung und haben noch keine Kinder.

Am Sonntag weht durchgehend der Westwind von 5 Bft, in Böen 6, die Sonne scheint, aber der Wind macht das ganze doch belastend. Morgen werden wir weiter fahren, nach Stubbekøbing, zum Tanken und Einkaufen, um dann auf einem längeren Schlag nach Søfronten/Karrebaeksminde zu fahren. Vordingborg lassen wir außen vor, bei den nun seit Tagen herrschenden Westwinden dürfte der Hafen ziemlich flach sein, bei 1,50 oder weniger Metern.



Mo., der 19. Juli

Erstens kommt es immer anders und zweitens als man denkt: Das Gespräch mit dem Motorradfahrer auf dem "Fest" am Sa-Abend hat uns doch zum Nachdenken gebracht: 80 sm Strecke zwischen den Häfen. Und das bei Westwind, also gegen Strom, Welle und Wind. Oder kreuzen, was einen enormen Zeitaufwand beansprucht. Also setze ich mich am So hin und messe alle Strecken zwischen den Häfen aus und lese in Jan Werners Dänemark-Führer, was die Häfen so bieten an Schutz, Versorgung, Anlaufschwierigkeiten usw. Und siehe da: es ist machbar, der größte Entfernung bewegt sich zwischen 25  und 30 sm. Und trotzdem: die nächsten Tage - der Westwind scheint wie festgeschrieben - nur motoren, lässt uns umdenken. "Kannst du den Wind nicht ändern, so ändere die Richtung", so oder ähnlich heißt es in einem großen Spruch an einer Hauswand in Heiligenhafen. Und das machen wir: wir fahren nach Kaldehave, an der Südseite von Sjaelland, gegenüber von Mön und dann mit dem Westwind nach Norden. So kommen wir quasi am Anfang der Umrundung in Kopenhagen an und nicht am Ende. Wieweit wir dann nach Norden können, entscheidet ein anderer Tag und ob es dann zur Umrundung kommt - dafür wäre Ostwind oder etwas ähnliches notwendig - steht noch in den Sternen.

Der Weg nach Kaldehave ist - auch wenn es auf der Karte wenig aussieht - doch umständlich: genau dem Tonnenstrich folgend nach Verlassen des Storstroms fahren wir zunächst durch den Middelgrund, dann Skippergrund wo das Fahrwasser schon recht schmal ist, dann Farvand, um dann gegenüber der Insel Taerö in den breiteren Ulvsund zu kommen, der nach der Brücke zum Hafen Kalvehave führt. Unter drei großen Brücken fahren wir durch, die Höhe ist schon recht beeindruckend, wie die Autos im Spielzeugformat über uns dahinrauschen. An einer Stelle komme ich durcheinander mit der Tonnenmarkierung, der Tiefenmesser piept aufgeregt, wie auch im Hafen selbst. Aber wir haben ihn auch großzügig eingestellt, bei 0,9 m, so dass immer noch mindestens eine Handbreit Wasser unterm Kiel verbleibt.

In Kalvehave finden wir schnell einen Platz, dessen Breite mit 3,30 m groß genug für unser Boot ist und sind froh, endlich nach viereinhalb Stunden und 22 sm angekommen zu sein. Die Sonne scheint, der Wind bläst mit 3 Bft, es wird ein schöner Abend, inclusive Sonnenuntergang.

Gegen Abend kommt noch ein dänischer Segler herein, der Steuermann verpasst knapp die Box, das Schiff rammt den Pfosten. Leider hat die Frau an Bord ihre Hand nicht rechtzeitig weggewogen, als sie versuchte, die Jacht abzuhalten, so dass der Daumen gequetscht wird. Barbara hilft ihr mit einer eiskalten Packung Quark und später Arnika-Salbe. Am nächsten Morgen bekommen wir die Salbe zurück, mit einem Toffeefee als Geschenk. Dem Daumen ist nichts passiert, und die Quetschung ist glücklicherweise zurückgegangen.

Am nächsten Morgen ist es frisch, mit 4 Bft mehr Wind, die Kuchenbude bringt etwas Wärme, die Sonnenschutzplane ist jetzt zu wenig. Wenigstens 2 Tage bleiben wir hier, bevor wir weiterfahren und vielleicht Kopenhagen in einer Tour erreichen.

Do., den 22. Juli

Kopenhagen in einem Schlag zu erreichen war uns dann doch zu weit. Über 40 sm, o.k., das hätten wir auch geschafft, aber wozu? Müssen wir Strecke machen, wollen wir diesen Stress? Deswegen haben wir uns für Rødvig als Zwischenziel entschieden und das war schon anstrengend genug. Von Kalvehave folgt die Strecke durch die Nordre Knigge vobei am Kinde Riv, Untiefen rechts und links, allerdings auch genügend Tonnen, nur manchemal weit entfernt. Fischernetze bilden eine zusätzliche Gefahr. Nach ca. 8 -10 Tonnen kommt eine kleine Kursänderung, der nächste Tonnenstrich. So folgt einer dem anderen. Endlich sind wir im Bøgestrom, der zwischen der Stenhage- und Sandhage-Untiefe in die Faxe-Bucht führt. Ständig piept der Untiefenmesser, manchmal sendet er nur "arabische Zeichen", weil irgendwas mit dem Display nicht in Ordnung ist. Mit der Zeit gewöhnt man sich fast daran: 0,5 m, 0,3 m, 0,0 m, aber es passiert nichts. Laut Karte haben wir mindestens eine Tiefe von 1,8 - 2,0 an den flachsten Stellen. Und als wir endlich das offene Fahrwasser der Faxe-Bucht erreicht haben, sind wir doch sehr erleichtert. Auflaufen auf Grund im dänischen Fahrwasser, das hat uns noch gehfehlt zu unseren bisherigen Auflauf-Erfahrungen.

