Törnbericht 2017: Deutsche Ostseeküste bis...

Inhaltsverzeichnis:

Ende April:

Di., den 16. Mai Fahrt nach Heiligenhafen

Mi., den 17. Mai Heiligenhafen, SVH-Gelände

Do., den 18. Mai Heiligenhafen, SVH

Fr., den 19. Mai Heiligenhafen, SVH

Fr., den 9. Juni Fahrt nach Heiligenhafen

Sa., den 10. Juni Die ersten Tage

Do., den 22. Juni Zwischenbericht

Mo., den 26. Juni Schiffstaufe

Do., der 6. Juli SVH

Sa, den 17. Juli SVH

Mi., den 19. Juli 2017 Bagenkop

Mo., den 24. Juli: Maasholm

Di., den 1. August: Gelting Mole

Di., den 08. August: Flensburg

So., den 13. August: Maasholm

Mi., den 16. August: Heiligenhafen

So., den 27. August: Heiligenhafen

 

Liegeplatzkosten und Nebenpreise

 

Ende April:

     In den letzten Wochen hat die segel-bar ein "neues" Gesicht bekommen. Alle Törnberichte haben jetzt ein Inhaltsverzeichnis und die Bilder sind mit Unterschriften versehen. Zudem wurde überall die Schriftgröße 14 pt eingesetzt und die Überschriften vereinheitlicht. Das "Menü" ist jetzt nicht mehr oben, sondern an der rechten Seite. An der Struktur hat sich nichts geändert. Der Reisebericht von 2011 steht immer noch aus, vielleicht schaffe ich dieses Jahr wenigstens einen Überblick. Es gibt ja noch das Logbuch.

    Es wäre nett, wenn mal der eine oder  andere Leser sich zu diesem "Relaunch" äußern würde. Als Schreiber ist man doch für jedes feedback dankbar.

Törnberichte

   
   
2018 Törnbericht 2018: Polnische Ostseeküste bis Danzig
2017 Törnbericht: Deutsche Ostseeküste bis Flensburg
2016 Richtung Kattegat - Dänemarks Norden
2015 Von Polen bis Heiligenhafen
2014 Einmal Lübeck-Dänische Südsee Bornholm-Usedom
2013 Bis Rügen und zurück
2012 Vom Ijsselmeer in die Ostsee
  Sommertörn Ostsee
2011 Vom Ijsselmeer ins Watt
2010 Von Hamburg ins Lauwersmeer
   
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     Was die Reise betrifft: Noch ist nichts passiert. Die Planungen sind über das Stadium erster Gedanken nicht hinausgekommen, es fehlen die Karten, das GPS-Modul muss noch bestellt werden usw. usf. Und dann steht da auch noch der Verkauf von "de Widzi I" an. Das "neue" alte Schiff kann nur "de Widzi II" heißen, weil der Name ein Programm ist: der Weg ist das Ziel. Soviel zum Motto unserer Reisen. Und: wir werden dieses Jahr wieder zusammen reisen, meine liebe Frau und ich. Und vor der Reise wird es noch eine Taufe geben, eine Schiffstaufe.

     Soviel steht erst mal fest: zwischen dem 16. und 18. Mai wird das "neue" alte Schiff poliert, das Antifouling aufgetragen und die ganze Yacht zusammengebaut. Da gibt es eine Menge zu lernen, aufzupassen, mitzuschreiben, Fotos machen, damit ich mich später erinnere, wie denn dies oder jenes gemacht werden muss. Tja, heute nennt man das Dokumentation.

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Di., den 16. Mai Fahrt nach Heiligenhafen

     Aufstehen morgens um viertel vor vier Uhr, Barbara war noch wach. Duschen, Kaffee, Müsli, die letzten Routinen, noch einige Sachen packen, um halb sechs fahre ich los, Richtung Autobahn. Es geht alles glatt, bis Bremen, wo ich gegen neun Uhr eintreffe und von Stefan eine große Tasse kräftigen Kaffees bekomme.

      Dann wieder zurück auf die Route nach Hamburg. Das Navi leitet mich durch Bremens Vorstädte, 30-km-Zonen ohne Ende, bis ich endlich wieder auf der richtigen Straße lande. Die Fahrt zieht sich hin, ich schlafe schier ein. Auf der Strecke vor Heiligenhafen, in einer Kurve, lande ich auf der linken Bahn, ich muss einen Sekundenschlaf gehabt haben. Da kein Gegenverkehr, passiert auch nichts. Irgendwie komme ich an und besichtige erst mal das Zimmer. Da ist es gerade Mittagszeit.

      Herr Wiesemüller, der Pensionswirt, kämpft sich in sein Büro durch ein Flucht aus Zimmern, Fluren, und Terrassen. Jeder Raum, den wir durchschreiten, ein Museum, so weit das Auge das erfassen kann. Bei jedem Übertritt ins Freie immer Regen, Regen, Regen. Bezahlung, Schlüssel abholen, Anmeldung unterschreiben. Dann sehe ich Herrn Wiesemüller bis abends nicht mehr.

      Das Zimmer liegt nach vorne raus, wenn Autos kommen, ist es recht laut. Es stinkt nach Rauch, ich muss nachts die ganze Zeit das Fenster offen lassen. Das Bett ist sehr weich und die Wäsche riecht intensiv nach irgendwelchen Desinfektionsmitteln. Jedenfalls hat die Putzfrau es richtig gut gemeint mit dem Geruch.

      Gegen halb eins/ein Uhr bin ich auf dem SVH-Gelände. Holger ist schon da. Langsam wird aus dem Nieselregen richtiger Regen, wir verschieben den Arbeitsbeginn auf 15 Uhr. Holger geht solange essen, ich habe mir ein belegtes Brötchen geholt und einige Teilchen. Wir können nicht anfangen, es regnet zu stark. Daher habe ich noch Zeit, beim Discounter Lebensmittel einzukaufen. Abends kochen: ich bin fix und foxi und gehe zum Thai. Ganz gut, sehr preiswert, aber nicht zu vergleichen mit dem Thai in Moers.

      Dann die Arbeit: erst mal ist Antifouling streichen angesagt. Schleifen ersparen wir uns. Nach ungefähr drei Stunden und mindestens zehn Zentimeter längeren und ausgeleierten Armen höre ich auf. Ich bin fertig, in jeder Hinsicht. Holger macht die Plane oben weg, das Lattengestell wird zusammengelegt, und die Plane. Die Außenfläche des Schiffes, das sind ungefähr gefühlte 30

Abb. 1:  "de Widzi II" nach dem Streichen und Polieren

Quadratmeter Fläche. Dazu noch der Kiel, wie gesagt, gemäßigter Langkieler. Aber ich beschwere mich nicht, es war ja so gewollt von uns.

     Der Fernseher im Zimmer ist noch vor der Jahrtausendwende, aber ich habe sowie so keine Lust. Angeblich gibt es WLAN im Haus, doch der Rechner ist dermaßen langsam, dass ich denke, ich habe den neuesten Erpressungstrojaner eingefangen. Breche alle Computerarbeiten abends ab und lege mich schlafen. Auch wenn es draußen wiederholt sehr laut ist. Ab 22 Uhr in den Federn, das gibt es auch nicht alle Tage!

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Mi., den 17. Mai Heiligenhafen, SVH-Gelände

     Morgens um halb sieben aufstehen, frühstücken, Kaffee, zwei Brote, traditionell mit Schwarzwälder und Emmentaler und Marmelade. Um acht treffen wir uns. Heue muss poliert werden, das Oberwasserschiff, das geht noch mehr in die Arme als das Streichen. Auch der Einsatz der Schleifmaschine ist keine wirkliche Erleichterung. Immer wieder holt mich Holger aus meinem Arbeitsrhythmus, um ihm zu helfen. Chris hier, Chris da... Gegen Mittag soll er das Paket mit dem Schriftzug abholen, Herr Wiesemüller hat es von der Post geholt. Vor dem Gästehaus streikt sein alter Wagen, wahrscheinlich Zündschloss kaputt. Der ADAC muss kommen und schleppt ihn auf das Vereinsgelände. Dann holt der ADAC-Mann den Abschlepper aus Oldenborg i.H. und der Wagen kommt in die Werkstatt. Holger ist fertig mit den Nerven, seine Geduld mit der Umwelt ist am Ende. Lobt mich aber auch zwischendrin für meine Arbeit. Nach zwei Stunden bin ich mit dem Polieren fertig, um ein Uhr ist Kranen, dann habe ich etwas Ruhe.

     Nach dem Kranen kommt das Maststellen. Der Mast ist sehr kopflastig, mit einer speziellen Konstruktion wird er am Kran festgemacht, hochgezogen und auf den Mastfuss gestellt, ohne Bolzen oder Schrauben. dann das Achterstag, Vorstag, die zwei Wanten links und rechts und Holger spannt die Wanten, dann fahren wir rüber um Verein. Er macht die elektrischen Anschlüsse, zusammen schlagen wir den Baum an und die Segel. wieder viel Rennerei zum Auto, welches Segel das richtige ist usw. Gegen Abend sind wir fertig, tagsüber hatten wir keine Zeit für die Sonne, ich habe abends einen roten Kopf, Sonnenbrand ohne Ende, und mir tut jeder Muskel weh. Der Verein, d.h. der Hafenmeister, ist so nett, uns Holgers Platz zu lassen, bis wir Anfang Juni wirklich in See stechen.

      Abends lange geduscht, vor dem Essen gehen beim Thai. Die Dusche ist einzigartig gut.  Der Computer geht wieder, jedenfalls findet Internet-Security-Programm keinen Virus. Bin trotzdem zu müde zum Schreiben, lasse einfach das Viren-Programm laufen.

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Do., den 18. Mai Heiligenhafen, SVH

     Morgens wieder früh raus, duschen, packen, um neun Uhr sind wir verabredet. Holger erklärt mir auf meine tausend Fragen alles, was er weiß und ich schreibe mit. Der Versuch, es per Textverarbeitung zu Papier zu bringen, scheitert. Ich kann keine Dateien abspeichern. nur im Textformat. Beim Versuch, die ganzen Registrier-Daten zu editieren oder zu löschen, funktioniert danach an der Textverarbeitung gar nichts mehr. Aber das war erst am Freitag.

