Törnbericht 2014:
Einmal Lübeck-Dänische Südsee-Bornholm-Usedom

 

Inhaltsverzeichnis

Mi., 14.05.2014 Moers-Lübeck

Mo., 19.05.2014 In Lübeck

Mo., 26.05.2014 Grömitz

Fr., 30.05.2014 Heiligenhafen

Fr., 06.06.2014 Bagenkop (DK)

Mi., 11.06.2014 Ærøskøbing

Mo., 16.06.2014 Lyø

Mi., 18.06.2014  Faaborg

Di., 24.06.2014  Svendborg

Do., 26.06.2014 Troense

Sa., 28.06.2014  Lohals Mann über Bord

Di., 01.07.2014  Skælskør 

Sa., 05.07.2014  Søfronten/Karrebæksminde

Mo., 07.07.2014 Vordingborg

Törnberichte

   
   
2019 Törnbericht 2019: Gotland
2018 Törnbericht 2018: Polnische Ostseeküste bis Danzig
2017  Törnbericht: Deutsche Ostseeküste bis Flensburg
2016 Als Einhandsegler Richtung Kattegat - Dänemarks Norden
2015 Von Polen bis Heiligenhafen
2014 Einmal Lübeck-Dänische Südsee-Bornholm-Usedom
2013 Bis Rügen und zurück
2012 Vom Ijsselmeer in die Ostsee
  Sommertörn Ostsee
2011 Vom Ijsselmeer ins Watt
2010 Von Hamburg ins Lauwersmeer
   
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Di., 15.07.2014  Stege

Mo., 21.07.2014 Ausflug nach Møns Klint

Mi., 23.07.2014  Rødvig

So., 27.07.2014  Skåre (Schweden)

Do., 31.07.2014  Ystad

Mi., 06.08.2014 Rønne (Bornholm, DK)

Sa., 09.08.2014 Sassnitz (Deutschland)

Sa., 16.08.2014 Kröslin

Do., 21.08.14 Ueckermünde

Liegeplatzkosten und Nebenpreise

Unsere Fahrtroute:

 

 
 
 
 
 
Abb. 1: Unsere Reiseroute von Lübeck  bis Ueckermünde
 

Teil 1 der Reise: Start von Lübeck aus

 
 

Mi., 14.05.2014 Moers-Lübeck

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     Nach Tagen intensiver Vorbereitung und mehrmaliger Verschiebung des Krantermins: endlich ist es soweit, die Reise nach Lübeck kann losgehen. Die letzten Wochen waren ausgefüllt mit all dem, was für eine Reise von vier Monaten notwendig ist. Mit unserem Motto "Entschleunigung pur -..." hatte das noch nicht viel zu tun.

     Angefangen von der Aktualisierung der Seekarten und der GPS-Software bis zu den Tabletten, die man so in unserem Alter braucht: vieles musste bestellt, kontrolliert, nachgezählt, durchdacht und besprochen werden. Und das war ja nicht das einzige, was zu tun war, das "normale" Leben geht ja auch so weiter und die Tage waren vollgefüllt mit allerlei "Zeugs", das bis dahin erledigt sein wollte und von dem man immer das Gefühl hatte, wann komme ich endlich zu den Reisevorbereitungen. Vier Monate, das ist eben schon ein anderes Kaliber als fünf oder sechs Wochen, und das kann man sich in der Regel auch nur leisten, wenn man nicht mehr arbeiten muss. Und in diesem Alter sind wir beide jetzt, noch fit genug, unseren Radius in der Ostsee ein klein wenig auszudehnen.

     "Geplant" haben wir eine Route ostwärts von Lübeck bis nach Fehmarn, von dort aus "links" oder "rechts" herum Richtung Dänemark, dann die Dänische Südsee, später durch den Großen Belt weiter um die Insel Sjaelland (Seeland) herum bis nördlichst Gilleleje, dann wieder südwärts an Kopenhagen vorbei durch den Sund, Richtung Trelleborg und Ystad, von dort aus nach Bornholm und von Bornholm aus Richtung Usedom, an der Ostseeküste entlang. In Świnoujście (Swinemünde) wollen wir dann über das Kleine Haff und die Boddengewässer Richtung Rügen segeln, und zuletzt von Barhöft aus den langen Weg über Darßer Ort nach Warnemünde-Rostock, Wismar und schließlich wieder Lübeck. So genau wissen wir den Kurs noch nicht, er hängt auch von Wind und Wetter ab, von unserer Laune, von den Häfen und dem Fahrwasser, von den Ferien in Dänemark und Schweden und und. Vieles wird dann entschieden werden, wenn die Zeit und Umstände dazu reif sind und manche Entscheidungen werden auch falsch sein.

 
     Heute aber ist erst mal das Kranen angesagt, danach muss das Schiff innen wieder bewohnbar gemacht werden. Zum Glück war der Winter ziemlich eis- und frostfrei, so dass bis jetzt keine großen sichtbaren Schäden bei der Überwinterung entstanden sind. Und nach dem Aufräumen steht das vollgeladene Auto zum Auspacken an, wir wollen es schließlich auch ein bisschen gemütlich haben.
Abb. 2: de Widzi beim Kranen - aus dem Jahre 2012
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     Die nächsten Tage sind dem Zusammenbau des "Kahns" gewidmet, d.h. Mast stellen, das Rigg mit dem stehenden und laufenden Gut in Ordnung bringen, die Segel anschlagen, und und und. Vielleicht ein wenig putzen, bis zum großen Einkauf für Lebensmittel und Getränke.Dänemark und Schweden sind ja etwas teurer als Deutschland, da sind Vorräte angesagt und jede freie Lücke im Boot muss genutzt werden. Hoffentlich verlieren wir nicht den Überblick wo was ist: schon wieder geht es um Listen, Listen, Listen.

 

Mo., 19.05.2014 Lübeck

     Wir haben eine Menge geschafft. Nach dem Kranen das erste Auspacken des Autos. Erst mal alle 6 Polster, auf denen wir im Schiff sitzen. Dann zwei für den Rücken und die drei, auf denen wir schlafen. Die haben das Auto schon mal gut gefüllt. Auch ein Pick-Up hätte das nicht gepackt, was dann an Ausrüstung noch kam. Deswegen haben wir den größten Teil unserer Alltagsausrüstung per Paket an die Marina geschickt. Die freundliche Dame am Schalter unseres örtlichen Postshops meinte nur trocken: "Umziehen geht auch einfacher." Und das nach dem 6. Umzugskarton. Dabei hat sie gar nicht alle Postsendungen mitbekommen. Wir dachten, bevor wir den DHL-Transport in unserem Viertel zum Erliegen bringen, verteilen wir die Kartons lieber auf mehrere Postämter. So hatte dann auch eine andere in der Nähe gelegene Poststelle etwas von der "Paketflut".

      In der Marina waren sie schon vorgewarnt, aber schlecht gestaunt haben sie auch nicht, als jeden Tag zwei bis drei Umzugskartons ankamen. Na ja, jetzt ist das auch wieder Schnee von gestern, der Inhalt der Postsendungen ist im Schiff, wenn auch noch nicht so richtig sortiert, aber das  braucht eben Zeit und Gehirnschmalz. Zum Glück spielt das Wetter mit: bis auf den gestrigen Regentag hatten wir drei herrliche Sonnentage. Nur nachts ist es immer noch a....kalt, aber wir haben ja einen kleinen Ofen.

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Do., 22.05.2014 Lübeck

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     Nun sind wir schon mehr als eine Woche im Hafen. Seit Montag nehmen die täglichen Temperaturen zu, heute messen wir tagsüber 29 °C und schwachen Wind aus SE, ca. 2 Bft. Das Wetter schafft uns, letzte Woche mussten wir noch nachts die Heizung anmachen, so kalt war es.

      Gestern war ein Glückstag. Das vor zweieinhalb Jahren erstandene Falt- und Klappfahrrad Seatec (SVB), das ich mit soviel Mühe und Ärger 2013 in Greifswald auseinander-, aber nicht mehr zusammengefaltet bekam, hatten wir am Freitag davor bei "Bike & Tour" in Lübeck zur Reparatur abgegeben. "Kein Problem", meinte der freundliche, schon etwas grauhaarige Enddreißiger, der sich unser annahm. Ein Fahrradladen, geführt von Leuten, die für und mit dem Fahrrad leben. Echte Profis. Man spürte gleich im Laden, dass es denen nicht nur ums Verkaufen von Rädern ging, sondern die Liebe zum Rad vorherrschendes Geschäftsprinzip war und ist. Das wohl völlig korrodierte Gelenk in der Mitte sollte gängig gemacht werden, für Fachleute eine leichte Sache. Dienstag könnte ich es wieder abholen, wurde mir gesagt.

      Ein Anruf am Dienstag mittag brachte jedoch schlechte Nachrichten: der Spannhebel am zentralen Gelenk war abgebrochen. Von SVB aus Bremen war wohl zuerst mal nur zu hören, dass das "Fahrrad nicht mehr im Programm" sei, so "Bike & Tour", deswegen gebe es auch keine Ersatzteile. Toller Laden, der SVB! Vielleicht hätten die Techniker vom Fahrradladen gleich in Südkorea oder China anrufen sollen. Und immerhin hatte das Fahrrad ja einen gewissen "emotionalen Wert", da es das Geschenk meiner Kollegen bei meiner Verabschiedung gewesen war. Das war 2011. Mehrere Wochen hatte ich gebraucht, um überhaupt ein  Fahrrad aus den diversen Angeboten herauszusuchen, das bezahlbar war. 40 € musste ich noch in einem Laden um die Ecke berappen, weil ohne dessen Stempel die Garantie nicht wirksam geworden wäre. Dabei ging es nur um das Nachziehen einiger Schrauben und Kontrolle des korrekten Zusammenbaus nach Anleitung. Dieses Fahrrad, das ich in Greifswald mitten durch die Stadt schleifen durfte, soweit auseinandergefaltet, dass die zwei Räder parallel zu einander liefen, unter den mitleidigen Blicken all der Passanten und Touristen, die den Weg vom Holzhafen zur Innenstadt säumten. Auf der Suche nach einem Händler, der es richten sollte. Und der und andere um 16 Uhr geschlossen hatten, an einem Donnerstag, also "mitten"" in der Woche. Hallo, wo sind wir denn, fragte ich mich damals! Langer Rede kurzer Sinn: mit einem Trick bekam ich das Fahrrad auseinander gefaltet, aber nicht mehr zusammen und das sollte ja jetzt geändert werden. In dem Fahrradladen, der einen so professionellen Eindruck machte. Und im Internet so gute Bewertungen erhielt.

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      Jetzt haben wir zwei Räder, ein neues von AWN und ein gebrauchtes von Tactic, mal sehen, was die Praxis bringt. Das neue Fahrrad ist eingefettet, wo es überall gefaltet wird, aber auch sonst an den Schrauben, der Kette und an anderen Stellen. In einem Fahrradsack ist es seewassergeschützt an der Reling festgebunden. So wird wenigstens das Salzwasser keine großen Schäden verursachen.

      Barbara hat ja für sich den Angelsport entdeckt. Ihr großer Traum ist, den täglichen Fisch frisch fürs Abendessen von Bord aus zu angeln. Ich sage nur: Angeln - eine Wissenschaft für sich! Aber bevor es damit losgeht, braucht man in Deutschland einen Schein, oder zwei, der regelt, wo und wann man angeln darf. Das ganze erinnert an das Jagdrecht und damit hat es ja auch zu tun. Also jahrhunderte altes Recht und Gesetz, und natürlich auch dem Schutz der Natur unterworfen.

[.....]

     Ich bin gespannt, wie das weitergeht, wann sie den 1. Fisch gefangen hat. Und er einen Schlag auf den Kopf bekommt, mit dem Hebel der Bilgenpumpe. Vor dem Essen kommt das Töten, ein Gedanke, den wir längst alle verdrängt haben!

 

 
Mo., 26.05.2014 bis Mi in Grömitz

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      Gestern sind wir in Grömitz angekommen. Die Überfahrt war nicht gerade aufregend, etwas Sonne und Wolken, aber kaum Wind. 2 Bft waren angesagt. Nach der roten Tonne Travemünde und der Begegnung mit einer Kogge auf dem Weg zum Lübecker Hanse-Fest setzten wir das Vorsegel, die Genua. 20 Minuten schipperten wir mit 2,5 kn nach Norden, das war uns dann doch etwas langsam. Mit Motor und Genua ging es dann etwas schneller, aber der Wind schlief immer mehr ein.
Abb. 3: Traditionelle Kogge auf dem Weg zum Lübecker Hansefest
 
      Also rollten wir das Vorsegel wieder ein und spielten ein "als Segelyacht getarntes Motorschiff" bis Grömitz. Dort gab es auch genug freie Boxen, so dass wir bald an Steg 10 festmachen konnten. Heute morgen war dann erstmals Ausschlafen angesagt, jedenfalls für mich. Barbara hat es schon früher aus dem Bett getrieben, also war der Kaffee schon fertig, als ich aufstand.