In der Faxe-Bucht geht es dann schnurstracks mit 30° nach Nordwesten, nach Rødvig. Den Hafen haben wir ja bereits 2014 kennengelernt und er hat sich gemausert. Wie erwartet ist der Jachthafen proppenvoll, vor allem Dänen sitzen hier, ein paar Deutsche und wenige Schweden. Kein Platz mehr, also retour in den Fischereihafen. Es ist halb drei und dann das. Aber im Jachtführer ist der entsprechende Hinweis schon enthalten und wir sind nicht sehr verwundert. Aber auch im Fischereihafen sind schon alle Boxen und Stege sowie die Piers für die Fischereiboote belegt. Päckchen wollen wir nicht haben, also ab in die hinterste Ecke. Und siehe da, vor den roten Fischerhäuschen, in romantischem Ambiente, können wir an einem Steg längsseits festmachen. Es ist hier zwar auch nur 1,50 m tief, aber das stört uns nicht. Der Hafenboden besteht sowieso auch dickem Schlick, da kommt man immer raus.

Und dann geht es Schlag weiter: Schiff nach Schiff kommt herein, erkundigt die Lage, dreht wieder ab, kommt zurück und bald sind die gegenüberliegenden Kais von Jachten im Doppel- und Dreierpack besetzt. Wir haben das Glück, dass neben uns keiner festmachen kann, weil das sonst die Fischerbooote behindern würde.

Noch lange können wir die Abendsonne genießen, der Wind ist nicht allzu frisch. Und am nächsten strahlenden Morgen sind alle wieder weg, gegen nachmittags drei Uhr fängt das ganze Theater wieder von vorne an. Ich fahre gegen Mittag mit dem Fahrrad herum, um einige Fotos zu machen, nachdem wir über eine Stunde beobachten konnten, wie ein 2-Master - mindestens 30 Tonnen schwer - von der Werft ins Wasser gelassen wurde und wieder gehoben werden musste, weil wohl irgendetwas undicht war. War auf jeden Fall spannend und bekommt man nicht alle Tage zu sehen.

4 Stunden haben wir für die 20 sm gebraucht, unsere Durchschnittsgeschwindigkeit. Segeln war nicht, bei Windstärke 3 Bft machen wir 2 Knoten, das hätte dann noch länger gedauert.


Mo., den 26. Juli

Für die Fahrt nach Kopenhagen müssen wir früh aufstehen, aber wie in den meisten Nächten vor einer Tour kann ich nur wenig schlafen. Die Aufregung und die Gedanken, was sein könnte, ich habe Mühe, das zu verdrängen. Jedenfalls scheint schwach die Sonne, die Starkwinde der vergangenen Tage sind abgeflaut, nur noch Windstärke 4 Bft.

Um halb zehn lösen wir die Leinen, der "Abflug" passiert ohne Probleme. Bereits im Hafen kommt das Großsegel hoch, weil draußen nach den Starkwindtagen erwartbarer Schwell das Schiff auf und ab bewegt, was das Hochziehen des Segelns immer erschwert. Genauer gesagt, das Schiff im Wind zu halten und das ist dann Barbaras Job, beides zusammen muss ja nicht sein. Wenige Minuten danach machen wir den Motor aus und suchen erstmal Abstand von der Küste, der Ostwind bedeutet für uns, dass er auflandig ist.

Mit einigen Wenden kommen wir weiter weg von der Küste und besser an den Wind, der bei einem Kurs von 30 ° uns direkt Richtung Kopenhagen treibt. Es geht immer gerade aus, keine Fischernetze, noch keine Frachtschiffe oder Fähren. Viele Segler sind unterwegs und nützen den Wind auf dem Weg nach Süden oder Norden.

Viertel nach 11 schwächt der Wind leider so weit ab, dass wir nur noch weniger als 3 Knoten machen. Also werfen wir den Motor an und weiter geht die Fahrt bis zum Eingangstonnenstrich in die Fahrtstraße des Öresunds Richtung Kopenhagen. Um halb drei erreichen wir diesen Radarpunkt Drogden, ab da folgt der Tonnenstrich nach Norden. Und dann müssen wir etwas aufpassen, immer wieder kommen große Frachter. Erstmals gesichtet sind sie noch weit weg und dann auf einmal nur noch eine halbe Seemeile. Aber der Tonnenstrich ist breit genug, und trotz der vielen Segler hat jeder genug Platz.

Kurz vor Kastrup, dem Flughafen Kopenhagens, kommen mehrere Flieger tief über den Sund, es sind Maschinen aus Schweden. Man meint, sie berühren zu können, so dicht fliegen sie vorbei.

Um halb fünf legen wir in einer grünen Box beim Segelklub Lynette auf Margaretheholm an. Margaretheholm ist eine Stadteil der Insel Armager, die vor Kopenhagen liegt. Links von uns ein großes Kraftwerk, dessen Gebäude mit schöner Verkleidung den Zweck des dortigen Betriebs im dunkeln lassen. Daneben große Wohnblocks, teils mit etwas attraktiveren Verkleidungen, so dass sie nicht ganz so trist aussehen wie Plattenbauten aus dem Osten.

Nach siebeneinhalb Stunden und 34 Seemeilen sind wir platt und erfreuen uns an den "Hasenbroten", die noch von der Fahrt übrig sind. Und genießen den Sonnenuntergang über der fernen Stadt, deren Geheimnisse noch vor uns liegt.



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update: 28.07.2021                    zurück zur Hauptseite