     Donnertag-mittag, nach der Beantwortung der tausend Fragen, die erste Segelstunde. Das Schiff segelt sehr gut, total gutmütig, bei Windstärke 3-4 macht es knapp sechs Knoten, nur mit dem Vorsegel. Beim Anlagemanöver gegen den Wind auf eine Dalbe zu, merkt man, wie schwer das Schiff als gemäßigter Langkieler zu steuern ist, mit langsam fahren geht gar nichts, das Schiff mit Karacho auf das Ziel zu und dann abstoppen. Das wird noch sehr lustig werden mit den Hafenmanövern gegen den Wind.

      Abend der erste Hilferuf, als ich alleine auf der Yacht bin: das Ladegerät zeigt keine Spannung. Holger kommt, der Fehler liegt an der Säule an Land, da war wohl die Sicherung raus. Der unterste Steckplatz ist seiner Ansicht nach am besten abgesichert. danach funktioniert alles wieder. Dann abends wieder Thai, diesmal gebackenes Huhn.

      Später dann etwas aufräumen, Sachen vom alten Schiff holen, die Halle ist Gott sei Dank offen, aber die Leiter rauf und runter ist doch ziemlich anstrengend und gefährlich.

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Fr., den 19. Mai Heiligenhafen, SVH

     Will eigentlich endlich mal ausschlafen, aber nein, Holger steht um neun Uhr vor dem Boot, und bietet an, die Kuchenbude aufbauen zu wollen. Kriege kaum die Augen offen, ohne Kaffee läuft gar nichts, lehne dankend ab.
     In Ruhe frühstücken, dann der Versuch, die Textverarbeitung zum Laufen zu bringen, der Fehler mit dem Nicht-speichern-können bringt nur noch mehr Fehler mit sich, am
Schluss funktioniert gar nichts mehr,

Abb. 2: "de Widzi II" : die Kochecke

habe in der registry alle Corel-Daten gelöscht, und wohl einige Windowsdaten auch.

Mittags Schläfchen, aufräumen, der wiederholte Versuch, die Textverarbeitung zu installieren, altes Schiff ausräumen, mit Babs telefonieren, zum Thai, schreiben.

     Drei Tage habe ich hinter mir, drei Tage voller Arbeit, gefüllt mit neuen Sachen, die ich mir merken muss, die ich lernen sollte und von denen ich jetzt schon weiß, ich habe wohl das meiste schon wieder vergessen. Zum Glück habe ich mir den größten Teil aufgeschrieben, den Rest an Wissen wird der Versuch mit sich bringen, irgendetwas ans Laufen zu bringen, und dann ist da ja auch noch Holger, der seine Rufbereitschaft immer wieder unterstrichen hat. Eine Hallberg-Rassy ist eben auch nicht irgendein Schiff...

Abb. 3: "de Widzi II" : die "Kapitänsecke"

     Am Samstag Rückfahrt über Hamburg. Endlich habe ich Gelegenheit, meine Cousinen und Nichten zu besuchen. Während des Wartens auf das Treffen - der Cousin und seine Frau mussten kurzfristig beim Aufbau einer Vernissage einspringen - finde ich endlich den Fehler in der Textverarbeitung, dank des Internets, das alles weiß!      Abends interessante Gespräche, der Beginn beim Italiener in einem Hamburger Uni-Viertel. Von dieser Stadt habe ich keinen Plan, aber das macht jetzt nichts aus. Und Sonntag die Rückreise, entspannt, bei wenig Verkehr.

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Fr., den 9. Juni  Fahrt nach Heiligenhafen

     Nein, den kleinen Umweg über Bremen haben wir nicht gemacht. Und auf den guten Kaffee mussten wir indessen verzichten. Gegen 11 Uhr fahren wir endlich an unserer Apotheke vorbei, die mit der Uhr. Und kommen so gegen Abend an, im Regen, der uns immer wieder auf der Autobahn  entgegenschlug, mal heftig, mal nur leises Geprassel.  Schnell die wichtigsten Gepäckstücke in einen kleinen Transportwagen gepackt, dann zum Weststeg, Platz 40, da liegen wir nun bis morgen, dann müssen wir nach hinten an den Oststeg. Und dann zum Thai, einer besseren Imbissbude, mit preiswertem, aber frischem Essen. Danach wieder ein paar Sachen aus dem Auto mitnehmen, Bett vorbereiten und ab in die Falle, es war mal wieder ein langer Tag.

Sa., den 10. Juni  Die ersten Tage

     Wie dieser Morgen sind auch die folgenden nicht zum Ausschlafen gedacht. Wir müssen "umziehen", der Liegeplatzbesitzer von Box 40 will endlich seine Yacht dort unterbringen. Nachdem ein holländischer Gastlieger gegen 10 Uhr abgedampft ist, können wir an den Oststeg umziehen. Also unser 1. Hafenmanöver, zu zweit. Des Nachts regt sich schon Unruhe, wie war das nochmal mit dem Starten, Anlasser vorglühen oder nicht?

     Früh wirft es mich aus dem Bett und gegen 10 Uhr haben wir alles vorbereitet. Kurze Einweisung meiner lieben Frau vorne am Bug, und dann den Motor anlassen. Ziemlich schnell springt die Maschine an, dann das Kommando "Vorleinen los", jetzt sollte eigentlich die Antwort kommen "Vorleinen sind los!",  dann Rückwärtsgang, erst die Leeleine, dann die Luvseite, es ist aber fast kein Wind und wenn ja direkt von achtern, ich ziehe mich an die Dalben ran, löse die Leinen  und langsam gleitet die Yacht nach hinten, raus aus der schmalen Box, in die Mitte der Hafenbeckens. Ich lege das
Ruder nach Steuerbord, um auf die Hafenöffnung zuzufahren, die rechts von mir liegt. Nichts passiert.  Nach mindestens drei Schrecksekunden fängt das Boot an,  langsam  "die Kurve zu kratzen".
     Soviel zum Rückwärtsfahrver-halten eines "gemäßigten Lang-kielers". Kurz vor der Steinmole habe ich die Kurve gekriegt, also geht doch, das Rückwärtsfahren. Dann aufs Wasser vor die Einfahrt zum Hafenbecken und Kurs auf den ostwärts gelegenen Teil des Hafen. An der Ostmole ist dann Anlegen am Steg angesagt, immer schön langsam, es klappt alles wunderbar.
Abb. 4: Blick Richtung Einstiegsluke
     Die nächsten Tage sind für uns spannend: wir lernen das Schiff kennen, entdecken sein Inneres, die Organisation der Schappse, die verschiedenen Schränke und Unterschränke. Das alte Funkgerät und GPS werden abmontiert, die Kabel soweit wie nötig zurückgebaut und das "neue" alte Funkgerät installiert, das Gerät, das eine
Zulassung hat, die auf das Schiff bezogen ist. Dann wird der Kartenplotter eingebaut, mit der Verbindung zum Funkgerät weiß die Mann-Over-Board-Taste immer, welche Koordinaten gerade anliegen. Das Kabelgewirr in einem kleinen Schrank ist beherrschbar, trotzdem erfordert die Organisation der Bauteile, eines elektrischen Verteilers, einigen Lauf- und Fahraufwand. Alles ganz viel Kleinkram-Arbeit, ausprobieren, wie es gehen könnte,
Abb. 5: Unser Badezimmer
Baupläne oder überhaupt Pläne  über das elektrische Kabelnetz gibt es keine. Zwischendurch bekommt das Gerät keinen Strom mehr, gerade eben hat doch noch alles geklappt, wieso das denn jetzt? Wieder alles überprüfen, zum Glück habe ich ein Spannungsmessgerät dabei, das funktioniert. Da war doch was mit Sicherungen? Ja, das ist es, die alten Geräte und Kabelverbindungen haben zum Teil auch Sicherungen im Schaltkasten, aber auch Schmelzsicherungen in den Leitungen. Die zum Funkgerät war durchgebrannt, kleine Metalltröpfchen am Ende der Leitungen lassen das erkennen. Jetzt Sicherung suchen, in einem Filmdöschen finde ich etliche, aber nicht die mit 8 Ampere, weitersuchen, bis irgendwo in der Schublade sich eine findet. Sie hat zwar nur 5 Ampere, aber fürs erstere geht das auch. Nachmittags dann zu einem bestimmten Elektroladen, auf den Rat des Besitzers der Werftfirma Göttsch, den ich kontaktiere wegen eine Rechnung für Kranen. Hier im Verein braucht man nur einen zum fragen, das spezielle Anliegen betreffend, und sofort hat man die Adresse oder Telefonnummer eines "Spezialisten", der das betreffende Teil hat oder weiß, was zu machen ist.
 

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      Die Tage vergehen wie im Fluge, irgendwann treffen wir einen von der Firma Oeverdiek und Heinritz. Es geht um das Problem, dass zum Reffen des Großsegels jemand "raus" muss zum Mast, was auf schwerer See nicht ganz ungefährlich ist. Herr Oeverdiek erklärt mir, dass das nicht so einfach sei, wahrscheinlich sei der Baum nicht dazu geeignet, und einfach die Leinen umlenken ließe sich auch nicht machen, dann müssten da noch Umlenkrollen angebracht werden und bei der Durchführung zum Cockpit müsste ein Loch gebohrt werden, also alles richtig bootstechnische Arbeiten. Was dann auch richtig Geld kostet. Die Lösung, vor dem Segeln im Hafen das Reff zu setzen, sei einfacher und preiswerter. Das werden wir dann auch so machen und damit hat sich dieses Problem erst mal erledigt. Es geht alles recht langsam voran, aber es geht voran, und alles braucht eben so seine Zeit. Mit Ungeduld kommen wir nicht weiter, nur schlechte Laune breitet sich dann aus. Soll ja Spass machen, das Einräumen unserer neuen Mobilie. Und je mehr ich mich mit dem Schiff auseinandersetze, desto besser gefällt es mir. Allein das  viele Licht, was morgens bei Sonnenaufgang durch die Fenster flutet und alles so hell  und freundlich macht. Abb. 6: de Widzi II am Steg
Es geht alles recht langsam voran, aber es geht voran, und alles braucht eben so seine Zeit. Mit Ungeduld kommen wir nicht weiter, nur schlechte Laune breitet sich dann aus. Soll ja Spass machen, das Einräumen unserer neuen Mobilie. Und je mehr ich mich mit dem Schiff auseinandersetze, desto besser gefällt es mir. Allein das  viele Licht, was morgens bei Sonnenaufgang durch die Fenster flutet und alles so hell  und freundlich macht.
Abb. 6: de Widzi II am Steg
Das rötliche Holz, das den ganzen Raum wärmt. Und der Salon selbst, wie die Kabine eines Raumschiffes, alles sauber gegliedert und strukturiert. Die Seitenteile, gut zum aufrechten Sitzen, darunter die Schappse, von vorne zugänglich. Der ganze Raum unter den Seitenbänken ist von außen zugänglich, Kleinteile verlieren sich, also alles in kleine Körbe gesammelt. An den Ecken vier klassische Lampen, die alle auf eine Putzsession warten, ist doch das Messing schon etwas angelaufen. Aber das sind alles Kleinigkeiten, das Raumkonzept ist das, was überzeugt.  Und auch wenn der Einstieg in die Schlafkabine etwas Beweglichkeit erfordert: solange wir diese aufbringen, hält uns das Schiff fit.