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       Dann die schlechte Nachricht: Der Wind aus NO-O nimmt die nächsten Tage zu, auf 5-6, später 7 Bft, in Böen 8-10. Da hatten wir dann keine Lust mehr raus zufahren, um einen ersten Angelversuch zu wagen. Und die nächsten Tage bis Mi sitzen wir hier fest. Die drei Stunden bis zum geplanten Ziel Großenbrode bei diesem Wind und Seegang von 2 m Wellenhöhe muss ja nicht sein. Ein altes Sprichwort sagt: "Wer sich in Gefahr begibt, kommt in ihr um!" Wir stehen ja nicht unter Zeitdruck und wir sind erst am Beginn der Reise!

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        Wir entschließen uns, die Kuchenbude aufzubauen. Dann haben wir wenigstens etwas Schutz vor dem Wind, der ja noch zunehmen wird. Nach ca. einer halben Stunde Arbeit gegen die Böen steht die Bude. Gleich wird es ein bisschen gemütlicher. Die Stimmung ist gut, wir haben alles an Bord, was wir brauchen, genug zu essen und zu trinken, und Pflichten, wie Logbuch schreiben, Wetter eintragen, die aktuelle Lage und die Vorhersagen. Erst am Do werden wir weiter nach Heiligenhafen kommen, denn Großenbrode kennen wir ja zur Genüge. Heiligenhafen wäre mal was Neues. Vielleicht kann Barbara da einen eintägigen Hochseeangelkurs machen, denn praktische Erfahrung hat sie ja noch nicht. Dazu war die Zeit zu kurz und die Idee zu spontan. 

 

 
       Der Aufbau der Kuchenbude war mal wieder so eine typische Staatsaktion, die zeigt, wie es auf einem kleinen Schiff zugeht, das voll mit Ausrüstung steckt. Die Bude selbst war ja noch schnell zur Hand, aber der Besenstiel und die zwei Latten zur Stabili- sierung des Daches lagen
Abb. 4 Kuchenbude auf de Widzi
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zuunterst im Schapp der Backbord-"Hundekoje", also ganz hinten und ganz unten. Entsprechend musste erst die Hundekoje leer geräumt werden, das waren "nur" zwei große Reisetaschen und das Genacker-Segel in einer großen Plastik-Box, aber dazwischen schon etliche Wasserflaschen. Dann das Polster raus, die zwei Bretter, die unter den Polstern liegen und darunter wieder zig 1,5-L-Wasserflaschen. Ganz unten liegen der Besenstiel und die zwei Latten. Der "Salon" war voll gestopft! Danach wurde alles zurück geräumt und die Ordnung war wieder hergestellt. Die Kuchenbude anzubringen ging dann ziemlich zügig, war ja nicht das erste mal. Und zu zweit geht es allemal leichter, auch wenn die Böen schon kräftig dazwischen fuhren. Jetzt ist es - bei inzwischen Windstärke 7 - zwar nicht gerade angenehm, aber wenigstens einigermaßen windgeschützt. Die Bude passt auch nicht ganz wirklich, hinten haben wir einen großen breiten Spalt nach unten, da pfeift es durch. Die Persenning-Knöpfe fehlen an der achterlichen Kante, aber mit der Pütz (Wassereimer) und dem Angelkasten haben wir die Lücke einigermaßen ausgefüllt.  
      
         Es ist Di-mittag in Grömitz, grau verhangener Himmel, manchmal bricht ein bisschen die Sonne durch. Draußen herrschen jetzt konstant 6-7 Bft, in Böen 8. Aus Ost. Der Wind hat den Wasserstand im Hafen um einen halben Meter gehoben. Ein in der Nachbarbucht außen am Steg über dem Wasser angebrachtes AWN-Fahrrad wird bereits bis zur Hälfte überflutet.
 
Etliche Stromkabel  - vor allem zu den dicken Motoryachten - sind es auch. Und der Pegel steigt weiter. Inzwischen, gegen Abend, braucht es nur noch ca. 10 cm Abstand, bis die Stegoberfläche geflutet wird. Wenn es so weitergeht, liegt der Steg bald unterhalb des Wasserspiegels. "Charlchen I", eine dicke Bavaria, stößt mit der Kante des Stevens gegen die Holzplanken des Steges. Am gegenüberliegenden Steg hat einer sein Großsegel nicht richtig eingepackt.
Abb. 5: Marina Grömitz: Ein Fahrrad geht unter
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Nun hat es sich teilweise losgerissen und schlägt im Wind. Kleine Fehler und Nachlässigkeiten wachsen sich bei diesem Wetter schnell zu großen Problemen aus. Dank der Kuchenbude sind wir etwas abgeschirmt, aber Gemütlichkeit sieht anders aus. Wir kommen uns eher wie im Herbst vor als zu Beginn einer Sommerreise. Also ein Hafen- und Bordtag, nach dem Abwasch ist erst mal eine Runde Rummikup angesagt. Ich verliere haushoch mit 5:2, aber es geht nicht ums Gewinnen, sondern ums Spielen, auch wenn das begleitende "Wehklagen" und "Heulen" über die "schlechten" Plättchen, die man gezogen hat, zum Spiel gehört. "Der Weg ist das Ziel", immer wieder sagt Barbara diesen Satz und immer wieder entdecke ich ein kleines Stück von der Wahrheit, die darin steckt.
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Fr., 30.05.2014  Grömitz nach Heiligenhafen

 

 

      Eigentlich wollten wir schon Donnerstags los, aber als ich morgens um 8 Uhr aus der Luke schaue, lädt mich das Wetter nicht zu einer Überfahrt nach Heiligenhafen ein. Es ist immer noch ziemlich kalt, wenig Sonne, und der Wind immer noch aus der "falschen" Richtung. Außerdem brauche ich dringend eine wärmere, größere Jacke und die kaufe ich heute in Grömitz. Also wieder in die warme Koje, unter Schlafsack und Wolldecke. Gegen Mittag ist das Wetter besser, aber jetzt ist es zu spät. Wir ändern den Plan und beschließen für morgen die Abreise.

 
     Am Freitag ist das Wetter ideal für die 27 sm bis nach Heiligenhafen. Der Wind bläst mit 3-4 Bft aus W-NW. Da wir zuerst einen Kurs von ca. 30° Nordost zur Untiefe "Schwarzer Grund" segeln, danach ca. 5° gegen Nord, passt das gut. Die Sonne scheint, der Seegang ist nicht zu heftig, ca. Stärke 2. Gegen viertel nach 12 Uhr werfe ich den Motor an, und wir verlassen Grömitz.
Abb. 6: Auf dem Weg nach Heiligenhafen
 
Zwanzig Minuten später stehen Groß und Genua, und bei  halbem bis vorlichem Wind geht es ab bis zum Schwarzen Grund. In Böen kommen schon mal 4-5 Bft, da machen wir mehr als 6 kn. Sonst fährt "de Widzi" mit ca. 5,5 kn nach Norden. Kurz vor zwei Uhr haben wir die Untiefentonne backbord querab, jetzt geht es Richtung Norden bis zum Fehmarnsund.

     Ab dem Schwarzen Grund nimmt der Wind zu, jetzt sind es ständig 4-5 Bft, in Böen entsprechend mehr, das Schiff segelt 6 kn und mehr. Die Logge am Unterboden des Rumpfes zeigt immer noch nichts an, aber das GPS ist sowieso genauer. Der Himmel ist bilderbuchgerecht blau, rechts ab verschwindet die Küste von Mecklenburg-Vorpommern im Dunst, die Weite der Ostsee eröffnet sich.

      Nach einiger Zeit erscheint links die Fehmarnsund-Brücke als Bogen am Horizont, und rechts davon wird Fehmarn erst als Hügel, dann auch mit seinen Silos sichtbar. Um viertel nach drei reicht es uns mit der Schräglage, und wir nehmen das Groß herunter. Dank der gut eingeschmierten Mastrutscher kommt das Groß ohne hängenzubleiben runter. Allein mit der Genau machen wir 5 kn.

      Auf einmal tauchen die bewimpelten Stangen der Fischernetze auf. Zum Glück sind es die Eckstangen, und wir müssen zweimal nördlicher fahren, um an den Netzen vorbei zu kommen. Kurz vor vier Uhr, die rot-weiße Einfahrttonne in den Fehmarnsund ist schon in Sicht, rollen wir die Genua ein und motoren entlang dem Tonnenstrich durch den Sund. Zuerst wird das Wasser ziemlich ruhig, aber der Gegenstrom ist mit 2 kn schon ziemlich stark. Nach der Brücke kommt der Wind direkt von vorne, aus westlicher Richtung. Wind und Strom "arbeiten" gegen uns, so machen wir nur knapp mehr als 3 kn. Der Seegang hat zugenommen, die Wellen sind jetzt mindestens 1 m hoch und das Schiff geht auf und ab wie eine Schaukel, zusätzlich auch noch etwas in der Längsachse rollend, wenn die Wassermassen mal mehr von der Seite kommen. Unter Deck knallt es jetzt häufiger, dann ist mal wieder was runter gefallen, eine Klappe hat sich geöffnet oder sonst was. Darum kümmern wir uns später, jetzt müssen wir erst mal ca. eine Stunde durch diese unruhige See, bis wir die Einfahrt nach Heiligenhafen erreichen. Kurz nach sechs legen wir endlich an, nach einem missglückten Manöver: Der Wind drückt uns schräg in die Anlegebox hinein, der Flaggenstock muss dran glauben. Wir sind ganz schön geschafft, der Wind zehrt ja bekanntermaßen aus und die Sonnenstrahlung war auch nicht ohne. Vor allem die letzte Strecke von der Brücke bis Heiligenhafen war heftig. Nach dem Anlegen erst mal ein kühles Bier! Die ganzen 27 sm haben ca. sechs Stunden gedauert, wir sind eben nicht mehr die Jüngsten. Aber die meiste Zeit ein Super-Segelwetter.  

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     Samstag bis Sonntag gibt es nicht so viel zu berichten, dagegen für Montag schon, denn da sind wir auf einer "Hochseeangeltour" mit der MS MONICA. Irgendwann am Samstag fällt uns der Flyer in die Hände, und wir sind beide interessiert, Barbara mehr als ich. Für sie das erste Mal, unter Praktikern Basiserfahrung zu sammeln. Gesagt getan, zufällig erwischt sie am Steg noch einen potentiellen Mitfahrer,  über
Abb. 7: Hochseeangelschiff MS MONICA
 
den sie uns beide per dessen Handy anmeldet. Und starten soll die Angeltour am Montag um viertel nach sieben, also Aufstehen "mitten in der Nacht"" und das bei unseren mittlerweile verlängerten "Öffnungszeiten".

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       Am Montagmorgen machen wir uns also auf den Weg, mit doppelten Socken, wegen der Kälte in Schichten verpackt. Mit wenig Gepäck, etwas zu trinken, die Angeln werden ja gestellt.

        Ich habe fotografiert, denn Angeln ist nicht so mein Ding und soll Barbaras eventuelles Hobby bleiben. Nach dem freundlichen Empfang von Nobbi, der Bezahlung des "Eintrittsgeldes" und der Leihgebühr für die Angel fahren wir vom Hafen erstmal raus in den Fehmarnsund. Rechts Fehmarn, vor uns Langeland, aber nicht zu sehen und links die Küste Schleswig-Holstein, also Hohwachter Bucht und so weiter. Nach ca. 2 Stunden das erste "Tuuut", die Maschine stoppt und Barbara erhält von Nobbi zunächst einmal Anweisungen, wie man die Angel hält, sie auswirft, die Knoten macht, die Haken anbindet, und all die technischen Finessen, dessen es bedarf, um einen scheuen Dorsch, in der Nordsee Kabeljau genannt, an den Haken zu bringen.  

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       Misstrauisch und nicht so zahlreich anzutreffen, das ist der Fisch in der Fehmarnbucht. Nach kurzer Zeit hakt es beim Zurückholen der Angel, das Teil wird auf einmal schwer, Gegenkraft ist erfahrbar, da hängt der Bursche am Haken. Nicht zu klein, es müssen mindestens 38 cm sein, das ist

 
Abb. 8: Der erste selbst gefangene! Dorsch
 
EU-Recht oder sonst wo festgelegt. Das Blech mit dem halb weggewaschenen  Maßband liegt schon auf der Schlachtbank, es passt, es sind 42 cm. Welche eine Freude und Überraschung im Gesicht, wie Weihnachten hoch sieben! Der erste eigene Fisch, zwar mit Anfängerglück, aber dennoch, bei gerade mal angelernt. Danach noch den zweiten, und später den dritten. Zwischendrin einige zu kleine, die müssen wieder rein. sJetzt ist sie vom Jagdfieber gepackt, muss nach dem Anlegen sofort ins Angelgeschäft, Haken und Blinker kaufen, und der morgige Tag ist auch schnell gebucht. Welche Freude es doch machen kann, etwas ganz Neues für sich zu entdecken!

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       Beim Schlachten erfährt Barbara Hilfe von Uwe, der ausführlich zeigt, wie man so ein Tier zerlegt, was gar nicht so einfach ist. Zu seinen speziellen Messern weiß Uwe einige Geschichten zu erzählen. Dabei ist sein Blick ganz ernst. Seine Messer sind ihm jedenfalls heilig, lässt er durchklingen. Uns wird klar: Es ist eben schon ein riesiger Unterschied zwischen dem Filet aus der Supermarkttiefkühltruhe und dem, was von so einem Dorsch übrig bleibt. Das meiste ist nämlich Abfall, erstaunlich viel Abfall, jedenfalls hier. Ob das auf den schwimmenden Fischfabriken anders ist, vermag ich nicht zu sagen. Erst ein Schnitt hinter der linken Kieme, dann vom Rücken ein Schnitt zur Schwanzflosse, jetzt das eine künftige Filet anheben, ein Schnitt von der Bauchmitte nach vorne, das Filet abgetrennt und das Ganze wiederholt sich auf der anderen Seite. Die Organe dürfen nicht angeschnitten werden, weil das Fleisch verdirbt, wenn die Galle ausläuft. Der Kopf mit dem Mittelteil, der Wirbelsäule, und den daran

 
anhängenden Organen fliegt in einen Stahlbehälter, in den alle Abfälle reinkommen. Wenn das Schlachtfest vorbei ist, beginnt das Fressfest der Möwen. Sie kreisen schon über uns, die Ratten der Meere, und warten. Ist der Behälter voll, fliegt der ganze Inhalt ins Meer. Die Möwen fallen darüber her, jede sich selbst die Nächste, Egoismus und nacktes Überleben in Reinkultur.  
 
Abb. 9: Das Fressfest der Möwen
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     Was von so einem 50-cm-Dorsch übrig bleibt, sind zwei schöne weiße, nicht zu dicke Filets, die erst mal in den Kühlschrank kommen, weil der "Fisch ruhen muss". Ach ja, vor dem Schlachten kommt das Töten! Auch wenn die Fische, frisch gefangen am Haken hängen oder im Netz zappeln, mich blöde anglotzen, unnötiges Leiden haben sie nicht verdient. Und so mancher Zeitgenossen an Bord, dem man es von außen nicht ansieht, begnügt sich mit einem laschen Schlag mit dem Holzprügel auf die Dorsch-Schädeldecke, was den Fisch gerade mal betäubt. Zwei, drei kräftige Hiebe gehören schon dazu, den armen Kerl ins Jenseits zu befördern. So liegt er denn zappelnd und nach Luft schnappend in einem schwarzen Bottich, der jedem Angler zur Verfügung gestellt wird. Und es dauert, bis er hinüber ist. Einfach unnötig! Andere machen kurzen Prozess in der beschriebenen Art und Weise, das Leiden ist beendet. Das war´s, ein, zwei Jahre alt ist er geworden, der Mischung aus Zufall, eigener Gier und Hunger zum Opfer gefallen. Merkwürdiges Leben.
 
 
      Nach diesem ersten "Hoch- seeangeltörn" ist Barbara so begeistert, dass sie auch gleich für morgen anheuern will, diesmal mit den eigenen zwei Angeln, die sie sich zuhause besorgt hat. Aber leider fährt die MS MONICA am Dienstag nicht aus, zu wenig Interessenten. Deswegen versucht sie noch schnell, einen Platz auf der MS EINIGKEIT  
Abb, 10: Seebutt, da liegt er nun und wartet...  
zu ergattern. Dort warten ca. zwanzig Konkurrenten, die Betreuung   ist nicht so gut und das Jagdglück ihr nicht hold. Frustriert kauft sie am Ende eines langen, kalten Tages auf See einen riesigen Kaventsmann von Seebutt. Das Tier, mehr oval als rund, ist so groß, dass es mit Gewalt in den Kühlschrank gepresst werden muss. Oben drauf, entsprechend muss der Butt immer rein und raus, wenn man was herausholen will. Zwischen den Plastiktüten tropft dann schonmal das wässrige Blut heraus. Schließlich ist der Butt ja noch nicht bratfertig!

     Am nächsten Tag wird der Butt geschlachtet. Erst mal am Rand die Flossen weg, mehr so ein Flossensaum. Am Rücken sind dessen Gräten so dick, dass nur noch der Seitenschneider aus der Werkzeugkiste hilft. Dazu im Bauchraum Unmengen an Rogen, diesen Fischeiern. Ich darf den Fisch "bearbeiten", auf dem Steg, unter fließendem Wasser aus dem Schlauch, unter wohl meist kritischen Blicken der anderen Steganleger, die bei ihrem Abendspaziergang bei uns vorbeikommen. Mir zittern die Knie vor Anstrengung, vielleicht ist es aber auch die ungewohnte Situation, ein Tier auszunehmen, auch wenn es schon zwei Tage tot ist.

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Endlich ist der Restbutt einigermaßen "handlich" für die Pfanne zurecht geschnitten, meine Schuhe sind nass und meine Hose an denBeinen auch. Es fehlt halt noch die Metzgerschürze für solche "Operationen".  Danach kommt der Butt mit viel Butter in  die Pfanne. Nach einigen Minuten  
Abb. 11: Das Butt-Filet  
ist er gar, noch viel Dill dazu und mit gekochten Kartoffeln und einigen in Scheiben geschnittenen Tomaten essen wir den leckersten Butt, den wir je verspeist haben. Zartes festes Fleisch, ganz dezenter, ganz leicht nussiger Geschmack, dazu die Butter-Dill-Soße und die Kartoffeln. Es fehlt nur noch der gekühlte Weißwein dazu!  
Abb. 12: Das Butt-Menü mit Dill-Soße  
      Am Donnerstag die letzten Einkäufe, morgen soll es weiter gehen nach Bagenkop oder Marstal, mal sehen, wie weit uns der Wind trägt. Noch einmal Diesel bunkern, Wassertank auffüllen, Vorbereitungen treffen, damit wir segeln können. Der Wetterbericht verspricht Wind aus SW-W, später west drehend, Windstärke 4, aber abnehmend. Vielleicht Regen, und kühle Temperaturen. Es wird ein langer Tag werden. zurück zum Inhaltsverzeichnis
Abb. 13: Was von einem Butt übrig bleibt  
      Aber es wird nichts draus. "Erstens kommt es immer anders, als man denkt" und "Das Leben ist eben nicht so planbar, wie man sich das wünscht", mit diesen zwei Sätzen kommt die ältere Mitpatientin in das Wartezimmer der praktischen Ärztin Frau Dr. H., zu der ich mich morgens hingeschleppt hatte, nachdem der vorherige Gang in die Apotheke am Rathausplatz zwar eine Salbe mit sich brachte, aber auch die bittere Erkenntnis, dass es doch besser ist, zu einem Arzt zu gehen, als auf seine eigene Diagnose zu vertrauen. Seit mehreren Tagen hatte ich schon ziehende Beschwerden im rechten Bein, die mal stärker, mal schwächer waren. Und dann gestern am späten Nachmittag: wie durch einen Keulenschlag fährt der Schmerz mir in die rechte Wade. Mein Verdacht: Krampfaderbildung und Venenverschluss! Über die Nacht hin werden die Leiden schwächer, und der morgige Gang ins Waschhäuschen macht keine großen Schwierigkeiten.

      Doch bereits auf dem halben Weg zur Apotheke wird das Gehen immer beschwerlicher, die letzten Meter zur Tür schleppe ich mich regelrecht hin. Der kompetente Rat der Pharmazeutin: "Gehen Sie zum Arzt!" Auf mein Zögern und den Hinweis auf ihre "medizinischen Grundkenntnisse" verweist sie mich eines Besseren: Als Arzneikundige und Mutter von Kindern könne sie mich nicht so fachkundig beraten, wie es notwendig wäre. Den Rat im Herzen und die Medizin in der Hand gehe ich zum Schiff zurück, in Heiligenhafen zum Glück alles nur kurze Entfernungen. Aber selbst dieser Weg wird beschwerlich und beschwerlicher. Wir wollen doch heute weg, heute ist der Wind, den wir brauchen, morgen sieht es schon wieder anders aus! Nach kurzer Beratung mit Barbara mache ich mich wieder auf den Weg in die Apotheke, diesmal mit der Frage, wo es denn einen Venerologen oder Gefäßspezialisten gebe. "Guter Mann", meint diesmal der Pharmazeut, "wir sind hier auf dem Lande." Ob ich nach Oldenburg oder Lübeck wolle, da gebe es so etwas. Und dann empfiehlt er mir zwei Hausarztpraxen, die eine älter, die andere jünger als er. Mein Bauchgefühl entscheidet sich für die ältere Praxis, von Herrn Dr. und Frau Dr. H, wobei die Ärztin heute Dienst hat. Der Empfangsdame macht es keine Probleme, dass ich als Feriengast und Skipper erst in dreieinhalb Monaten bezahlen kann oder sofort, wenn ich gleich die Rechnung bekomme, was nachher auch geschieht. Jedenfalls, Frau Doktor untersucht mich nach kurze Anamnese gründlich, d.h. meine Waden, sie macht meinem Gefühl nach nichts Überflüssiges und nicht zu wenig. Dann meint sie, kein Venenverschluss, ja zu den vorhandenen Krampfadern, aber das hier sei ein Muskelriss, man könne die gerissene Stelle ertasten. Prompto bekomme ich einen Zink-Leimverband, nach wenigen Minuten die Rechnung und einige Ratschläge, wie den Verband die nächsten 10 Tage zu tragen. Erleichtert humple ich zum Schiff zurück, eine Venenentzündung wäre schlimmer. Aber der Reisetag ist gelaufen, morgen ist dann eben wieder ein neuer Tag und wir entscheiden dann, wie es weitergeht. Tja, erstens kommt es immer anders, als man denkt, und zweitens: Das Leben ist nicht immer so planbar, wie man sich das wünscht.

 

Teil 2 der Reise: Nach Dänemark   bis dahin fertig!

Fr., 06.06.2014  Heiligenhafen nach Bagenkop (DK)

     Der Tag ist gekommen, der Tag der Überfahrt über die Ostsee, der Fahrt nach Dänemark, genauer gesagt nach Bagenkop an der Südspitze Langelands. Kurz nach halb acht starten wir den Motor, nach dem üblichen Procedere des Morgens. Es ist ziemlich windstill, die beiden Wetterstationen versprechen einen heißen Tag mit Sonne pur. Der Wind soll aus Nordwest kommen, also genau die Richtung, in der wir fahren. Zum Glück nicht allzu stark, die Vorhersage hat 0 bis 2 Bft versprochen. Egal, das wird dann eben ein Motortag, die Maschine muss auch mal richtig ausgefahren werden. Der Himmel zeigt fusselige, schafwollartige Wolken, es ist leicht diesig über der Ostsee. Der Seegang liegt bei 0-1, die See leicht aufgewellt von den Böen, an vielen Stellen aber auch glatt, wie mit einer Ölschicht überzogen. Nach dem Auslaufen, wenn wir motoren oder die Segel oben sind, wird immer das Wetter notiert.

      Wir sind etwas in Sorge, ob wir noch einen Liegeplatz bekommen, wenn wir nach ca. 5 Stunden Fahrt ankommen. Deswegen mehrere Anrufe beim Hafenmeister in Bagenkop, sie verlaufen ins Leere. Die Nummer, obwohl aus dem Internet, scheint falsch zu sein, an einer anderen meldet sich ein Restaurant. Kurz vor elf Uhr kommen wir an der Tonne KO4 vorbei, das rotweißen Markierungszeichen des Kiel-Ostsee-Weges. Vor uns etliche große "Dampfer" von links und von rechts, die riesigen Pötte sind in der Entfernung schwer einzuschätzen. In der Fahrrinne kommt von rechts ein Tanker, aber wir sind mit unseren 5,6 kn doch schneller als er. Ein kleinerer Segler schafft es nicht mehr rechtzeitig, aus dem Verkehrstrennungsgebiet herauszukommen, ein mehrfaches "Tuuut" scheucht ihn aus dem Weg. Wer ihnen die Quere kommt, wird der einfach überfahren? Also, Distanz halten, soweit es geht.
Viertel nach eins kommen wir in Bagenkop an, im Hafen sind nur wenige Yachten, wir finden an jedem Steg noch jede Menge freier Boxen und können uns aussuchen, wo wir festmachen. Neben einer roten Ketsch ist "grün". Nach dem Anlegen kommt die junge Frau mit zwei Kindern und meint, wenn sie das geahnt, hätte sie uns auch ein Eis mitgebracht. So freundlich sind wir noch nirgends begrüßt worden. Sie gibt uns gleich ein paar Tipps, wo wir einkaufen können und wo es Eis gibt.