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Do, den 22. Juni  Zwischenbericht

   Es geht weiter, jeden Tag ein kleines Stückchen. Hier was neu eingeräumt, dort was neu sortiert. Einige neue Fender gekauft, damit sind dann sechs große Gummipolster an Bord. Ein großer Schritt war die Fertigstellung der Beschriftung mit dem Namenszug "de Widzi II". Dieses Schiff kann nun mal nicht anders heißen, ist doch das Akronym das Motto oder die Philosophie des Reisens selbst: der Weg ist das Ziel! Oder numerisch: 2 1 1 1 2, das hat doch eine gewisse Symmetrie an sich, über die man jetzt noch weiter spintisieren könnte. Es war gar nicht so schwer, die Folien an zu bringen: die Gebrauchsanleitung war sehr gut verständlich, und nach der ersten Erfahrung kamen die weiteren drei Schriftzüge fast wie von selbst an Bord. Ein freundlicher Nachbar war behilflich, das Schiff am Steg zu drehen, zum Glück hat der SVH einen Liegeplatz, der uns dieses Manöver durchzuführen erlaubte, ohne den Motor anmachen zu müssen. Und heute soll dann die Taufe sein, doch dazu später mehr. Nach dem Käuferbesuch am letzten Wochenende stehen auch noch bei "de Widzi I" einige Arbeiten an. Es sind immer noch Sachen an Bord wie Schuhe und Kleider u.a. Außerdem macht es sich wohl gut, den Wasserpass neu zu streichen, sieht doch der alte ziemlich mitgenommen aus. Und das ist richtig viel Arbeit, muss doch das alte Bündel der drei Streifen nicht nur gesäubert werden, sondern auch abgeschliffen, grundiert und neu gestrichen werden. Dazu müssen die Streifen, die nicht angepinselt  werden wollen, abgeklebt werden, bei knapp neun Metern ein ganzes Stück.

Mo., den 26. Juni  Schiffstaufe

     Heute sollte sie wohl klappen, die Schiffstaufe, die letzten Donnerstag buchstäblich ins Wasser fiel. Obwohl: wir hatten nicht mit so einem rapiden Wetterwechsel gerechnet. Nachdem meine liebe Frau spätnachts mit einigen aus dem Segler-Verein, darunter dem Vorsitzenden, alles besprochen und für den nächsten Tag klargemacht hatte, überraschte uns genau dieser bereits am Morgen mit Regen, Regen und nochmals Regen, dazu einem kräftigen Wind, hier meistens aus West oder Nordwest. Am Vormittag wurde dann telefonisch alles abgeblasen, die Taufpatin und der Vorsitzende von der überraschenden Änderung informiert. Und wie zum Hohn hörte es dann gegen Mittag auf mit dem Nass von oben, die Sonne brach durch und zum vereinbarten Zeitpunkt, um 13.30 Uhr strahlte sie mit einem freundlichen Lächeln vom Himmel, wie wenn nie ein anderes Wetter geherrscht hätte. Die reinste Verar.......
Und heute war nun endlich, nach telefonischer Absprache mit der Taufpatin Regina, das richtige Wetter, nicht zuviel Wind, strahlender Sonnenschein, einige wenige Wolken, und auch die notwendigen Vorbereitungen hielten sich in Grenzen. Natürlich musste Champagner her, das war Teil des Samstags-Einkaufs, dazu ein schöner Blumenstrauß, eine Flaggenleine, die noch morgens aus dem Stande eingekauft wurde und 20 Brötchen, mit Matjess und mit Schiffstafe de Widzi II
Abb. 7: Schiffstaufe beim Segler-Verein Heiligenhafen
Lachs. Hat man ja auch nicht alle Tage, so eine Taufe.

     Und dann kamen sie, der ehemalige Besitzer Holger mit Freundin, die Taufpatin Regina aus dem Verein, die dann eine kurze Rede hielt und dem Schiff immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel wünschte, dazu Klaus und Marianne, Skipper und Ehefrau eines benachbarten Motorbootes. Und wir beide, die nun auf diesem Kahn die nächsten Jahre die Ostsee erkunden wollen. Es war nett, es wurde getrunken, gegessen und viel gelacht. Holger erzählte spannende Geschichten aus dem Vereinsleben, die ihn von einer ganz anderen Seite zeigten. Und die Flaggen knatterten im Wind, uns darauf hinweisend, dass es jetzt endlich mal losgehen solle mit der Segelei. Aber wir werden es ruhig angehen lassen, noch ist nicht alles beim alten Schiff an Arbeit getan und die Bemühungen um den Verkauf müssen ja auch weitergehen.

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     Inzwischen ist es schon wieder Mittwoch, der 28. Juni. Wir sind immer noch nicht fertig, genießen es aber auch, hier im sicheren Hafen Urlaub machen zu können. Zumal seit gestern nacht der Wind auf Stärke 6 bis 7 angeschwollen ist und das Getöse und Gebläse in den Wanten und Stagen einen nicht zur Ruhe kommen lässt. Der Wasserspiegel ist aufgrund des Südost-Windes um über einen halben Meter gestiegen, der Steg für die Optis, an dem wir noch bei der Schiffstaufe lagen, inzwischen überflutet. Und das Wasser wird diese Nacht noch weiter steigen.

     Der Wasserspass an der "de Widzi I" ist fast fertig, dann können wir diesen Teil von Arbeit erst mal liegen lassen und auf Käufer warten. Wir brauchen einfach Glück, es gibt zu viele Boote und zu wenig Käufer. Die jetzige Generation mittelalter Segler belastet sich lieber nicht mit einem eigenen Schiff, zwei Wochen Chartern und das war's dann. Ein Schiff verpflichtet eben auch, es immer wieder zu nutzen. Und diese Generation bindet sich wohl lieber nicht, schränkt es deren Urlaubsmöglichkeiten doch andererseits auch ein.
 
 

Do., der 6. Juli SVH

      Auch wenn es nach außen so aussieht, wie wenn hier nichts passieren würde: wir sind jeden Tag "voll auf Trebe" und von morgens bis abends beschäftigt. Es braucht nicht nur Zeit, bis jedes Ding seinen Platz gefunden hat, es sind auch diverse Reparaturen, die uns beschäftigen.
     Letzte Woche war auf einmal der Teppich in der Toilette naß, der Fleck breitete sich immer mehr aus, bis Teppich und Läufer raus mussten. An der Schrankwand hinter der Toilettenschüssel  zeichnete sich ein Wasserfleck aus, der immer größer wurde. Die Suche nach der Ursache, unterbrochen vom dauernden Wasseraufwischen, dauerte und entwickelte sich fast zu einer Tragödie. In der Annahme, es liege am Schlauch, der die Pumpe mit der Toilettenschüssel verbindet, entferne ich den Schlauch. Der ist aber nicht des Rätsels Lösung. Weil er mir sowieso lose erscheint, kaufe ich erst mal einen neuen, mit zwei Schellen und Dichtungsband. Weil dem Stutzen, auf dem Schlauch sitzt, nicht beizukommen ist, versuch ich diesen loszumachen. Es dreht sich aber nicht die Schraube, mit der der Anschlussstutzen festgemacht ist, sondern das ganze Teil aus der Schüssel - die Katastrophe bahnt sich an. In der Annahme, besser Kraft auf den Stutzen ausüben zu können, wenn ich die ganze Schüssel abbaue, löse ich die vier Schrauben, mit denen diese an einem Tragebrett festgemacht ist. Beim ersten Hochheben der Schüssel ergießt sich ein Schwall Wasser in den eben trocken gemachten Schiffsboden. Also Kommando zurück, die Schüssel wieder draufsetzen, die vier Schrauben, die zum Teil durchdrehen, festmachen und den Mechaniker, Holger M. von der Werft nebenan anrufen.

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      Der kommt auch ziemlich gleich, macht den Schlauch wieder fest und entdeckt in den Rissen des darunter liegenden Schlauches, der die Toilette mit Frischwasser füllt, die Ursache. Zum Glück ist er bereit und in der Lage, einen neuen zu besorgen, ihn festzumachen und das Unglück hat ein Ende. Zwei Tage mich das gekostet, was er in einer Stunde fertigbringt.

Die nächste Baustelle ist die Bilgenpumpe. Für alle Nichtsegler: Die Bilge ist der tiefste Punkt im Schiff, in ihr sammelt sich Wasser, das aus irgendwelchen Undichtigkeiten ins Schiff fließt. Da aus dem defekten Wasserschlauch viel Nass in diesen Raum geflossen sein muss, könnte sie inzwischen ziemlich voll sein. Pumpen nützt nichts, wahrscheinlich ist die Membran der Pumpe defekt. Also Bodenbretter hoch und den Bilgensumpf mit einer Tasse leerschaufeln, drei volle 5-Liter-Eimer sind da drin. Mein Rücken jault auf ob der Verdrehungen, die ich in dem engen Raum zwischen Treppe und Tisch aus ihm heraushole, aber letztenendes macht er alles mit. Den letzten Rest hole ich mit zwei alten Handtüchern heraus, die einigermaßen wieder sauberzukriegen mich nachher eine halbe Stunde im Männerwaschraum kosten.