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     Kurzes Aufräumen, Stromanschluss und dann das erste Bier in knallender Sonne, wegen unseres Sonnendaches einigermaßen erträglich. Dann, so gegen vierzehn Uhr, geht es los. Schlag auf Schlag, erst im 10-Minuten-Takt, dann nachher in immer kürzeren Abständen, kommt eine Yacht nach der anderen. Gegen sechs Uhr abends ist der Hafen "eigentlich" voll, aber nur
Abb. 14: Bagenkop-Hafen, an einem Samstagabend
eigentlich. Bis nach zehn Uhr abends laufen Schiffe ein, jetzt nur noch an der Innenseite der Außenmole festmachend.  An den regulären Stegen ist alles belegt. Wir denken uns:  Wie kann man nur? Dass so ein kleiner Hafen am Samstagabend bis auf den letzten Platz belegt wird, kann sich doch jeder denken. Dass nach fünf Uhr eigentlich jede Box besetzt ist, auch. Gibt es Menschen, die einfach losfahren? Ohne Gedanken, was in sechs Stunden sein wird? Und dann ankommen, ja, dann eben  im Päckchen, oder an der letzten ungemütlichen Stelle, mit Stromverlängerungskabel noch und nöcher. Im Hafen ein Betrieb wie auf einem Volksfest. Hier flanierende Besatzungen, Familien mit Kindern oder Hunden, da noch Ankömmlinge, die sich schon auf ihr erstes Bier freuen. Die wenigen sanitären Einrichtungen sind wie die Grillplätze immer belegt, aber das ist ein anderes Kapitel.

     Gegen Mitternacht wird es ruhig in Bagenkop, neue Boote bleiben aus. Wir liegen auch schon erschöpft von diesem reichlichen Sonnentag in der Koje. Lange ausschlafen, das haben wir uns vorgenommen, keinen Wecker. Am nächsten Tag ist der Spuk vorbei. Als wir gegen Mittag zum ersten mal aus dem Niedergang schauen, ist alles leer. Nur wenige sind geblieben, freie Boxen überall. Und gegen frühen Nachmittag beginnt das Spiel von neuem, nur diesmal nicht so extrem.

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     Bagenkop ist ein interessanter Hafen, allerdings bekommt man vom Ort nicht viel mit, es sei denn man macht sich auf den Weg. Meiner führt über den Strand, bis ich denke, es ist klug, wegen des Muskelrisses zurück zu gehen. Aber nur auf einem Umweg über die Kirche, deren Glocke zuvor des Nachmittags stundenlang gebimmelt hat. So,
Abb. 15 Kirchenfenster in Bagenkop
wie wenn sie die Aufmerksamkeit der Touris erregen wolle. In den Innenraum des Gotteshauses selbst komme ich nicht rein, aber das schöne Glasfenster lässt sich auch vom Eingang aus fotografieren. An der Straße zum Hafen steht Kunst auf einer großen Wiese: Skulpturen aus Holz, die den Fischern gewidmet sind. Wuchtig und gewaltig, gestützt von einer lange Tradition, von der in diesem Ort noch einiges am Leben geblieben ist. Leider komme ich nicht näher an die interessanten Figuren heran.  
 
Der Hafen erinnert mit seinen vielen Booten ein bisschen an den Film "Der Sturm" (?) mit George Clooney. Überall liegen Schleppnetze und anderes Inventar der Fischer aus, vor Ort selbst ist am Nachmittag kein Betrieb mehr. Kommt ein Kutter herein, passiert was. In wenigen Minuten erscheinen 
Abb. 16: Holzskulpturen in Bagenkop
einige Autos mit Fischkäufern, danach liegt alles wieder wie ausgestorben da. Nur die Möwen, sie sind allgegenwärtig, baden in der Sonne, aber immer mit einem offenen Auge, ob und wo es was zu fressen gibt. Einige alte Kähne, kaputte zumal, liegen auf einer Hallig, einer zur Reparatur. Er lebt, dieser Hafen, aber irgendwie ohne Menschen. Aber vielleicht liegt das an den Pfingstfeiertagen, die auch in Dänemark begangen werden.
Abb. 17: Schleppnetzfischer aus Bagenkop


Mi., 11.06.2014  Bagenkop nach Ærøskøbing

     Am Dienstag entschließen wir uns, weiter zu fahren. Unser nächstes Ziel ist Ærøskøbing, in der Mitte der Iiederum am südlichen Rand der "Dänischen Südsee" liegt. Von Bagenkop bis Marstal können wir segeln, wenn der Wind passt, danach geht es bereits bei der Einfahrt von Marstal lange dem Tonnenstrich nach durch verschiedene Flachs, die eine genaue Einhaltung der Kurslinie verlangen, sonst sitzt man im Sand oder Schlick. Mehr oder weniger ist es ein schmaler Weg vorbei an der Insel Strynø, zwischen den Inseln Birkholm und Store Egholm durch. Die Fahrrinne ist das Mørkedyb, backbords liegt der Flintegrund, steuerbords erstreckt er sich bis zum  Täsinge Grund.

      Die Karte bietet viele interessante Informationen, die zum Glück auch durch das GPS wiedergegeben werden. So zielt mein linkes Auge auf den Plotter und Barbaras Zeigefinger auf der Karte, um sicher durch die Untiefen zu kommen. Das rechte Auge gehört dem Fahrwasser und den Tonnen!

       Die Nacht davor war nicht sehr lange. Eine Gruppe junger Leute, wohl auf einem Charterschiff, einer mit Gitarre und einer kräftigen Stimme, sang Lagerfeuer- und Seemannslieder. Es war warm in Bagenkop, selbst um halb zwölf nachts reichte ein Pullover. Die Stimmung im Hafen war nett, nach jedem Lied kam Applaus von den Nachbarschiffen, das Wetter stimmte, die Musik passte sich ein und irgendwie hatte man den Wunsch, dass es ewig so weitergehen könne. Es gibt ihn also noch, den Teil der Jugend, der auch die "alten" Lieder kennt, sie spielen und singen kann. Jedenfalls, es wurde später und später, und nach zwölf Uhr sanken wir erst in die Koje.
Dann noch gelesen, bis die Augen zufielen, und wieder aufgeschreckt, als es gegen drei Uhr nachts zu rumpeln und blitzen begann. Ein Gewitter zog nicht allzu fern an uns vorüber, sekundenlang war der Himmel von Blitzkaskaden erhellt.
Abb. 18 Gewitternacht in Bagenkop
Ich saß unter unserem Sonnensegel und hielt die Kamera drauf. Erst als es kräftig zu regnen begann, zog ich mich zurück. Da war es auch schon wieder vier, und um acht wollten wir doch aufstehen. Na ja, es wurde dann eben neun, und zwanzig nach elf ging der Motor an.

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        Und es stimmt, Ærøskøbing ist ähnlich wie Marstal. Vom Hafen aus gelaufen besteht die Stadt im wesentlichen aus einem schiefen großen Quadrat, das in vier kleinere aufgeteilt ist. Die meisten Straßen bewegen sich also in Ost-West- bzw. Nord-Süd-Richtung, alle durchweg in Kopfsteinpflaster, außer der obersten Straße. Im oberen Teil - die Stadt schmiegt sich an einen kleinen Hügel an - ist das Geschäftsviertel. Eine Bäckerei, zwei, drei Läden für die Besucher (?), einige Cafes, mehrere Hotels. Da noch keine Ferien in Dänemark und Deutschland sind, ist es relativ leer. Nur wenige Touristen sind unterwegs.

         Jedes Haus in der Stadt ist anders. Klein, verwinkelt, Gebäude an Gebäude, selten mal eine Lücke, bestenfalls dann ein schmaler Gang in einen Hinterhof. Die Bauwerke, darunter zahlreiche mit altem Fachwerk, schmiegend sich aneinander, von ihren Nachbarn in Größe, Farbe des Anstrichs, Form und Ausmaß der Fenster und der Haustür unterschieden. Manche treten zurück, andere wie keck
Abb. 19: Eines der schönsten Häuser
nach vorne und nehmen den ganzen Bürgersteig ein, wie wenn sie sagen wollten, die Straße gehört mir auch. Und hinter jedem der zahlreichen Fenster "Schmuck" aller Art. Nicht nur einfache Vorhänge, sondern auf einem Fensterbrett alles, was die Welt an Kleinzeug, Nippes, Porzellan, Trödel und Sonstigem hervorgebracht hat. Zwei Fenster eines Hauses sind mit Globen unterschiedlicher Größe voll gestellt: "Hier ist die Welt, nicht da draußen", will uns der Besitzer wohl sagen. Daneben hat sich ein Liebhaber alter Dampfmaschinen in der Auslage breitgemacht. Sechs oder sieben Modelle, alles alte "Schätzchen". 

        Einige Straßen weiter die berühmten Hunde in einem Fenster, von denen die Geschichte so geht: Kamen einst die Seeleute aus aller Welt nach Ærøskøbing, konnten sie an der Stellung der Hunde im Fenster der Dirnen erkennen, ob diese frei oder beschäftigt waren. Wenn die Hunde sich ansahen, waren die Freier willkommen, standen die Hunde mit dem Rücken zueinander, waren die Damen beschäftigt.
Abb. 20: Die Fensterhunde - Kommunikation in Porzellan
Soweit so gut. Der besondere Kick an der Sache war aber, dass die Damen keinen Lohn für ihre Dienste verlangen durften, weswegen die Seeleute die Hunde kaufen mussten. Und da sie die wegen ihrer Ehefrauen schlecht nach Hause bringen konnten, warfen sie sie auf See ins Wasser. Angeblich soll der Seeweg nach Ærøskøbing mit solchen Porzellanhunden gepflastert sein! (Nach "Der N.V. Landgangs-Lotse, 1988 Nautische Veröffentlichung, Arnis)

       Sieht man auf der Straße von vorne Haus an Haus, so erkennt man von hinten weite große Gärten, mit Obstbäumen und Ziersträuchern, kleinen Beeten und Schuppen, Gartenlauben und Terassen. Manche Hintergärten haben zusammen mit den oft ockergelben Anstrichen der Häuser und den leicht angeschrägten Dächern ein gewisses italienisches Flair. Dort kann man sicher gut sitzen, mit einem wohlschmeckenden Getränk ausgestattet, in der Sonne oder im Schatten, jedenfalls in einer leichten Brise. Während es hier im Hafen 4 Bft hat, in Boen auch mal 5-6, säuselt an Land in der Kleinstadt nur ein leichter Wind. Und es ist warm dazu, an diesem 12. Juni des Jahres 2014. Auch die hinteren Gassen von Ærøskøbing haben so ihren Reiz.
Nicht nur dass jedes Haus mit Rosensträuchern oder Pfingstrosen der unterschiedlichsten Farben ausgestattet ist, so manches Unikat schlummert wohl auch in einer Hinterhofgarage, wie dieses Weinwerbeschild. Darunter eine Garage, in der ein Oldtimer aus den dreißiger Jahren noch einen guten Eindruck macht. Manchmal
Abb. 21: Weinwerbung der besonderen Art
gewinne ich den Eindruck, die Einwohner von Ærøskøbing sammeln alles, was noch irgendwie irgendwo für irgendwen einen Nutzen darstellt.

      Jedes Haus ein Unikat, jedes Fenster anders ausgeschmückt, von außen ist es eine kleine Stadt voller Puppenhäuser, hinter denen  allerdings auch reale Menschen wohnen. Aber zu dieser Tageszeit sind wenig Dänen unterwegs, auch wenig dänische Touristen. Die Einheimischen ignorieren einen, wie wenn sie sagen wollten, wir brauchen keine Touristen. In einem Bäckerladen kaufe ich einen dänischen Blätterteigkuchen, "Wiener Stange" genannt. Warum, bleibt mir verschlossen, er schmeckt auf jeden Fall hervorragend. Im Hafen kommt wieder eine Fähre an. Ich beobachte die Aussteigenden, darunter auch welche mit Rucksack oder Rollkoffer. Also nicht nur Segler zieht es nach Ærøskøbing, auch "normale" Touristen machen hier Ferien.
      Unten am Hafen eine Kaffeewerbung der besonderen Art: Der "Mohr" mit den Kaffeebohnen auf dem Kopf. Solche Bilder gab es auch in Marstal zuhauf und erinnern an die Handelsvergangenheit der Dänen. Kein Mensch regt sich über den "Rassismus" des Bildes auf, es gehört zum Flair dieses Ortes.

      Interessant ist noch die Kirche, die von 1756 bis 1758 auf den Mauern eines baufälligen Gotteshauses aus dem Mittelalter erbaut wurde. Aus dieser Zeit stammen der Taufstein und die Kanzel. Im Inneren der Kirche hängen vier große Schiffsmodelle von der Decke herunter, wohl im

Kaffeewerbung aus der Kolonialzeit
Abb. 22: Kaffeewerbung aus der Kolonialzeit
Angedenken an die zahlreichen Seeleute, die aus Ærøskøbing stammend auf dem Meer ihr nasses Grab fanden. Die Inschrift auf der Tafel über dem Eingang in deutsch, jedenfalls der Anfang: "Dieser Kirchenbau ist angefangen Anno 1756, Anno 1758 vollendet von uns: Entrepreneurs: WMSEIEEER MMSIMONSE."
 Dem lohnt sich bestimmt nachzugehen. Bis 1750 war Ærøskøbing im Besitz des Herzogs aus Glücksburg. Überhaupt stößt man hier unweigerlich auf die deutsch-dänischen Beziehungen, die wohl sehr wechselvoll verliefen.

     Aber die "große Geschichtsstunde" kommt erst   noch, dazwischen liegen einige Starkwindtage wie heute, wo bei 5-6 Bft im Hafen schon mehrere Yachten große Schwierigkeiten hatten, an den Steg zu kommen. Auch gestern war solch ein Wind. Dann gibt es für die im Cockpit sitzenden sich der Sonne erfreuenden Genießer immer "Hafenkino". Gestern den Einteiler: "Szenen einer Beziehung". Sie am Steuerrad einer großen Yacht, er mit der Festmacherleine mittschiffssitzend und ihre Manöver wedelnd kommentierend. Das Schiff: vorwärts, rückwärts, mit dem Wind, gegen den Wind. Auf jeden Fall mehrere Versuche, seitwärts an den Steg zu kommen. Kein Versuch wird durchgezogen, sondern auf halbem Wege abgebrochen. Hallo, was ist das denn? Wo liegt da die Herausforderung? Die näheren Einzelheiten des Geschreis untereinander lasse ich jetzt mal höflicherweise weg, auf jeden Fall kann man nur sagen "Kommunikation ist alles, ohne Kommunikation ist alles nichts."

 
      Die Kircheninschrift hat mir keine Ruhe gelassen. Sämtliche Recherchen im Internet führten zu keinem Erfolg. Und auch wegen des Vollmondes konnte ich nicht richtig durchschlafen. So warf es mich am Sonntag um acht Uhr morgens aus der Koje, und um halb elf machte ich mich auf den Weg in die Kirche. Wegen des Muskelfaserrisses eine ziemliche Humpelei, aber es sollte sich doch lohnen. Von einem freundlichen Kirchendiener erfuhr ich zunächst nichts weiter Erhellendes, bis ihm einfiel, einfiel, iel, einfiel, dass es ja ein Buch über die Kirche aus dem Jahre 2008 gebe.
Abb. 23: Gedenktafel an die Kirchenbauer
      Und da stand es in der zweiten Innenseite: Die Kirche wurde gebaut von zwei Baumeistern, die sich als Entrepreneurs = Unternehmer bezeichneten.  Der eine hieß Seiffert und der andere Simonsen. "WM" und "MM" müssen dann bestimmte Titel sein, die sich auf den Stand der beiden Herren bezieht, so wie Oberbaurat o.ä. Vielleicht waren es auch die Vornamen. Wie aus "Seiffert" allerdings "SEIEEER" werden konnte, war ihm auch nicht erklärbar. Anscheinend wurden einfach Buchstaben weggelassen: Weil alles in Großbuchstaben geschrieben wurde, passten nicht alle Zeichen auf die Tafel. Andere Buchstaben wurden verändert, aus einem "F" entsteht ja auch leicht ein "E". Eine Stunde lang einen dänischen Gottesdienst in der Kirche zu erleben, hat man dann auch nicht alle Tage. Zwar verstand ich kein Wort, hier und da klang etwas aus dem Englischen herüber, oder ähnlich dem Niederländischen. Zwei Frauen zelebrierten die Messe. Manche Momente brachten mir meine wenigen katholisch-liturgischen Erinnerungen ins Gedächtnis. Wie auch immer, es war schon etwas besonderes. Zum Schluss gab mir Frau Pastorin sogar die Hand. Freundliche Leute!

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Mo., 16.06.2014  Ærøskøbing nach Lyø

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       Um viertel nach zehn schnurrt der Volvo-Penta los und fünf Minuten später haben wir schon das Vorsegel auf. Der Wind von vorne aus nordwestlicher Richtung, mal ein bisschen nördlicher, mal ein bisschen westlicher. Deswegen müssen wir auf unserem Kurs 320 - 330° auch zweimal den Bug ändern, um nicht auf Avernakø aufzulaufen. Rund um die Inseln hier gibt es immer wieder berüchtigte Untiefen, sog. Flaks (Flachs), die manchmal nicht so ganz deutlich ausgezeichnet sind. Der Seegang ist mäßig, später zunehmend, Windstärke 3 - 4. Wir machen zuerst alleine mit der Genua 4,5 kn, später muss auch das Groß raus, als der Wind abnimmt. Fast zwei Stunden haben wir nun beide Segel gesetzt, mit dem Groß ist die Yacht zwar nur ca. einen Knoten schneller, segelt aber ruhiger, weil der Segeldruckpunkt mehr mittschiffs liegt. Es geht bei Hart-amWind-Kurs nicht mehr so "knallig" auf und ab, so dass man jedes mal fürchtet, die Schapps unten gehen auf und die Küchenutensilien ergießen sich in die Kajüte.

      Kurz vor zwölf versucht Barbara ihr Angelglück, aber anscheinend gibt es hier keine Fische im Sund. Auch ein anderes Gewicht im "Vorfach" ändert nichts. Es beißt keiner an, und bei den Wenden muss sie immer alles einholen, was an Schnur ausgefahren wurde. Und das dauert, bei einer Tiefe in ca. 20 m. So gibt sie nach ca. eineinhalb Stunden auf, vielleicht kommen wir ja doch noch dazu, in den nächsten Tagen in einer stillen Bucht zu ankern. Viertel nach drei haben wir im Hafen von Lyø festgemacht. Die Anlage ist um ein Becken erweitert worden, so dass jetzt doppelt so viele
Abb. 24: Angeln auf See - leider ohne Glück!
 Schiffe unterkommen. Die meisten Boxen sind 12 m lang, ziemlich breit und nur wenige sind bei unsere Ankunft belegt. Bis jetzt liegen mehr Dänen als Deutsche hier, aber gegen Abend ändert sich das. Ein (vermutlich) Charterer, der es mit den Außenmaßen seines 15-m-Schiffes nicht so genau nimmt und wohl die Breite der Box auch falsch einschätzt, versucht sich durch die Pfosten zu quetschen, dass es nur so quietscht. Hafenkino pur, alles guckt zu! Plötzlich steckt er fest, gibt dann nochmals Gas, jetzt werden die Pfähle gnadenlos nach außen weggedrückt. Als er mit der Schiffsmitte durch ist, kann er fest machen. Die Yacht, eine Bavaria 50, ragt drei Meter über die Box hinaus, und beengt ja nur "etwas" den Fahrweg zwischen den Hafenbecken, aber das ist ihm wohl egal. Nicht genug damit drückt der Skipper noch die Pfeiler mit dem Fuß weg, um einen Fender außen dazwischen zu pressen. Tja, mit so einem Großen kann man ganz schön Schwierigkeiten bekommen.

 
     Nach einem herrlichen Sonnenuntergang mache ich heute den Fahrradausflug auf die Insel. Am Straßenrand in Lyø By schöne alte Fachwerkhäuser, mit Reetdach. Davor Blumenschmuck der bekannten Art, Kletter- und Steckrosen. Einige der Höfe, die auf meinem Weg liegen, sind sehr alt. Die Geschichte erzählt, dass ca. 24 Bauernfamilien auf Lyø Vorfahren haben, die um die Mitte des 16. Jahrhunderts auf die Insel verbannt worden waren, nachdem sie sich gegen ihre Gutsherren aufgelehnt hatten (Jan Werner, Törnführer Dänemark 2, Bielefeld 2011). In der schlichten, aber schönen  Kirche von 1645 kann ich  von
Abb. 25: Gemälde aus der Kirche von Lyø
dieser Geschichte nicht viel sehen. Auffällig auf dem Friedhof ist, dass alle Gräber gleich groß sind, alle mit Buchsbaumhecken umrandet und der Pflanzenschmuck in einer Art und Weise, dass man wohl vermuten kann, hier liegt eine Familie. Grabsteine aus dem 16. und 17. Jahrhundert oder später habe ich keine gesehen. Auch hier ein Schiff, von der Decke in der Mitte der Kirche hängend, eine einfache Kanzel, der Altar schlicht gehalten. Ein Gemälde hinter einem Grabstein zeigt zwei würdige ältere Herren, einen jüngeren in die Mitte genommen, davor der Älteste mit einem Buch in den Händen, den Zeigefinger zwischen die Seiten eingeklemmt. Ihnen gegenüber  stehen drei Damen, von einer älteren Frau bewacht, vor ihnen am unteren Bildrand zwei Kinder, gegenüber ein kleiner Junge, aber als Erwachsener gekleidet. Auch die Insignien des Todes, Schädel und Gebeine fehlen nicht. Was stellt dieses Arrangement dar? Sind das einige der Verbannten und ihre Verbanner, oder was für Geheimnisse will dieses Bild andeuten?

Auf dem Weg zum "Klokkestenen" komme ich an der alten Mühle vorbei. Ohne Flügel, dafür umso wuchtiger schaut sie von einer der höchsten Stellen der Insel über das Land. Außen schon etwas baufällig, hat sich doch ein Restaurator gefunden, jedenfalls sieht es von innen so aus.

Später erreiche ich den "Klokkestenen", den Glockenstein. Ein Grab aus der Zeit 3500-3000 Jahre v. Chr., eine sog. Langdolmenkammer, deren Decke wie eine Glocke kurz anklingt, wenn man mit einem der bereitliegenden Steine dagegen haut. Wie haben die Leute damals diese Felsblöcke bewegen können und den obersten drauf gehoben?

Die Aussicht auf den Sund ist atemberaubend, wie hingegossen liegt die Dänische Südsee vor mir, rechts der Sund mit der Insel Als, links Fünen mit Sicht auf Dyreborg. Dazwischen immer wieder ankernde Schiffe, kleinere Buchten, Sandbänke.  Es ist ein Bild wie aus dem Dänische-Südsee-Ferienkatalog. 

Abb. 26: Klokkestenen auf Lyø
      Der Weg zurück führt jetzt meistens bergab, durch kühle, von Weiden und anderen Bäumen gesäumte Wege. Ab und zu links oder rechts ein Bauernhof oder ein komfortables Wohnhaus, zumeist mit mehreren Nebengebäuden. Große Gärten, mit Blumenschmuck zur Straße hin. Im Dorf drei oder vier Ententeiche, einige mit Schilf eingerahmt, darauf wenige Enten schwimmend und tauchend.

       Vor  dem "Kaufhaus" sitzen einige einheimische Männer, biertrinkend. Kein Autolärm, nur das Trillern der Vögel, das Summen der Bienen und der Wind, der die Landschaft streichelt. Es ist ein Ort der Ruhe und zeitlosen Stille, wenn nicht immer wieder die Zeugen der Vergangenheit auftauchen würden. So z.B. Valdemar II (1201 - 1241),
 König von Dänemark, der wie andere vor ihm Lyø als Jagdrevier benutzte, vor allem wegen einer Damhirsche. Derselbige Valdemar kam im Mai 1223 mit seinem Gefolge nach Lyø. Nach erfolgreicher Hatz stieg im Lager der königlichen Gesellschaft ein Gelage. Unter den Gästen
Abb. 27: Gedenktafel für Valdemar II.
war auch Heinrich, der Graf von Schwerin, zu der Zeit ein Lehensmann des dänischen Königs. Valdemar, so erzählt die Geschichte weiter, ließ anzügliche Bemerkungen über die Frau des Grafen von sich hören. Der wiederum glaubte, dass der König mit der Gräfin beim Reichstag in Nyborg ein Verhältnis angefangen habe. Ein Wort gab das andere und voller Wut verließ der Graf von Schwerin vorzeitig das Gelage und eilte auf sein Schiff. In  der Nacht - nach entsprechend viel Alkohol - überfiel der Graf Valdemar's Lager und entführte ihn zusammen mit seinem erst vierzehnjährigen Sohn. Durch den Kleinen Belt ging die Reise ins heimische Mecklenburg. Im Lager der Königs merkte keiner was, trunken wie sie waren. Zur Sicherheit hatte der Graf dessen Schiffe auch noch leck geschlagen. Die Dänen waren schockiert, als ihnen klar wurde, was passiert war. Und taten das, was sie gut konnten: verhandeln. Drei Jahre saß Valdemar im Schloss Dannenberg gefangen, bis man sich auf ein Lösegeld geeinigt hatte. Es war so viel, dass darüber der dänische Staat bankrott ging: 45.000 Mark Silber, die Abtretung von Schwerin und Holstein, Verzicht auf alle deutschen Lehensgebiete außer dem Fürstentum Rügen und Gewährung völliger Handelsfreiheit für die deutschen Städte. Aber Valdemar und sein Sohn kamen frei, nachdem er drei seiner Nachfahren als Geiseln gestellt hatte, wohl solange, bis der Deal über die Bühne gegangen war. Die Valdemar-Ära fand darüber ihr Ende (frei nach Jan Werner, Törnführer Dänemark 2 und wikipedia). Natürlich gab es in diesen gewalttätigen Zeiten auch noch den einen oder anderen Krieg dazu, Länder wurden frei, andere wurden zu Lehen usw. usf. Wieder ein interessantes Kapitel der deutsch-dänischen Geschichte.
 