       Nach der Handtuchreinigungsaktion treffe ich Holger auf dem Gelände, er kommt gleich mit zum Schiff. Holger kann sich das mit dem Wasser in der Toilette nicht erklären, der Zusammenhang zum großen Regen einige Tage zuvor scheint wohl der "Koinzidenz der Zufälle" geschuldet zu sein. Jedenfalls hatte das Wasser von oben nichts mit dem von unten zu tun. Holger erklärt mir, welche Ventile ich überhaupt nicht bewegen darf. Manchmal zweifle ich daran, ob ich überhaupt dieses Schiff gekauft habe oder nur eine Urlaubsfahrt damit mache. Er meint, ich nehme das Schiff auseinander, anstatt endlich loszusegeln. Auch das Versagen der Bilgenpumpe kann er sich nicht erklären, er rät mir, sofort zu Holger M. zu gehen. Holger M., im Stress mit mehreren Aufgaben zugleich, eigentlich darauf konzentriert, ein ziemlich langes Brett an einer Bandsäge zu bearbeiten, hört sich mein Anliegen an, er hat heute keine Zeit. Auch am nächsten Tag wird nichts aus dem erwarteten Besuch. Erst Tags darauf, also heute, nach nochmaligem Erscheinen meiner Wenigkeit, schickt er einen Mechaniker, der die Pumpe genauer untersucht. Es ist nicht die Membran, sondern der Deckel hat einen Riss!, stellt sich ziemlich schnell heraus. Sämtliche Überlegungen mit Bestellungen einer Ersatzmenbran oder der gesamten Pumpe von Hallberg-Rassy aus Köping in Schweden, mit Ordern über das Internet, Bezahlen und all der Zeit, die uns das gekostet hätte, verfliegen erst einmal im  Licht dieser Ursache.  Der Mechaniker, namentlich uns unbekannt, verklebt den Deckel mit einem Epoxy-Harz, in der Hoffnung, nach acht Stunden Trocknungszeit einen dichten Verschluss der Pumpe zu haben.

      Dazwischen auch noch fällig: das Einkaufen. Und dann hat ein Hinterreifen plötzlich Luftverlust, also zur Tankstelle, sich beraten lassen, den Reifen aufpumpen, nach drei Stunden wieder nachmessen -  es hat sich nichts geändert -, aber der Reifen steht unter Verdacht und Beobachtung. So verläuft der Tag, eigentlich fast wie zuhause. Aber es scheint die Sonne, morgens das Licht ist phantastisch, die Ruhe tut gut (jedenfalls die meiste Zeit), einfach Urlaub auf dem Boot. Wir sind froh, dass es nicht regnet und stürmt, nächsten Montag wollen wir endlich los!

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Sa, den 17. Juli SVH

     Mehr als eine Woche ist seit dem letzten Eintrag vorbei und wieder ist eine Menge passiert. Mittendrin: einige Tage nur mit Regen, Regen, Regen. Nachts zum Teil schweinekalt: 12 °C. Dann einige Tage mit Starkwind Stärke 6 Bft, in Böen 7 bis 8. Nachts war kein Auge zuzukriegen, jedenfalls von meinen Augen. Wir sind froh, nicht nach Bagenkop gefahren zu sein, das säßen wir nun. Hier haben wir wenigstens einige logistische Vorteile, wie Ortsnähe, Ausrüster, Läden zum Einkaufen, Lebensmitteldiscounter. Dazwischen aber immer wieder auch schöne, warme Tage mit wenig Wind, die ein leichtes Gefühl von Urlaub aufkommen lassen.

     Die Pumpenreparatur hat funktioniert, die Pumpe pumpt, und bis auf einen kleinen Rest ist die Bilge jetzt wasserfrei. Wieder ein Problem weniger.

     Am Dienstag dieser Woche haben wir uns einen Lagun-Tisch bei einem großen Ausrüster bestellt, am Freitag ist er geliefert worden und wurde auch sogleich angebracht. War keine einfache Sache, weil der Bohrer zu klein war. Letztendlich musste ich doch den geforderten 8-mm-Holzohrer kaufen. Aber da waren die Löcher, die es in der Unterlegholzplatte zu bohren gab, schon vermurkst. Naja, letztendlich muss ich sagen, die Tischplatte sitzt in jeder Richtung waagrecht, aber es war eine Krückerei. Vielleicht ist heute mal ein Tag zum Ausruhen.
Ach ja, bevor ich es vergesse und was unseren "Absprung" beschleunigen wird: Hier sind die Heilighafener Festtage ausgebrochen. Das kennen wir ja schon von anderen Ostsee-Küstenstädten. Musik von einer Cover-Gruppe in der neben dem Segelvereinsgelände gelegenen Bushalle, danach irgend so ein DJ, der bis vier Uhr morgens seine Bässe wummern lässt. An Schlaf war natürlich nicht zu denken. Da Cockpittisch
Abb. 8: Unser neuer Cockpittisch
wird es nicht schwer fallen, abzuhauen, egal woher der Wind kommt oder ob es regnet. Hauptsache weg, und morgen wird in der Hohwachter Bucht nicht geschossen.

 

Mi., den 19. Juli 2017 Bagenkop

     Eigentlich wollten wir schon am Montag weg, aber eine Schraube im rechten Hinterreifen unseres Autos hat die Sache vermasselt. Dem ständigen Reifendruckverlust war mit Nachpumpen nicht mehr bei zu bekommen. Also Reparatur, eventuell sogar ein neuer Reifen, was mindestens wieder zwei Tage gekostet hätte. Andererseits, weg zu fahren und nach einigen Wochen wieder zurückzukommen, einen Platten vor sich, Autoabschleppdienst, usw. usf: abgesehen von den Kosten und dem Ärger, ich hätte keine ruhige Minute gehabt. Aber es ging glimpflich aus: Der Reifen war in zwanzig Minuten wiederhergestellt, ein Pfropfen aus Guttapercha (?) macht es möglich. Dann am Dienstag letztes mal Getränke gebunkert und am Mittwochmorgen erwartet uns strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, leichter Wind.

     Es wird ein Start in einen Bilderbuchmorgen, ab viertel nach neun sind wir vom Steg los, der Motor tuckert und es geht in den Tonnenstrich, der die Marina mit der Bucht vor Heilighafen verbindet. Kurz danach die grüne Tonne "Heiligenhafen", dann die erste Untiefentonne Heiligenhafen-Ost und ab da Kurs ca. 335 °, dann die zweite Untiefentonne Heiligenhafen Nord und am Schießgebiet der Hohwachter Bucht vorbei. Der Wind moderat, 2 Bft, Seegang bis zu einem halben Meter.

     Nachdem wir auf der offenen See sind, Fehmarn hinter uns liegt, frischt es auf, mit flotten sechs Knoten durchpflügt die Hallberg Rassy die Fluten. Der Wind kommt von der Seite, wechselt dann  später in achterlicher Richtung, dann also raumschotskurs. Und nach einer gemütlichen Langsamfahrphase - Entschleunigung ist ja ein Thema des Segeln - dauert es nicht mehr lange, bis sich das Gebläse der Natur steigert, Windstärke drei, dann vier, in Böen immer eins mehr. Schaumkronen zieren die Wellenberge, es werden mehr und mehr. Wir haben inzwischen längst alles Segel hochgezogen, der Seegang nimmt zu, Wellenberge von eineinhalb bis zwei Metern rauschen von hinten heran, manches mal auch von der Seite, unter dem Schiff durch. de Widzi II nimmt es gelassen, das Schiff ist so schwer, dass der Seegang es nicht weiter stört. So geht es mehrere Stunden, wir machen konstant zwischen sechs und sieben Knoten, manchmal sieht man auch kurz eine acht vor dem Komma.

     Langeland kommt in Sicht, zuerst nur ein Schema in weiter Ferne, aber höher gelegene Bauwerke wie Windräder sind schnell sichtbar. Nach ca. fünf Stunden sind wir an den Klippen von Dovens Klint vorbei, bald kommt steuerbords die Bucht, in der der Hafen liegt. Der Wind von Nordwest, an Intensität nicht nachlassend.

     Gegen drei Uhr erreichen wir den Hafen, suchen den Mittelsteg und finden einen freien Platz. Nur mit dem Anlegen klappt es nicht: der erste Anlauf in die Box scheitert, bei seitlichem Gegenwind zu schnell abgetrieben. Um uns herum mehrere Boote, die Yachten kommen jetzt im Minutentakt in den Hafen. Also Rückwärtsgang, und da zeigt sich die Schwerfälligkeit eines gemäßigten Langkielers: flotte Richtungswechsel a' la de Widzi I sind nicht möglich, das Boot braucht gefühlte Minuten, bis es sich zu einer Änderung bewegen lässt. Hier ist wohl vor allem Ruhe angesagt, ein noch weites Übungsfeld für den Kapitän! Im zweiten Anlauf werden wir in die Nachbarbox abgetrieben, mit Hilfe eines Dänen vom Steg aus und unter Gebrauch des Bootshakens gelingt es uns mit viel Mühe, gegen den Winddruck an die Dalben heranzukommen und festzumachen. Die Vorleinen erweisen sich als zu kurz, wenn das Schiff wieder zurück muss. Geschafft!!! Sechs Stunden auf dem Wasser, bei voller Sonne und wie gesagt, "der Wind zehrt aus"!
Der Rest läuft - nach einer längeren Pause bei einem kalten Bier, wie geschmiert: Strom legen, Kuchenbude aufbauen, Segel klarmachen. Sicher ist sicher: das Wetter macht sich zu, nachts drohen Gewitter, und da ist unsere Sonnenzelt nicht so gut. Barbara kocht sogar noch, der vor Tagen gekaufte Fisch muss endlich weg, ein Tomaten-Eier-Salat ergänzt den aus Hirse mit frischem Gemüse de Widzi II in Bagenkop
Abb. 9: de Widzi II am Steg in Bagenkop
drin. Einfach lekker, und das nach so vielen Stunden anstrengender Fahrt.