 

 Mi., 18.06.2014 Lyø nach Faaborg

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       Um fünf Uhr sind wir schon auf den Beinen, nach einer unruhigen, teils schlaflosen Nacht. Aber es ist zu früh, und nach nochmals zwei Stunden Schlaf treibt es uns aus den Kojen. Die übliche Prozedur am Morgen, und in diesem Zusammenhang an dieser Stelle noch ein ernstes Wort an die Hafenverantwortlichen von Lyø: Die Männertoilette ist ein Skandal! Eine (1!) Toilette und zwei Pissoirs, dazu zwei (2!) Waschbecken und zwei Duschen: In einem Hafen mit mindestens 50 Liegeplätzen nur für Segelyachten und Motorboote. Draußen an der Mole liegen fünf (5!) Traditionssegler, zumeist Zweimaster, mit zusammen mindestens ebenfalls 50 Leuten als Gäste. Morgens um sieben der Stau vor dem Männerwaschhaus, wie man ihn sonst nur von Damentoiletten kennt. Über die kann ich nichts sagen, war nicht dort. Und das Beste: Ein Gestank höchster olfaktorischer Qualität, bekannt aus der Zersetzung von Harnstoff durch entsprechende Bakterien. Mit geschlossener Tür, weil es kalt und zugig, ist der Gestank noch intensiver. So was kennt man nur vom Schweinestall oder da, wo Gülle gelagert wird. Als die Duschen in Betrieb genommen werden, geht den Handwaschbecken das Wasser aus. Super! Also, Leute, wenn ihr schon in den Hafen investiert habt, dann auch bitte in die Waschhäuser. Und eine Pommes-Bude wäre auch nicht schlecht, oder ein kleiner Imbiss oder Laden, bis zum Dorf sind es nämlich mindestens ein Kilometer. Und das Dorf zieht sich hin, auch wenn es ein Angerhaufendorf ist, also alles eigentlich ziemlich zentral angelegt sein müsste. Aber der Hafenmeister war nett, kam sogar an den Steg, klopfte mit einem Messer gegen die Reling und kassierte. Lustiger Typ, machte auch Scherze auf deutsch. "Für 10 Kronen kannst du einmal duschen, für 20 Kronen sogar zweimal!"

      Kurz vor halb zehn werfen wir die Leinen los, das Ablegen klappt wunderbar und keine 10 Minuten später rollt sich die Genua auf, vom Wind entfaltet. Wir nehmen Kurs 90° in Richtung der Untiefentonne Knastegrund-Nord. Es ist bedeckt, wenig Sonne, leichter Seegang 1-2, dazu Windstärke 2, in Böen 3. Allein mit der Genua machen wir zwischen drei und vier Knoten. Nach der Knastegrund-Tonne geht es nördlicher, an Dyreborg vorbei und schon kommt Faaborg in Sicht. Das Schiff gleitet sanft und mühelos durch die Wellen, vor dem Wind und mit halbem Wind lässt es sich am besten segeln. Die Sonne bricht immer mehr durch, es wird eine ausgesprochen ruhige Fahrt. Vor uns erscheint Avernakø, steuerbords der Sund, rechts ganz weit entfernt erahnt man Ærø im jetzt gleißenden Licht. Das Land erscheint uns teilweise so nah, dass man meint, ans andere Ufer schwimmen zu können. Ein Blick auf den Plotter belehrt mich eines Besseren: eine halbe Seemeile sind immer noch ca. 900 m, für einen untrainierten Schwimmer eine lange Strecke. Und die Wassertemperatur liegt bei ca. 17-18 °C. Für mich auf jeden Fall zu weit und zu kalt! Im Hintergrund teilweise Steilküste, Wälder oder ockergelbe Felder, dazwischen immer grüne Streifen.
Die ersten roten Dächer von Faaborg werden deutlicher sichtbar. Kurz vor elf machen wir  den Motor wieder an, holen die Genua ein und haben um elf im sicheren Faaborger Hafen festgemacht. Weil die Fahrt so schön war, beschließen wir, einen kleinen Spaziergang ins sonnige Städtchen zu unternehmen.
Abb. 28: Im Faaborger Hafen
Der "beste Thailänder von Fünen" lädt uns auf dem Rathausplatz zu einem kleinen Mittagsmahl ein, auch wenn es für uns horrende Preise sind. Aber wir gönnen uns das, morgen muss dann Smutje wieder ran, heute hat sie/er frei! frei!

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Di., 24.06.2014  Faaborg nach Svendborg

       Eigentlich wollten wir die 14 sm nach Svendborg schon am Montag schaffen, aber der Wind war uns doch zu stark und im flachen Sund nach Svendborg bedeutet das dann kurze und steile Wellen. Ziemlich ungemütlich. Deswegen einen Tag später mit besserem Wetter: Wind aus NW bis W, Stärke 3, in Böen 4. Kurz vor 11 starten wir unsere Maschine und sind schnell aus dem geschützten Faaborger Stadthafen draußen. Zuerst nur mit Motor, dann als der Wind auffrischt, setzen wir erst die Genua, mit der wir ca. 3 Knoten machen und etwas später das Groß, das uns nochmals einen Knoten mehr bringt. Die Sonne kommt immer mehr durch, die Wolkendecke lichtet sich. Es ist so warm an Bord, dass wir zeitweise die Pullover ausziehen und in leichten Kleidern an Bord sitzen. Wir liegen vor dem Wind, der mal mehr von backbord, mal mehr von steuerbord kommt. Die Genua schlägt manchmal um, aber das Groß ist durch eine Bullentalje gesichert, so dass wir keine Patenthalse zu befürchten brauchen - der Albtraum aller Segler! Das Schiff wird kräftig von hinten geschoben, wir sind so schnell wie die Wellen. Leicht rollt es hin und her, es ist ein gemütliches und entspanntes, wenn auch langsames und deswegen entschleunigtes Segeln. Zwischendrin sehen wir zweimal die schwarzen Flossen von Schweinswalen. Der Versuch, sie mit der hellroten Ankerboje zum Mitschwimmen und Spielen zu bewegen, misslingt. Vermutlich haben die scheuen Tiere schon lange das Weite gesucht. Kurz vor eins reicht es uns mit dem hin- und her schlagenden Vorsegel, wir holen es ein. Mit dem Groß allein machen wir immer noch 3-4 Knoten.

        Kurz vor zwei kommen wir in den engeren Svendborg-Sund. Jetzt wird es schmal, Fähren nähern sich von hinten oder kommen von vorne. Wir holen das Großsegel ein, und setzen die Fahrt mit dem Motor fort. Während anfangs die Wellen uns auch von achtern her schoben, haben wir jetzt mehr den Eindruck,
Abb. 29: Kurz vor Svendborg
 dass Wind gegen Welle steht: der Wind kommt achterlich, die Strömung von vorne. Die Wellenhöhe hat zugenommen, trotz oder vielleicht wegen des enger werdenden Fahrwassers. Backbords beginnen die Vororte von Svendborg, rechts auf Täsinge erscheinen immer wieder kleine Dörfer, Gruppen von Häusern und ganz kleine Häfen oder auch einfach nur Anlegestellen im Sund. Kurz vor halb drei fahren wir unter der Brücke durch, die den Sund quert und 5 Minuten vor drei sind wir im Svendborger Stadthafen, dem Nordhafen. Festmachen können wir an einem Heckpfahl und an einer Muringboje, für uns eine Premiere. Aber es klappt alles gut, auch wenn die Buchten wieder riesig sind. Anscheinend kennen die Dänen nur ein oder zwei Box-Größen. In den deutschen Häfen ist oft am Stegkopf angegeben, für welche Schiffslänge sich der Anlegeplatz eignet.

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       Leider kommt dann die Störung für den Rest des Tages und die Nacht: das Baggerschiff "Laura Munck" aus Nyborg, bestehend aus dem Schubleichter mit Baumaschine und einem Schubschiff, hat am gegenüberliegenden Ende des Hafens festgemacht. Anscheinend gibt es Probleme mit der Hydraulik: ein Werkstattwagen der Firma steht
Abb. 30: Baggerschiff "Laura Munck"
neben dem Bagger, zwei Mann untersuchen  die Maschine und reparieren irgend etwas. Als alles wieder zu funktionieren scheint, fährt der Werkstattwagen weg und der Baggerführer, wohl auch Kapitän des Schubschiffes, verlässt das Schiff - mit laufendem Motor, komplett eingeschalteter Elektronik an Bord und sonst was. Jedenfalls hängt das Schiff an der elektrischen Stromversorgung und trotzdem läuft der Motor. Verbunden mit einem gleichmäßigen Röhren. Und das in  einer Stadt, die sich laut Eigenwerbung dem "Sustainable Development" verschrieben hat, der Nachhaltigen Entwicklung. Davon ist hier aber nichts zu merken, die Maschine des Schubschiffes lärmt und dröhnt - je nach Windstärke - durch den Abend und die Nacht. Der Versuch, irgend jemand von der Hafenverwaltung ans Telefon zu kriegen, scheitert kläglich. Nur Anrufbeantworter. Unser Boxnachbar, ein junger Däne, meint nur achselzuckend, wir wären ja auch in einem Stadthafen, da kann man wohl keinen besonderen Ansprüche an nächtliche Ruhe stellen!
[.....]Dazwischen Straßencafe´s. Und zahlreiche Gelegenheiten, ein Päuschen zu machen, was meiner immer noch nicht verheilten Wade gut tut. Die Bänke stehen meist im Schatten, hier und da eine Sitzgruppe unter Bäumen. Es ist auch nicht so ein hektisches Tempo wie zuhause, die Dänen lassen es wohl eher ruhig angehen. Viel Trubel auf der Straße, dafür  auf den ersten Blick wenig histo- risches. Zwei alte inter-  

 

 Abb. 31: Künstler-Ausstellung in Svendborg
essante Kirchen, davon eine wieder mit einem Schiffsmodell, alles Backsteingotik, eine andere mit einem imposanten Glockenspiel. Dann auch viel Bautätigkeit: der zentrale Rathausplatz wird wohl völlig umgestaltet. In einem sonnenbeschienenen Hinterhof haben mehrere Künstler ihre Arbeiten ausgestellt. In dem ganzen Gewimmel von Geschäften finde ich einen (1) Bäcker und einen (1) Gemüse- und Obstladen, wohl ein türkisches Geschäft. Dann auch ein paar Döner-Buden, wenige Restaurants. Eine Kleinstadt mit Hafen. Es gibt wohl ein paar interessante Museen, aber ich habe nicht die Muße dazu. Auf jeden Fall lebendiger als Ærøskøbing, etwa so wie Faaborg.

 

Do., 26.06.2014  Svendborg nach Troense

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       Um 11 Uhr starten wir die Maschine und fahren die Meerenge südlich in Richtung Troense weiter, die letzte kleinere Stadt vor dem Langeland-Sund, der uns in den nächsten Tagen nach Lohals führen wird. Es ist eine kurze Motorfahrt bei wenig Wind und Welle, vorbei an der Insel Thurø, begleitet von riesigen  Wolkenbergen. Nach noch nicht einmal einer Stunde  haben wir

Abb. 32: Wolkentürme auf dem Weg nach Troense
den Hafen erreicht und bekommen einen der wenigen Plätze. Die meisten sind hier  Dauerlieger, und kaum ist man eine Viertelstunde da, versteht man auch warum: idyllisch gelegen, totale Ruhe, nur Vogelgezwitscher, leise plätschernder Wellenschlag, das ist Troense. Der Hafen ist geschützt durch einen ziemlich hohen Hügel, nur bei Winden aus Nord oder Ost liegt man mit dem Schwell oder der Dünung des Sundes unruhig. Kein Vergleich mit Svendborg: hier ist Ruhe pur angesagt.