     Im Hafen, bei warmen zwanzig und mehr Luftgraden, sitzen die Dänen an ihren Feuerstellen und grillen, manche auch auf den Tischen. Interessant, welche Vielfalt an Geräten inzwischen existiert.
Und die Bänke in den kleinen Esshäuschen sind voll mit älteren Menschen und einigen Familien, sie umgeben eine kleine überdachte Bühne, auf der zuerst ein Mundharmonika und Akkordeon spielendes Paar dänische Volksliederkunst zum besten gibt, danach ein acht-köpfiges Hausorchester. Beeindruckend das Gemeinschaftsgefühl der Dänen,
Abb. 10: Hausorchester in Bagenkop
wie sie da so der Musik lauschen, danach immer Beifall, und nebenher essen. Eine solche Veranstaltung würde man in einem deutschen Hafen vergeblich suchen. Wir buchen erst mal zwei Tage, sogar ein Hafenmeister ist da, "zehn Wochen im Jahr abends zwei bis drei Stunden", wie er sagt. Die Wettervorhersage kündigt schlechtes Wetter an, morgen heißt es erst mal ausschlafen, was dann auch so passiert.   

 

 

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Mo., den 24. Juli: Maasholm

     Heute scheint ein gutes Datum zu sein, um wieder auf die andere Seite des Meeres zu kommen. Wind- und Wettervorhersagen geben für die nächsten Tage Windstärken von 5-6 an, dazu Regen, Regen oder mindestens bewölkten Himmel. So haben wir heute zwar nur Windstärke 1-2, draußen ein Bft mehr, Sonnenschein und weitgehend blauen Himmel, aber der Motor muss ja auch mal ausgefahren werden!

      So kommen wir knapp nach neun Uhr aus dem Hafen, bei Windstille und angelegter Spring (Technik aus dem Vorjahr) kein Problem. Draußen erwartet uns ein laues Lüftchen, teilweise brennt die Sonne vom Himmel, am Horizont türmen sich Cumulus-Haufenwolken, aber auch stratosphärische Cirrus-Schleier verdecken teilweise das Blau über uns. Zwar ist alles bereit gemacht zum Segeln, aber wir wollen nach drüben, an díe andere Küste, nach Maasholm, das sechsundzwanzig Seemeilen vor uns liegt, immer nach Westen, 260°-Kurs. Das Schiff lässt sich gut steuern, der Blick wandert zwischen Kompass, Plotter und der See vor uns hin und her, immer auch andere Schiffe beobachtend, die unseren Weg kreuzen.

      Langsam verliert sich der Horizont von Bagenkop, von Langeland, in der dunstigen Sicht, die Weite der Ostsee erstreckt sich links und rechts neben uns, vor uns kein Land zu erkennen. Wir machen sechs Knoten, das heißt sechs Seemeilen pro Stunde, das sind ca. zehn Kilometer die Stunde. Das Wasser ist mal leicht gekräuselt, Wellen des Windes vorheriger Tage brechen sich, dazwischen gibt es auch mehr ölige Phasen, obwohl die Oberfläche nie ganz glatt ist. 

     Gegen halb zwölf kommt vorne Land in Sicht. Langsam schieben sich die grauen Umrisse der Küste aus dem Dunkel-blau-grau des Wassers heraus, vor allem an der Unregelmäßigkeit der Horizontlinie ist zu erkennen, dass das Land ist, was vor dem Auge auftaucht. Auftauchen, das ist genau das richtige Wort, kommt es doch dem Blick quasi von unten entgegen, wie wenn sich die Landmasse aus dem Wasser erheben würde.

     Kurz vor zwölf Uhr überqueren wir das Verkehrstrennungsgebiets des Kiel-Ostsee-Weges in einem rechten Winkel, um dann unseren ursprünglichen Kurs wieder einzunehmen. Der Himmel zieht sich langsam zu, ein Wetterwechsel kündigt sich an, wir hoffen, vor dem erwarteten Regen im sicheren Hafen zu sein. Die Baumgruppe nördlich von Schleimünde wird nun immer deutlicher als Ziel erkennbar, ebenso der kleine grüne Leuchtturm, der die Einfahrt markiert. Schleimünde liegt vor Maasholm, nach der Einfahrt sind erst noch einige Tonnen zu bewältigen, bis der Kurs rechts ab zum Maasholmer Hafen führt.

      Kurz nach ein Uhr passieren wir den grünen Leuchtturm, das laute Horn eines Ausflugdampfers vor dem Hafen von Schleimünde macht uns darauf aufmerksam, dass die Passage zum Hafen bald eng werden kann. Und tatsächlich, im Tonnenstrich fahrend, werden wir überholt, vor uns ein Segler, beide Tücher in langsamer Schmetterlingsfahrt ausgebreitet. Doch der Tonnenstrich ist breit genug, den Leuten auf dem Ausflugsdampfer könnten wir in die Kaffeetassen schauen, wenn nicht der Blick auf den Tonnenstrich unsere ganze Aufmerksamkeit erfordern würde. Jetzt geht es ab dem Tonnenpaar 15/16 rechtwinklig zur Hafeneinfahrt. Die Leinen werden bereit gelegt, das Anlegemanöver ist genau besprochen. Nach dem zweiten Steg, in der für uns passenden Länge, findet sich eine Box. Mit ziemlichem Tempo eingefahren, dann den Rückwärtsgang einlegend, verlangsamt sich das Schiff, so dass genügend Zeit für Barbara bleibt, die Heckpfosten mit den Achterleinen zu belegen. Ich konzentriere mich ganz auf das Steuern, die Arbeitsteilung scheint gut zu klappen. In der Box jetzt nochmals einen kräftigen Schub nach vorne, mit den Achterleinen kann ich den Abstand zum Steg kontrollieren. Barbara springt auf die Brücke, die Vorleinen in der Hand, und dirigiert das Schiff in die richtige Distanz zum Steg, so dass wir nicht vorne drauf knallen. Unser Anlegemanöver hat super geklappt, alles ohne Hektik, ohne Geschrei, bewahrheitend, dass Kommunikation alles ist und ohne Kommunikation alles nichts.

      Nach dem Anlegen das erste kalte Bier, wir haben es uns verdient, wohl wärmend bescheint uns die Sonne und wir gönnen uns eine Pause. War doch anstrengend, die knapp fünf Stunden auf dem Wasser, immer schauend, immer konzentriert, auch wenn es "nur" eine Motorfahrt war.

      Der Rest ist weitgehend Routine: Kuchenbude aufbauen, was dank des Faltens vom Morgen schnell passiert, das Großsegel eintüten, Strom legen, den Hafenmeister bezahlen mit zehn preiswerten Euro für ein Nacht, mails checken wegen privater Nachrichten usw. Die vielen Kleinigkeiten eben, die wir wie ein eingespieltes Team bewältigen. Die Übung vergangener Jahre zahlt sich aus, jeder weiß, was zu tun ist.

      Den Abend beschließen wir mit einem guten Fischessen im Restaurant und einem dicken Eis. Es war ein anstrengender Tag, das muss belohnt werden.

      Die Nacht über wechselt das Wetter, es fängt zu regnen an, Wind und Wasser von oben peitschen um die Wette, so dass es nicht schwer fällt, den morgendlichen Tagesbeginn in den Mittag zu verlegen. Man muss doch..., wir könnten doch..., Ja, wir können auch liegenbleiben, im Bett dem Regen lauschen, die Gemütlichkeit und Wärme genießen, alle Viere von uns strecken und einfach nur faul sein. Auch nicht einfach, einfach mal nichts zu tun!

     Mi., der 26. Juli 2017: Es ist kein Durchkommen! Trotz dreier ftp-Programme bekomme ich keinen Bericht ins Internet geladen, also werden die geneigten Leserinnen und Leser dieser Seite noch etwas warten müssen, bis der Bericht ihnen zur Verfügung steht. Irgendein Schalter im Router des Maasholmer Hafens blockiert die Übertragung, auch wenn das Internet und Emails empfangen werden können!

     Heute morgen, so gegen neun Uhr, gab es mal wieder Hafenkino. Zwei ältere Semester fahren mit ihrem Schiff aus der Box raus, wenden und der Schiffsführer gibt Gas. Dabei rauscht er auf den vorstehenden Bug des Nachbarschiffes drauf. Der Mitfahrer hält den Fuß vor den eigenen Bug, um den Zusammenstoß abzubremsen. Und natürlich wird der Fuß eingeklemmt. Der Getroffene schreit vor Schmerzen auf: "Bist du denn völlig verrückt?" oder so ähnlich? Da fragt man sich, wer der Verrückte ist: der Steuermann oder der mitfahrende Kumpel? Schon in einer der ersten Stunden, Segeln zu lernen, bekommt man beigebracht, dass man niemals eine Hand oder einen Fuß zwischen zwei Boote bringen sollte, die aufeinander zufahren. Quetschungen sind unvermeidlich, die Masse des sich bewegenden Schiffes siegt immer. Bestenfalls mit den Armen kann man vom Steg aus versuchen, ein Schiff abzubbremsen, das auf die Brücke zurauscht. Der Getroffene setzte sich nachher aufs Vorschiff, Schuh und Socke ausziehend. Hoffentlich sind sie zum Arzt gefahren, das sah nicht gut aus.

     Und heute scheint die Sonne, der ununterbrochene Regen der vergangenen Tage ist wohl für's erste vorbei. Auch der nächste Tag ist bis jetzt regenfrei, und der upload ins Internet klappt weiterhin nicht, trotz viermaliger Telefonkontakte mit dem Provider. Irgendwo im System ist der Wurm drin!!!

 

Di., den 1. August: Gelting Mole

     Eigentlich wollten wir schon gestern fahren: Alles war fertig, die Bütterchen geschmiert, das Stromkabel eingezogen und aufgerollt, die Kuchenbude ebenso, die Leinen bereit gelegt, unten im Schiff alles aufgeräumt. Vier Windstärken sollten uns draußen erwarten, die Sonne schien, blauer Himmel, es hätte ein wunderbarer Segeltag werden können. Aber wie inzwischen gelernt: Es kommt immer anders als man denkt.

     Den Motorschlüssel eingesteckt, in Start-Position gedreht und: Nichts!  Den Vorgang drei-viermal wiederholen, dann ist klar: mit einem Motor, der nicht startet, geht gar nichts. Fehlersuche hier, Fehlersuche da. Alle Sicherungen überprüfen, tatsächlich war die für die Lampe am Mast defekt. Aber keine Änderung des Motor-Verhaltens! Also weiter suchen: Batteriespannung in Ordnung, Tank laut Anzeige bis zum Anschlag gefüllt, immer wieder den Schlüssel umdrehen, keine Chance. Dann das Schapp öffnen, schauen, was im Kasten der Starterbatterie los ist. Ein paar Kabel, eines fühlt sich etwas lose an, aber beim Ziehen stoße ich auf Widerstand. Also dort auch keine Lösung des Problem. Die leicht korrodierten Kontakte hätten mir schon einen Hinweis geben können, aber es war noch zu früh.

      Daraufhin der Gang zur Vertretung von Volvo-Penta vor Ort. Ein freundlicher Chef hört sich meine Sorgen an, notiert sich einiges zu Motor-Typ, Schiffsname, Liegeplatz. Aber leider sind alle Mechaniker außer Haus, er muss den Laden am Laufen halten, kann nicht weg. Bis Mittag oder Nachmittag kann es schon dauern.

     Daraufhin wieder zum Schiff, hier probiert, dort versucht. Keine Änderung! Die Frage von Barbara, ob ich nicht ein Kontaktspray habe, löst erst mal nur Verneinung aus, bis die Frage im Kopf zündet, mit zehn Minuten Verspätung: Ich habe doch Ballistol, das funktioniert auch für diesen Zweck. Also die Kontakte eingesprüht, ebenso einige korrodierte Stellen am Motorgehäuse, in der Nähe des Sicherungskasten. Und siehe da: das Wunder ward geschehen, der Motor springt an! Erleichterung über die ganze Breite des Horizonts weitet sich aus, Gebirge von Steinen fallen von meinen Schultern. Was wäre gewesen, wenn? Und die Kosten? Ersatzteile, nicht vorhanden, müssen bestellt werden, dabei sind wir schon sieben Tage in Maasholm, aber das ist jetzt eine andere Geschichte.

     Jedenfalls tut der Motor wieder, aber für die Fahrt nach Gelting Mole ist es jetzt zu spät. Das sind etwas mehr als 20 Seemeilen, also mindestens vier Stunden, dann kommen wir am Nachmittag an, und alle Boxen sind belegt. Dass es so nicht ist, erfahren wir einen Tag später, aber die Erfahrung vergangener Jahre hat uns gelehrt, dass wir dann das nehmen müssen, was frei ist und das ist nicht immer der beste Platz.

     Also werden nochmals letzte Einkäufe gemacht, und damit komme ich zum zweiten Thema des Tages: Der Kaufmann von Maasholm. Der an der Hauptstraße ansässige Laden mit Postshop und Lotto von Kaufmann M.S. verlangt echte Wucherpreise: ein Paket Kölln Haferflocken, eines meiner Grundnahrungsmittel seit früher Kindheit, für 1,99.-€!! Beim nicht billigen Edeka in Heiligenhafen oder zuhause zahlen wir dafür i.d.R. 1,39.-€, bei NETTO kosten die Packung 1,19.-€. Sonderangebote nicht mitgerechnet. Ein Liter Milch für 99 Ct, wo anders für 68 Ct. Die Dose Bier für 1,75.-€, normalerweise für 99 Ct zu haben. Alle zahlen, wehrt sich keiner? Sind die Yachties froh, dass es einen Laden gibt, egal, welche Monopolpreise er hat? Und die staatliche Aufsicht? Schaut die weg, kann jeder als Kaufmann verlangen, was er will? Das jedenfalls sind Wucherpreise, nur erklärbar aus der schamlosen Ausnutzung der Monopolsituation an diesem Ort.

      Yachties, wenn ihr nach Maasholm fahren wollt, kauft woanders ein, deckt euch ein mit Lebensmitteln und Getränken, damit ihr hier nicht einkaufen müsst. Da ist selbst Bagenkop noch preiswerter, obwohl in Dänemark und ebenfalls nur ein Laden am Ort!

      Naja, jedenfalls hat dann heute, nach der gestrigen Generalprobe, alles geklappt, das Ablegen, die Fahrt im Tonnenstrich der Schlei und die 20 Seemeilen bis Gelting Mole.

      Wind war kaum, Windstärke 1-2 Bft, später dann 2-3, wir erst nur mit dem Vorsegel, später dann auch noch mit dem Groß, bis wir genug von der Schnuckelfahrt mit ungefähr 2-3 Knoten hatten. Dann muss eben der Jockel her, und mit ca. fünf Knoten geht es dann rund um den Leuchtturm vom Kalkgrund, einer hier gefährlichen Untiefe, die sich weit in die See erstreckt. vor uns die Küste von Dänemark, die Insel Als im dunstigen Voraus, hinter uns der Horizont verschmelzend mit der See. Viele Segler sind unterwegs, einige haben schon aufgegeben und die Segel gestrichen. Wir haben Zeit, denken an den Weg, der das Ziel ist und genießen die Sonne und die Wärme. Je mehr wir uns Gelting nähern, desto mehr zieht sich der Himmel zu, die Wolkendecken schließt sich, das Grau nimmt zu, manchmal dunkler, an anderen Stellen heller. Nach der Umrundung des Leuchtturms geht der Kurs nach Süden, das GPS zeigt mir die Trackingline der Fahrt 2016, ich muss nur den "alten" Spuren folgen.

      Endlich kommen die Einfahrtstonnen von Gelting Mole in Sicht, der Weg ist klar "ausgeschildert", dann geht es in einer schmalen Rinne nach steuerbord und schon sind wir im Hafen. Die Stege sind mit den entsprechenden Bootslängen gekennzeichnet, an Brücke 5 finden wir einen freien Platz, ohne grünes Schild. Das Anlegemanöver klappt wunderbar, immer mehr lerne ich mit dem Schiff umzugehen, was die Hafenmanöver betrifft. Beide Heckleinen sind wie im Fluge angebracht, dann die Vorleinen und das Boot steht in der Box.

     Gute fünf Stunden sind wir gefahren, einen Großteil unter Segel. Das kühle Bier auf unserem neuen Cockpittisch schmeckt jetzt besonders gut. Der Rest - Strom legen, Hafenmeister, zwei Nächte bezahlen, Erkundigungen über den Hafenshop einholen, Kuchenbude aufbauen, eine Fensterklammer reparieren - erledigt sich wie von selbst. Barbara macht sich daran, ein Super-Essen zu kochen, Hackfleisch mit Pilzen, dazu Reis, vorher Salat der besonders feinen Art, ein Festessen nach einer gelungenen Überfahrt.

      Später am Abend fängt es dann zu regnen an, wie erwartet und von den Wetterberichten vorhergesagt. Einige Tage werden wir in diesem idyllischen Hafen verbringen, auch wenn das Liegegeld uns ein bisschen an Dänemark erinnert. Und dann nach Flensburg, unserem Ziel im Ziel, weil es ja in erster Linie um das Reisen geht, das er"fahren".

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Di., den 08. August: Flensburg

     Nach all den ruhigen, teils sonnigen, teils kühleren Tagen in Gelting, nicht zu vergessen die Regentage, Schauer, Nieselregen, Wolkenbrüche ist es endlich Zeit, den Hafen zu wechseln, neue Eindrücke zu sammeln, sich auf den Weg zu machen. Am Dienstag ist es so weit, die Sonne scheint, die Windrichtung stimmt und der Wind ist auch ganz o.k., auch wenn er etwas stärker sein könnte.

      Kurz vor halb zehn heißt es wieder mal "Leinen los", ein Start ohne besondere Vorkommnisse, es ist auch ziemlich still im Hafen. Barbara hat genug Zeit, die Vorleinen aufzuschießen, dann geht es die enge Tonnengasse in den Tonnenstrich und sechs Minuten später, in der Geltinger Bucht, ist das Vorsegel auf. Der Wind kommt aus Südost, Stärke 2, die See ist ziemlich ruhig. Gemächlich machen wir so gegen drei Knoten Fahrt, wir haben es ja nicht eilig.
Später frischt es auf, da haben wir schon das Groß hochgezogen, jetzt macht "de Widzi II" einen Knoten mehr, in den Böen fast fünf Seemeilen pro Stunde. Es geht nach Nordwest, Richtung Untiefentonne "Neukirchengrund-Nord". In der Flensburger Außenförde sehen wir links Deutschland und rechts die geschwungene, mit Steilhängen durchsetzte Küstenlinie Dänemarks, von goldgelben Weizenfeldern gekrönt, von grünem Blattwerk kleinerer Baumbestände und Buschwerke immer wieder unterbrochen. Ein Bild aus dem Fremdenverkehrskatalog, das für Ferien in Dänemark wirbt.
Gegen elf Uhr kommt der Wind immer achterlicher, jetzt muss der Bullenstander ran, um das Umschlagen des Baums zu verhindern, die gefürchtete Patenthalse, von der hier schon oft die Rede war. Ich denke nur an 
Abb. 11: "de Widzi II" in vollem Tuch
2014, das Gewässer von Troense. Immer diese Erinnerungen!

      Gegen zwölf Uhr, an der roten Tonne 4, schwenkt die Kurslinie nach Nordnordost, das Gewässer verengt sich. Zusammen mit dem Düseneffekt und der nun geänderten Richtung - der Wind kommt jetzt von der Seite, wir fahren also raumen Kurs, macht das Boot anständige fünf bis sechs Knoten Fahrt. Ja, es muss schon etwas blasen, bis die Masse dieser Yacht bewegt wird. Ruhig liegt das Schiff vor Kurs, ziemlich gut ausgetrimmt, so dass ich für kurze Zeitspannen auch mal das Ruder loslassen kann.