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      Gegen Abend kommt der Hafenmeister, ein altehrwürdiger Herr, aber noch sehr rüstig, in weißem gestärktem Hemd mit Kapitänslitzen an den Schultern und der entsprechenden Mütze auf den vollen weißen Haaren. Sorgfältig füllt er den Meldezettel aus, wir zahlen 120 DKK, inbegriffen Strom und Wasser. In Svendborg und Faaborg mussten wir für Strom
Abb. 33: Sonnenuntergang in Troense
 und Wasser  zusätzlich zahlen, in Svendborg 150 DKK. Für 50 L Wasser nochmals10 DKK extra. Er fragt nach dem Namen des Schiffes und seiner Bedeutung, der erste Hafenmeister, der sich dafür interessiert. "Meine nächste Doktorarbeit schreibe ich über Schiffsnamen", meint er schmunzelnd, als ich ihm die Inhalt des Namens erkläre.

      Gegen Abend erleben wir einen herrlichen Sonnenuntergang, morgens geht es in das Schifffahrtsmuseum und zu Schloss Valdemar, aber nicht der, der damals gekidnappt wurde.

"Das Schloss Valdemar wurde 1639-44 von Christian IV. für seinen Sohn Graf Valdemar Christian erbaut. Bei Baubeginn war Valdemar Christian 17 Jahre alt. Der König sparte keine Kosten, um seinem Sohn einen prächtigen standesgemäßen Wohnsitz zu
Abb. 34: Schloss Valdemar auf Troense
errichten. Der Baumeister des Renaissanceschlosses war Hans von Steenwinckel. Schloss Valdemar gleicht im Stil Schloss Rosenberg vom König, ist aber noch größer, aber Valdemar Christian ließ sich nie auf Tåsinge nieder, er zog es vor, in Europa als Feldherr umher zu ziehen.

       1656 starb starb er auf einem Schlachtfeld in Polen, 34 Jahre alt. Während der Schwedenkriege (1657-60) wurde Schloss Valdemar besetzt und schwer beschädigt. Es war der Seeheld Niels Juel, der das Schloss vor der völligen Zerstörung rettete. Er hatte ein bedeutendes Vermögen beim König gut - in Form von Prisengeld für die Schiffe, die er bei der Schlacht in der Køge-Bucht erobert hatte. Statt baren Geldes erhielt er das Krongut auf Tåsinge. Er ließ 1678 umfassende Instandsetzungen durchführen und baute das Schloss im Stil der Zeit, dem Barock, um. Niels Juel kaufte bedeutenden Grundbesitz auf Tåsinge, und seine Nachfolger führten die Aufkäufe fort, so dass ganz Tåsinge um 1750 zu Schloss Valdemar gehörte. Besonders aktiv war der Enkel des Seehelden, Oberst Niels Juel, der sich auch auf architektonischem Gebiet hervortat. Er ließ den holsteinischen Architekten G. D. Tschierscke kommen und mit seiner Hilfe wurde die schöne Schlossanlage geschaffen. Die Anlage, die wir heute mit den stattlichen Torhäusern, dem künstlichen See vor dem Schloss, Wagen- und Stallflügeln den See entlang und dem schönen Teepavillon am Strand kennen." (Text aus dem Prospekt, der einen durch das Schloss begleitet).

       Im Schloss sind viele Gemälde des Königs und seines Sohnes, aber auch aus der Familie des Seehelden Niels Juels und seiner Nachfolger ausgestellt. Im Dachgeschoss gibt es die Sammlung des Børge-Hinsch-Fonds, eine einzigartige Trophäensammlung von Wildtieren aus der ganzen Welt, inklusive einiger imposanter Schwertfische.

       Am Nachmittag erleben wir eine Überraschung der besonderen Art: die dänische 15-m-Plastik-Luxusmotoryacht "Merry", eine V48-Princess, klemmt sich mit einer Breite von mehr als 4 m in die spitz zulaufende Bucht zwischen uns und unserem Nachbarn am Stegkopf. Rücksichtslos nehmen sie den Platz in Anspruch, Hauptsache, sie sind angeleint! Entsprechend sind sie auch vertäut: ohne artistisch anmutende Kletterbewegung komme ich nicht von Bord runter, deren Vorleinen hängen quer über meinen Bugkorb. Und den Namen haben sie hinten angebracht, damit man bestenfalls bei ihrem Abfahren weiß, wer einen heimgesucht hat! Statt Aussicht auf den Sund haben wir jetzt eine marineblau-weiße Plastikwand vor uns. Unser kleines "Konzert" mit heavy metal music bringt sie auch nicht zum Abfahren. Tja, auch unter den Dänen gibt es solche und solche, da ist Schluss mit der dänischen Gemütlichkeit. Lang und breit wie sie sind haben sie wahrscheinlich keinen anderen Platz bekommen. 
Ein Däne mit drei Frauen! Aber mit fortschreitendem Nachmittag schlägt das Wetter um, und gegen Abend fängt es an zu regnen. Damit ist der gemütliche Abend im Cockpit sowieso vorbei.

 

Sa., 28.06.2014  Troense nach Lohals    Mann über Bord

       Viertel nach elf starten starten wir den Motor, nicht ahnend, was der Tag bringen wird. Es nieselt leicht, aber der Wind steht günstig aus Westen und so haben wir drei Minuten später beide Segel gesetzt. Bei Windstärke 3-4 machen wir gute 6 Knoten. Der Seegang beträgt 1-2, also Wellen von ca. einem halben Meter. Entspannt sitze ich hinten im Cockpit, genauer gesagt ganz oben auf dem Freibord, angelehnt an die Reling. Von dort hat man einen guten Überblick über das Meer. Barbara steuert, immer schön von einer Tonne zu anderen, auf dem Weg in den Langeland-Belt, den Seeweg zwischen Langeland und  Fünen. Wir wollen nach Lohals, dem nördlichsten Hafen, um von dort aus in den nächsten Tagen das Småland-Fahrwasser zu besegeln.

     Und da passiert, was nicht passieren sollte, was unzählige Male gedanklich durchgespielt wurde, was einfach nicht geschehen durfte, gewissermaßen fast tabu war: ich, der Skipper, falle ins Wasser! Der Ringsplint des Splintbolzens bricht durch (nehme ich später an), der Bolzen löst sich und damit die ganze achterliche Relingsleine. Ich mache einen Salto rückwärts, nicht wissend was mir gerade passiert, auf einmal ist nur Wasser um mich herum. Nachdem ich mich einmal um die eigene Achse gedreht habe, tauche ich wieder auf, und sehe mein Schiff vor mir, sich ständig entfernend, es segelt einfach davon! Verdammt, warum geht die Rettungsweste nicht auf? Die teuersten haben wir damals gekauft, an der Sicherheit wurde nicht gespart. Ich ziehe an der Reißleine, die die Patrone  auslösen müsste, nichts passiert. Und schnappe nach Luft, nach unten tretend, um nicht unterzugehen. Allmählich wird mir klar, dass ich im Wasser liege, gerade mein Schiff davon fährt, mit vollem Tuch drauf, und auf dem Boot meine Frau ist, die gerade mal durch neun Jahre gemeinsames Segeln vielleicht so viel gelernt hat, dass sie jetzt weiß, wie es weitergeht und was sie machen soll. Ich keuche und schnappe nach Luft, ich trete nach unten, an Schwimmen ist nicht zu denken,
aber ich will nicht untergehen. Um mich herum nur Wasser, ich fühle mich verloren. Ich schreie ihr zu: "Mach' die Großschot los!", aber ich weiß nicht, ob mein Rufen überhaupt ankommt. Immer wieder überrollen mich die Wellen, jedes Mal schlucke ich gefühlte fünf Liter Salzwasser, wenn auch nicht so salzig wie Nordseewasser. Da kommt es zurück, das Segelschiff, die
Abb. 35: Wo es geschah: Mann über Bord!
Fock flattert im Wind, aber das Großsegel steht immer noch unter Druck. Tja, so wird man zum Opfer der eigenen Vorsichtsmaßnahmen: Wegen des achterlichen Windes, der schon mal die Richtung änderte, hatte ich einen "Bullenstander'" angebracht, der den Baum des Großsegels daran hindern soll, auf die andere Seite zu schlagen. Diese "Patent-halse" ist für das Schiff und das Rigg sehr "unangenehm", wird man beim Umschlagen vom Baum getroffen, kann man ernstlich verletzt werden.  

        Und diesen verdammten Bullenstander hat sie nicht losgekriegt, aus welchen Gründen auch immer: "Ich wusste nicht, woran ich ziehen oder ob ich das Seil durchschneiden sollte." Auf jeden Fall macht das Schiff eine Wende, kommt auf mich zu, ich schöpfe Hoffnung. Wenn da jetzt nicht diese Böe wäre, die das Schiff jetzt wieder wegdrückt. Ich trete und trete nach unten, versuche mich mit aller Kraft über Wasser zu halten. Verzweiflung kommt auf, noch mehr Panik macht sich breit. Und sie kommt zurück, den Rettungsring an einer langen Leine hinter sich herziehend. Der Ring nähert sich, drei Meter, zwei Meter, einige Schwimmzüge, und ich habe ihn. Jetzt nur nicht loslassen, sie schreit mir zu, dass sie mich an der Leine heranzieht und nach einer gefühlten Ewigkeit von einigen Minuten bin ich nur noch zwei Meter vom Schiff entfernt. Ich erreiche mit letzter Kraft die Badeleiter und klammere mich fest. Zwischendurch denke ich immer wieder, wie kalt ist eigentlich das Wasser, wann habe ich keine Kraft mehr, der Beanspruchung durch Kälte, geschlucktes Salzwasser und der Einsamkeit, verloren im Wasser zu treiben standzuhalten. Aber jetzt habe ich sie festgeklammert, mit rutschiger Hand, ich versuche mich hochzuziehen, aber wegen der Fahrt, die das Schiff immer noch hat, geht das nicht. Ich versuche ihr klarzumachen, dass der Bullenstander gelöst werden muss.

       Nachdem sie die Leine des Patentschäkels von der Klampe losgemacht hat, treibt das Schiff mit flatternden Segeln im Wind und kommt zum Stillstand. Ich ziehe mich an der Badeleiter hoch, eine Stufe nach der anderen, dazwischen immer eine Minute oder länger Pause und klettere endlich über den eckkorb der Reling. Gerettet! Nass, unter Strom vom Adrenalin, fange ich an aufzuräumen, sie beruhigt mich erst einmal und nach einigen Minuten Luftholen und Ausruhen ziehen wir das Vorsegel ein und fahren nur mit dem Großsegel, weit ausgeraumt, damit alles ein bisschen langsam geht. Nachdem ich mich unten in der Kajüte notdürftig vom Salzwasser gereinigt, abgetrocknet und frische Sachen angezogen habe, komme ich in das Cockpit und versuche, die Rettungsleine loszumachen, die sich zwischen Ruderblatt und Schraube festgeklemmt hat. Auch das gelingt und allmählich finde ich zur Ruhe.

      Ich kann es nicht glauben, und trotzdem ist es wahr: ich bin über Bord gefallen, meine relativ unerfahrene, ohne Segelschulung, nur durchs Mitfahren "geübte" Ehefrau hat mich gerettet, und das alles wegen eines blöden Ringsplints. Panik überfällt mich, ich darf gar nicht daran denken, was alles hätte passieren können, wenn ich nicht durchgehalten hätte, wenn mehr Wind und Seegang gewesen, wenn es auf der weiten Ostsee geschehen wäre. Aber ich habe es geschafft, sie hat es geschafft, wir beide! Nur das zählt und ist jetzt wichtig. Ich sitze an Bord, wir haben uns wiederlles ist gut, das Schiff segelt vor dem Wind und Lohals ist nicht mehr weit.

     Später übernehme ich wieder das Steuer und wir wählen den Yachthafen, aus den schlechten Erfahrungen heraus, die wir mit Fischereihäfen gemacht haben. Eine gute Wahl, wir sind allein am Steg, haben unsere Ruhe. Inzwischen scheint auch die Sonne, der Himmel wird frei, und es wird wärmer. Das Anlegen klappt wie am Schnürchen. Danach verordnen wir uns eine halbe Stunde Ruhe und Nichtstun. Dem ersten Aufräumen folgt mein Gang zur Dusche. Dafür muss man in Lohals beim Hafenkontor spezielle Münzen einlösen. Mit zweien ausgestattet betrete ich die Dusche. In drei Kabinen - eine hatte noch ein "Guthaben" - gelingt es mir nicht, warmes Wasser anzustellen. Empört und wütend gehe ich zum Schiff zurück und erzähle den gerade angekommenen Boxnachbarn etwas von "nicht funktionierenden Duschen". Auch dem Hafenmeister klage ich mein Leid, er erstattet mir anstandslos den Kaufpreis zurück. Früh am Abend berichten die Nachbarn, dass es mit dem warmem Wasser "wunderbar geklappt" hätte. War ich so verwirrt, so unter Strom, dass ich nicht einmal mehr die Duschen zum Laufen gebracht habe? Weiteres Aufräumen und der Test mit der Rettungsweste lenken mich davon ab, in einen Heulkrampf zu verfallen. Wie verarbeitet man so ein Erlebnis?