     Nach einer kurzen Strecke geht es zwischen Tonne 6 und 7 in die Holnisenge, hier gilt der alte Kurs von ca. 290°, dann scharfe Kehrtwende nach Südosten, jetzt sind wir in der Innenförde. Zwei Schweinswale geben uns zweimal ein kurzes Gastspiel, zu schnell für den Fotoapparat.

      Die Sonne verschwindet nun, dichtere Wolken ziehen über den Himmel, es wird kühler. Wir ziehen unsere Jacken an, zum Glück bleibt uns der Regen noch vom Leibe. Um vierzehn Uhr ziehen wir die Segel ein, die letzten Meter macht der Motor, auch weil der Wind durch das Land so stark abgebremst wird, dass wir nur dahin schleichen. Die Zeit auf dem Wasser war nun lange genug, wir wollen endlich in einen Hafen.

     Viertel vor drei machen wir im Stadthafen Im Jaich unser Anlegemanöver, alles klappt wie am Schnürchen, unsere Eingespieltheit lässt den "Landevorgang" ohne Stress durchführen. Fünfeinhalb Stunden waren wir auf dem Wasser, und auch wenn die Sonne nicht vom Himmel brannte, "der Wind zehrt aus", wie uns die Erfahrung lehrt. 23 Seemeilen war der Weg lang. Ein herrlicher Segeltag, der uns sicher noch lange im Gedächtnis verhaften bleibt.

      Nach den üblichen Aufräum- und Pflichtarbeiten gehen wir in die Stadt, heute wollen wir indisch essen gehen. Ein Kellerlokal in der Innenstadt, nicht weit zu laufen, ist uns empfohlen worden. Das Essen ist sehr schmackhaft, und auch nicht so teuer. Flensburg macht schon auf dem kurzen Weg dahin deutlich, dass es eine sehr sehenswerte Stadt ist, die unbedingt einige längere Ausflüge erfordert. Das Hafenflair, die überall aufgebauten Cafe's und Esslokalitäten, die vielen Menschen, die die Umgebung auf Bänken und Plattformen genießen, vermitteln ein bisschen die Atmosphäre von Aarhus oder Faaborg.

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So., den 13. August: Maasholm

     Gerne wären wir noch einige Tage in Flensburg geblieben. Vieles war aus Zeitgründen nicht anzuschauen, manches haben uns auch die endlosen Stunden mit Regen verunmöglicht. Die quirlige Stadt mit dem Leben der vor allem jungen Leute auf den Plätzen, Bänken und Sitzgelegenheiten rund um den Hafen, den Treffpunkten der Szene, macht auf vielen Ebenen deutlich, wie angenehm Leben in der Sonne sein kann. Drei Hochschulen beherrbergt Flensburg und die Studenten hinterlassen ihre Spuren: Auf einer der Innenstadtstraßen, die zum Nordertor führen, ist die Straße mehrfach mit alten Schuhen überhängt. Das sind die Treter der Studenten, die das Semester absolviert haben, erklärt uns ein Einheimischer. Wir hatten keinen Fotoapparat dabei, nicht mal  ein Handy, wir mussten Wasser besorgen, auf einem langen Weg zu einem Lebensmittelshop am Ende der Stadt. Der Tod einer nächsten Angehörigen von Barbara riss uns aus unseren Plänen, es kommt eben immer anders als geplant.

     Am Sonntag, den 13. August stimmt dann endlich Windrichtung und Stärke, es sollte ein Sonnentag auf dem Wasser werden, aber die anfänglichen Strahlen des hellen Morgens verschwinden bald hinter dicken, zunehmend grauer und dunkler werdenden Wolken. Und das, obwohl drei verschiedene Wetterquellen Sonne mit wenig Bewölkung versprechen. Es sieht nach Regen aus, und mein  Bauchgefühl gibt mir recht. Allein schon wegen der Kälte in Schwerwetterkleidung eingehüllt, kommt es nach dem Start zu den ersten Tropfen und einem kleineren Guss von oben, wie wenn der Himmel sagen wollte: "Ihr mit euren Wetterprognosen, ich kann auch anders...!"

     Der Start aus dem Hafen verläuft problemlos, noch in der Hafenspitze wird das Großsegel hochgezogen, danach das Vorsegel. Mit gemächlichen drei Knoten verlassen wir den Hafen, eine ganze Weile mit Maschinenunterstützung fahrend, weil zwischendurch echte Flautephasen uns ausbremsen. Erst weiter draußen in der Innenförde ist der Wind stark genug, mehr als drei Knoten zu machen. Wir haben einen langen Weg vor uns, die Zeit bis zur Beerdigung schreibt uns vor, nicht mehr als zwei oder drei Schläge bis Heiligenhafen zu machen, und dann steht die lange Fahrt über unserer  Heimatstadt nach Süddeutschland noch bevor.

     Nach über zwei Stunden sind wir an der Spitze der Innenförde angelangt, der Wind wird immer weniger vom Land gebremst. In Böen und raumem Wind macht die Yacht ihre sechs Knoten. Dann geht es ein kurzes Stück wieder südlich, um endlich nach der Holnisenge die Außenförde zu erreichen, wo Wind und Welle zunehmen. Leider kommt der Wind jetzt achterlich, es bedarf konzentrierten Steuerns, um nicht ständig eine Patenthalse zu riskieren. Der Bullenstander tritt in Aktion, mehr als einmal reißt es an der Großschot, wenn ich nicht genug aufpasse. Zudem schralt der Wind, mal kommt er mehr von steuerbord, mal mehr von backbord. Bis zum Untiefenleuchtturm Kalkgrund müssen wir mehrere Halsen fahren, was den Weg etwas verlängert, dafür uns aber auch schneller werden lässt. Bei achterlichem Wind und Raumschotskurs fühlt sich die Hallberg Rassy nicht besonders wohl, das Schiff geigt mehr oder weniger und ist nicht besonders schnell, auch wenn es noch immer ziemlich ruhig und brettig im Wasser liegt. Den größten Speed erreicht man mit halbem oder leicht vorlichem Wind, das ist teilweise der Kurs, den wir am Ende der Außenförde beim Übergang in die offene Ostsee erreichen.

      Gegen halb zwei haben wir den Leuchtturm Kalkgrund hinter uns. Die offene Ostsee bietet uns jetzt mehr Wind, leider immer noch ziemlich von achtern, zwischendurch auch von der Seite. Die Wellen sind höher, aber meistens laufen sie mit uns. In Böen macht die Yacht schon mal siebeneinhalb Knoten, so schnell waren wir noch nie. Teilweise knallt die Sonne von oben herab, teilweise verdunkeln auch graue Wolkenbänke den Himmel. Wir rätseln, ob es regnen wird, entsprechend angezogen sind wir ja schon Die Kälte kriecht uns in die Kleidung, der Wind zehrt uns aus.

      Bald kommt die als Orientierungsmerkmal bekannte charakteristische Baumgruppe von Schleimünde in Sicht. Wir kommen jetzt dem Land immer näher und müssen weiter seewärts, um nicht auf Untiefen aufzulaufen. Kurz vor Schleimünde drehen wir in den Wind, um das Großsegel herunterzulassen. Beim Wechsel des Baums auf die Steuerbordseite streift er meinen Kopf. Ziemlich hart, aber es war nur ein "Streifschuss". Nochmal gutgegangen! Voll gegen die Birne, das hätte nicht so gut ausgesehen! Dreimal konnte Barbara eine Patenthalse verhindern, aber einmal nicht genügend aufgepasst und schon ist es geschehen.

     Ab Schleimünde geht es den engen Tonnenstrich bis Maasholm, dann steuerbord rechts ab in die Hafeneinfahrt. Wir finden einen Platz an der Brücke, die wir zuletzt verlassen hatten, das Anlegemanöver klappt mit Hilfe vom Steg ohne Probleme. Fast acht Stunden waren wir auf dem Wasser, und das mit voller Konzentration, weil eben Raumschotskurs nicht heißt, Segel einstellen und dann Siesta, sondern aufpassen, aufpassen und nochmals aufpassen. Die Segler, die links und rechts auf der Förde auf uns zukamen gar nicht mitgerechnet. Der Wind kommt nicht stetig von einer Seite, der Kurs ändert sich ebenso, und auch ein Bullenstander ist keine Garantie, dass alles glatt geht. Wenn der Baum rüberkommt, knallt es im Rigg, ebenso ist ein schlagendes Vorsegel kein Geräusch, das einem Segler Freude macht. Das Segeltuch wird extrem belastet und geht kaputt. Und Halsen ist ein Manöver, das auch nicht ungefährlich ist. So sind wir nach den acht Stunden auf dem Wasser erst mal ziemlich geschafft, der Wind, die Sonne, die Kälte, es fühlt sich so an, als sei der Herbst schon da.

     Wir werden uns jetzt erst mal in Maasholm erholen, zwei Tage sind das mindeste, und dann sehen wir weiter. Wenn das Wetter, der Wind, das Meer es will, können wir weiter, wenn nicht, dann ist das eben so.  Vom Küstenrand Schleswig-Holsteins so einfach wegzukommen ist nicht drin, wer das nicht weiß, war eben noch nie hier!

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Mi., den 16. August: Heiligenhafen

      Der einzige Tag mit dem richtigen Wind - West-Nordwest - ist gekommen, um unser weit entferntes Ziel zu erreichen: Heiligenhafen. Hier steht unser Auto, nur so kommen wir aus der an Verkehrsverbindung armen Region Nordost-Schleswig-Holstein weg. Wir haben uns erkundigt: kein Mietwagen weit und breit zwischen Kappeln, der größeren Stadt in der Nähe von Maasholm und Flensburg. Busverbindungen nur mit mehrmaligem Umsteigen, wegen Baustellen teilweise ausgefallen, teilweise langandauernd. Von  Zugverbindungen sprechen wir erst gar nicht, weil das heißt, bis Oldenburg i.H. zu fahren, über Lübeck, dann mit dem Taxi weiter. Auch das Thema Kosten lassen wir aus den Augen. Und zu berücksichtigen ist ja außerdem, wenn wir wieder in Heiligenhafen sind, müssen wir den ganzen Weg zu unserem Liegeplatz wieder zurück Da scheint es in jedem Faller besser, wenn auch nicht unbedingt leichter, mit dem Schiff den ganzen Weg zu machen, das sind ja auch "nur" 41 Seemeilen, also ein 8-Stunden-Tag auf dem Wasser.

      Wind und Welle stimmen, wenn auch nicht ganz, der Wind anfangs 3 Bft, später nur 2, abnehmend, aber die Richtung ist ja auch wichtig. Und die Sonne soll scheinen, der Platz- und heftige Gewitterregen von gestern Abend uns verschonen. Obwohl: unsere Wetterstation meldet für Kiel Gewitter, der Deutsche Wetterdienst warnt vor Gewitter- und Schauerböen und Windfinder meldet für die ganzen Küstenorte auf unserer Route Gewitterwarnung.

     Unser Ablegemanöver  klappt wie am Schnürchen, um halb neun ist der Jockel an, dann geht es den Tonnenstrich raus nach Schleimünde, ab der roten Einfahrtstonne Schleimünde Richtung Süden nach Damp. Wir haben Angst, dass es mit dem Segeln auf die Dauer nichts wird, wir also motoren müssen, aber nicht mehr genug Treibstoff haben. Wir wollen ja auch nicht bis nachts unterwegs sein, also muss ein bisschen Geschwindigkeit schon sein!

     Knapp zwei Stunden später sind wir im Hafen von Damp, die Tankstelle wird gerade geräumt, wir fahren einmal im Kreis und kommen dran. Der freundliche Tankwart verkauft uns seinen Diesel als den besten der Welt, "nicht rußend, Sie brauchen kein 'Grotamar' (Dieselzusatz gegen das Verschlammen) und auch sonst keine Zusätze", meint er. Die Sonne scheint weiterhin, es wird wohl ein freundlicher Tag werden.

     Ab Damp können wir fast gegen Westen fahren, etwas südlich. Soweit die graue Theorie, die von den realen Hindernissen nichts weiß. Da ist zum einen der Schifffahrtsweg aus der Kieler Bucht und hinein, eine vielbefahrene Route. Und dann sind da noch diverse Schiffsrouten, die im rechten Winkel auf schnellstmöglichem Wege gekreuzt werden müssen. Wer schräg durchführt und erwischt wird, muss mit heftigen Geldstrafen rechnen. Also können wir nicht standepete so einfach auf dem Meer rumkreuzen, wir müssen uns den Verkehrstrennungsgebieten nähern und dann quer durch. Das kostet Zeit und das kostet Strecke. 

     Kaum haben wir die Verkehrstrennungsgebiete hinter uns, kommt das nächste Hindernis: zwei Abschnitte, auf denen mit gelben Warnbojen auf das Durchfahrtsverbot hingewiesen wird: Munitionsversenkungsgebiete. Es empfiehlt sich wohl, sich an das Verbot zu halten, wir wissen ebenfalls nicht, was passiert, wenn wir es durchbrechen. Im Hintergrund liegt ein blauweißes Schiff, aus der Ferne nicht erkennbar, ob ein Boot der Küstenwache oder sonst einer Organisation, die den Verkehr auf dem Meer überwacht. Später kommt dieses Boot auf uns zu, wir fürchten schon, dass jeden Moment ein schwarzes Schlauchboot zu Wasser gelassen wird. Es ist aber nur ein harmloses polnischer Fischtrawler, der wohl gehalten hat, weil hier auch Gebiete mit Fischfangverboten sind. Später taucht ein grauweißes Schiff auf, das könnte von der Bundesmarine sein. Wir lassen es nicht drauf ankommen, umfahren die Munitionsversenkungsgebiete großflächig und dann weiter auf unserem Kurs Richtung Fehmarnsund.

     Nachmittags, gegen viertel nach zwei, ist es mal wieder Zeit, etwas Neues auszuprobieren: Die Selbststeuerung von autohelm. Schnell ist sie angeschlossen, und führt das Schiff sicher auf dem Kurs nach Osten. Es ist erstaunlich, wie das Gerät die achterlichen Wellen und den Wind nimmt, bei dem die Yacht doch mehrmals ziemlich ins Geigen gekommen war. Mit unserem alten Gerät hatten wir da nicht so gute Erfahrungen gemacht. Es war doch ziemlich laut und nervig, wenn man an das Kabel kam, gab es oft einen Kontaktverlust, und vertrauen konnten wir ihm auch nicht. Es änderte schon mal den Kurs, wenn wir nicht aufpassten. Wir genießen die Sonne, haben Muße, die Küstenlinie und das weite Meer zu bewundern, an der Schönheit der Natur uns zu erfreuen. So zu fahren ist doch ziemlich entspannend, auch wenn immer wieder geschaut werden muss, ob eine Yacht uns quert oder entgegen kommt, was im Wasser liegt wie Felder von treibendem Seegras oder ähnliches.

     Kurz vor achtzehn Uhr kommt die gelb-schwarze Tonne Heiligenhafen-Nord in Sicht. Der Autopilot wird abgenommen, selbst steuern ist angesagt. Der schon etliche Male gefahrene Weg von der Tonne in die Bucht von Heiligenhafen liegt vor uns, der Hafen des Seglervereins bald in Sichtweite.

     Gegen halb sieben können wir den Motor ausmachen, auch wenn wir nachher das Schiff an einen anderen Liegeplatz verholen müssen. Hier werden am Wochenende Regattagäste erwartet, der Hafen wird voll, der Hafenmeister spricht vom "Ausnahmezustand." Gut, dass wir dann weg sein werden.

     Durch die Umwege bedingt - Tanken in Damp, die Verkehrstrennungsgebiete rechtwinklig durchfahren, die Versenkungsbiete umfahren - sind aus den 41 Seemeilen 51 geworden. Zehn Stunden waren wir unterwegs, mit einer Geschwindigkeit von ca. 5 Knoten durchschnittlich. Es war ein langer Tag, ein heißer Tag, auch wenn es abends kühler wurde. Schön, dass es hier einen thailändischen Imbiss gibt, und das Auto auch keine Probleme macht: nach der ganzen Ruhezeit springt es sofort an. Da hatten wir schon Anderes erlebt.

     Die nächsten Tage werden wir uns wohl erst mal ausruhen, bevor die Fahrt über Moers nach Süddeutschland geht. Und was dann wird, steht erst noch in den Sternen.

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So., den 27. August 2017

Anstrengende Tage liegen hinter uns: die Fahrt nach zu Hause, von dort aus nach Süddeutschland, die Beerdigung, die vielen sozialen Kontakte in dieser Zeit, die Heimfahrt und schließlich und endlich die Rückreise nach Heiligenhafen: ca. 2200 km sind wir in ca. 10 Tagen gefahren, jetzt reicht es uns, wir wollen noch ein paar Tage an der schönen Ostsee verweilen, bei hoffentlich ebenso schönem Wetter und vielleicht noch einige Fahrten machen.

 Und es werden tatsächlich noch einige sonnige und warme Tage hier, bevor das Wetter mehr oder weniger deutlich in Richtung Herbst schreitet. Die Regentage werden mehr, die Tage mit Starkwind ebenso.  Und wohin genau sollen wir segeln? Jetzt nochmal nach Maasholm? Oder in die andere Richtung, in die Lübecker Bucht? Bevor wir zu einem Entschluss gelangt sind, ist es zu spät: anhaltender Regen und fallende Temperaturen lassen uns den Traum vom "goldenen Herbst" vergessen, es wird wohl Zeit, die Zelte abzubrechen.

Und so kommt es denn auch: nach mehreren telefonischen Kontakten steht unser Krantermin am 12. September. Wieder einmal das gesamte Procedere: Schiff ausräumen, Tasche um Tasche sammelt sich im Auto, entscheiden was hierbleibt und es bleibt eine Menge hier und dann schließlich die letzte Fahrt zum Hafen von Boat & Living. Zum Glück scheint die Sonne, der Wind hält sich in Grenzen und erst später kommt der Regen. Der Ärger damit ist aber im Vergleich zu dem, was die Motorinspektion offenbart, ein Nichts. Vor uns tun sich Abgründe auf, wir sind geschockt. Und mehr kann an dieser Stelle gar nicht verraten werden, weil alles was danach folgt, zum Teil einer juristischen Auseinandersetzung wird. Und da ist es wohl klüger, nichts davon ´publik zu machen.

Was bleibt: ein Fazit dieses Sommers!

Durchwachsen, so zumindest kann man vom Wetter her diesen Sommer beschreiben und das ist noch wohlwollend ausgedrückt. Auf einen schönen Tag kamen gefühlt mindestens vier bis fünf schlechte Tage, das heißt mit viel Nässe und Kälte. Die Tiefs aus Island haben jedes mal voll durchgeschlagen bis auf die Westküste von Schleswig-Holstein.

Und das Schicksal der nahen Angehörigen bestimmte auch das Lebensgefühl entscheidend: wir trauten uns nicht, weit weg zu fahren und als wir endlich Richtung Norden unterwegs waren, bis Flensburg, mussten wir auch schon wieder zurück. So kam einiges zusammen, was diesen Sommer nicht so positiv in der Erinnerung verankerte wie vergangene Reisen. Und der Ärger zuletzt: das wiederum ist ein ganz eigenes Kapitel.

So wollen wir hoffen, dass es nächstes Jahr besser wird. Es gibt neue Ziele, neue Horizonte, aber wir werden hier nichts verraten. Es wird auf jeden Fall spannend werden.

 

Liegeplatzkosten und Nebenpreise

 

Hafen
Liegeplatz
kosten
incl. Strom+Wasser Strom extra Wasser Extra WLAN 5. od. 6. Nacht frei   
Heiligenhafen-SVH 10,00.-€ ja nein nein HotSpot-Telekom 6. Nacht frei
Bagenkop ca. 21,50.-€ ja nein nein Gäste-WLAN 5. Nacht frei
Massholm 10,00€ ja nein nein Gäste-WLAN 7. Nacht frei
Gelting Mole 15,00.-€ ja nein nein Gäste-WLAN 7. Nacht frei
Flensburg-Im Jaich 15,00.-€ nein ja nein Gäste-WLAN 7. Nacht fei
             
             

 

 
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update: 19.10.2018                                                                                                                                                                                   zurück zur Hauptseite