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Di., 01.07.2014  Lohals nach Skæslskør

     Nach dem Auffüllen des Diesel- und Wassertanks geht es heute weiter nach Skælskør, an der Westküste von Sjælland gelegen. Um halb elf starten wir den Motor, wir sind die letzten in Lohals, die heute ausfahren. 10 Minuten später haben wir das Groß und die Genua oben, es weht ein angenehmer Wind aus West, 3-4 Bft. Die wärmende Sonne beherrscht den Himmel, einige Wolken versuchen sich breit zu machen. Der Seegang beträgt 1-2, die Wellenhöhe ca. einen halben Meter. Wir fahren direkt vor der ersten grünen Tonne nach der Hafeneinfahrt 10° nach Norden, um die Sände und Flachs nordwestlich von Lohals nicht überqueren zu müssen. An der Untiefentonne nördlich von Frankeklint müssen wir dann ostwärts abbiegen, in Richtung auf die Schifffahrtsstraße DW19 m/Route T. Dieses Verkehrstrennungsgebiet - die "Autobahn" zwischen Nord- und Ostsee - ist rechtwinklig zu kreuzen und gilt als stark befahren.

      Zwischendurch kommen kurze Regenschauer, manchmal sind es auch nur ein paar Tröpfchen. Um halb zwölf haben wir die Untiefentonne erreicht und ändern den Kurs Richtung Osten, genau 90°, um auf das Tonnenpaar DW37/DW36 zuzusteuern, das die "Autobahn" eingrenzt. Da der Wind abgenommen und zuletzt ständig seine Richtung geändert hat, nehmen wir die Genua runter und segeln nur mit dem Groß. Wir machen immerhin noch 4 kn, aber für die Überquerung der Route T kann das zu wenig sein. Um halb eins erreichen wir die grüne Tonne DW37, den Beginn der kritischen Strecke. Gerade in diesem Moment kommt von Backbord ein dicker Brummer, wir würden es nicht vor ihm schaffen, die Straße zu passieren. Also fahren wir wieder ein Stück nordöstlich, parallel zur Route T. Kurz vor ein Uhr scheint die Situation günstiger zu sein: die von links und rechts kommenden Frachtschiffe sind weit weg - wie es scheint- und wir durchziehen mit Motorhilfe den Fahrweg. Von Steuerbord kommt jetzt ein großes Frachtschiff, vor sich eine Menge Wasser her schiebend. Man erkennt es am der ordentlichen Bugwelle. Da er mit mindestens 20 kn fährt, kann er uns nicht gefährden, wenn wir die "Autobahn" passieren, er ist schneller weg als wir seinen Weg kreuzen könnten. Die Rechnung geht auf, aber nicht ganz: immerhin kommen wir noch in seine Heckwelle rein und werden ordentlich durchgeschüttelt: Das Schiff knallt mit dem Bug zweimal richtig toll auf die Wellen auf, in der Kajüte löst sich die Klappe vom Tellerschapp und der Inhalt ergießt sich auf den Boden. Es kracht ordentlich, aber da alles aus Plastik ist, machen wir uns keine Sorgen. Danach beruhigt sich die Lage und wir erreichen sicher die rote Tonne NO30, das andere Ende der Passage.
     Eine Stunde später kommen wir zur Einfahrt des Skælskør-Fjords, der rot-weißen Mitte-Schiff- fahrtsweg-Tonne Skælskør-Red. Jetzt wird es eng, die Einfahrt und der Weg nach Skælskør sind nur 20 m breit und ca. 4 m tief. Jenseits der Bojen dem Land zu nimmt die Untiefe direkt zu, entsprechend eng sind  die
Abb. 36: Im Skælskør-Fjord
Seezeichen auch gesetzt. Jetzt gilt es genau zu schauen und keines zu übersehen. Links und rechts Felder, Bäume, grünes Land, zwischendrin von Vögeln besetzte Sandbänke. Der Strom läuft mit uns und beschleunigt das Schiff mit einem Knoten. Kurz vor der Stadt fangen die ersten Häuser an, links und rechts sind immer wieder Anlegestellen zu sehen, an denen begüterte Hausbesitzer ihre Boote liegen haben. Nach ca. 2,5 sm erreichen wir den ir den Yderhafen von Skælskør und machen an einem grün ("ledig") gekennzeichneten Liegeplatz fest.
 
     Skælskør ist ein kleines, malerischen Städtchen mit gerade mal ca. 6500 Einwohnern. Jenseits der Straßenbrücke, die wir von unserer Box aus sehen können, liegt ein flacher Moorsee. Sein modriger Geruch beherrscht die Stadt und verleiht ihr ein eigentümliches olfakt-orisches Flair. Viereinhalb Stunden haben wir gebraucht für die 20 Seemeilen, es war eine ziemlich ruhige Fahrt und außer
Abb. 37: Im Hafen von Skælskør
der "unheimlichen" Begegnung mit dem Frachtschiff war nichts besonderes los. "Besonderes" hatten wir allerdings auch schon genug, jetzt kann es mal ruhig weitergehen. 

     Im Hafen erleben wir eine besondere Überraschung: Der Bezahlautomat akzeptiert nur dänische Kreditkarten. Während es in den kleinen Häfen wie Troense noch einen Hafenmeister gibt, der am Steg die Liegegebühr kassiert, haben fast alle größeren Häfen, die wir besucht haben, einen Bezahlautomaten, der auch "Deutsch" kann. An denen kann man gewöhnlich mit Bargeld oder deutschen Kreditkarten bezahlen. In Skælskør werden aber nur dänische Kreditkarten akzeptiert, weder EC- noch VISA-Karte gehen durch. Also erst mal in die Stadt, um an einem Bankautomaten genügend Bargeld zu holen. Andererseits: die Waschgelegenheiten, Duschen und Toiletten in Skælskør haben fünf Sterne verdient: hell, sauber, freundlich, großräumig, heißes Wasser ohne Ende, solange die Bezahlkarte genügend Guthaben hat. Auch das ist unterschiedlich: in manchen Häfen ist Strom und Wasser in der Liegegebühr drin, in anderen wie Faaborg oder hier braucht man für Strom und Duschen eine Extrakarte, die Bezahlkarte, die mit einem Guthaben aufgeladen wird.
Was nicht verbraucht wurde, kann man sich zurückerstatten lassen, und man muss nicht alle paar Stunden Münzen nachschmeißen, damit nicht nachts der Strom für den Kühlschrank ausgeht. Sieht man einmal von dem modrigen Geruch ab, ist Skælskør ein Hafen, der sich anzufahren lohnt. Was die Stadt sonst noch zu bieten hat, müssen wir erst noch herausfinden. Auf jeden Fall lohnt sich ein Besuch im  
Abb. 38: Unser Boot am Steg
"Cafe & Restaurant Solsikken". Sowohl im Außenbereich direkt am Hafen wie auch innen ist es gemütlich eingerichtet. Es gibt ein hervorragendes Bier der heimischen Brauerei "Harboes Bryggeri" und ein sehr gutes Essen, eine hervorragende Salatbar inklusive. Nicht zu vergessen ist die Freundlichkeit und Aufmerksamkeit des Personals, keine Schlafmützen. Es ist nicht ganz billig, um es mal so zu sagen, aber auf jeden Fall sehr gut. Und wir "hatten es uns verdient", nach all dem Unglück und Schrecken mit Mann über Bord.

 

     Nach zwei Tagen Ruhe gehe ich auf Erkundungstour rund um Skælskør. Interessant ist der ältere Teil mit der Skt. Nicolai-Kirche, direkt neben der Polizeiwache. Im Gotteshaus findet sich an der sehr schönen Kanzel ein drehbares Gestell mit vier Sanduhren. Hatte der Pastor für jeden Liturgieabschnitt eine bestimmte Zeit vorgegeben, oder waren die Uhren dafür gedacht, dass er nicht "überzog"? Sollten sie die Gläubigen an die Begrenztheit ihres Lebens erinnern?
Abb. 39: Erinnerung an die Endlichkeit der Zeit
Ich weiß es nicht, jedenfalls habe ich das in keiner anderen Kirche in Dänemark gesehen. Das "übliche" Schiff hängt zweifach in der Kirchenmitte. Weiter "bergaufwärts" liegt dann ein großer Friedhof, gleich am Anfang mit dem imposanten Grab und Gedenkstein des Widerstandskämpfers Poul Hans Nielsen (1923-1945), der aus Skælskør stammt und wohl im KZ Neuengamme gestorben ist. Mehr wird nicht erzählt. Von oben geht der Blick auf den Fjord, sehr schön, sehr malerisch, mit dem Malzgeruch der gegenüberliegenden Brauerei "Harboes Bryggeri" in der Nase. Heute ist das Gewässer gemütlich, bei den starken Westwinden der vergangenen Tage baute sich selbst im Hafen eine ziemlich starke Welle auf, sogar mit Schaumkronen.

 

Sa., 05.07.2014  Skæslskør nach Søfronten/Karrebæksminde

     Nach einem heißen Freitag in Skælskør entschließen wir uns, am nächsten Tag weiterzufahren, auch wenn voraussichtlich der Wind nicht mitspielen wird. Aber noch länger hier zu verweilen lohnt sich nicht. Also werfen wir um 11 Uhr die Maschine an und erreichen nach einer ruhigen Fahrt durch den Fjord eine halbe Stunde später die rot-weiße Tonne Skælskør-Red, die in das Fahrwasser des Agersø-Sund überführt. Ab dort geht es dann auf zuerst südwestlichem, später südlichem Kurs an der ausgedehnten Industrieanlage von Stigsnæs entlang. Ein

großer Öltanker liegt dort am Pier, wir mussten ihn zum Glück nicht kreuzen. Nachdem wir den Agersø-Sund verlassen haben, kommen wir der östlich der Untiefentonne Helleholms Flak auf westlichen Kurs liegenden Karrebæksminde-Bucht
Abb. 40: Raffinerie von Stigsnæs 05/10
näher. Vorbei an einer Fischfarm-Anlage, sog. aquafarming. Auf den von oben mit Netzen zugedeckten Käfigen sitzen Kormorane und warten darauf, dass sie irgendwie an Fressen kommen. Ein Schiff der Dänischen Marine überholt uns, sonst ist weit und breit kaum jemand zu sehen. Der Wind, anfangs direkt gegen uns gerichtet, nimmt immer mehr ab. Es wird eine reine Motorbootfahrt und ich denke an den Spruch von "der als Segelyacht getarnten Motoryacht". Aber immerhin sind es 23 sm und wir wollen nicht im Dunkeln ankommen. Die Sonne hält sich ebenso zurück wie der Wind, später am Abend kommt sogar noch ein heftiges Gewitter auf, das selbst hier im Hafen von Søfronten zu spüren ist.
    Søfronten ist unser eigentliches Ziel, Karrebæksminde ist der weiter einwärts gelegene Hafen. Dazwischen liegt eine Brücke, die nur alle Stunde geöffnet hat. Aber nicht diese ist das Problem, sondern der Strom, der aus dem Kanal von Næstved kommt.

      Am nächsten Tag, auf meiner Ausflugsradfahrt durch den Ort, habe ich Gelegenheit, dies genauer zu beobachten. Selbst starke Motorboote haben große Mühe, gegen den Druck des Wassers und die einen halben Meter hohen Wellen anzukämpfen. Eine kleine Motoryacht versucht noch, den Kanal zu durchfahren, bevor ein großer Holztransporter den ganzen Platz einnimmt. Vom Brückenturm ertönt ein Warnsignal! Mit Vollgas kratzt sie buchstäblich die Kurve 

Abb. 41: Das Nadelöhr nach Karrebæksminde
und legt an der Holzwand an, direkt vor der Brückendurchfahrt. Der Frachter schiebt sich durch den Kanal, es ist kaum mehr als ein Meter links und rechts von ihm. Aus dem Kahn wäre Kleinholz geworden, hätte er auf seinem Willen bestanden.

     Ansonsten besteht Karrebæksminde links und rechts des Flusses bzw. der Brücke aus einer Ansammlung von Fischrestaurants und Fressbuden aller Art. Der überquellende Strand und der wohl voll besetzte Campingplatz in der Nähe sorgen für genügend Gäste. Bei Temperaturen um die 27 °C und herrlichem Sonnenschein machen die Lokale den Umsatz des Jahres. Søfronten selbst ist quasi ein Vorhafen von Karrebæksminde, modern angelegt mit einer Feriensiedlung, die an Eintönigkeit nicht zu überbieten ist. Alle Gebäude nach dem selben Schema, nichts mehr von der Individualität der Häuser wie in den anderen bisher besuchten Städten. Im "Zentrum" ein Restaurant, darunter der Hafenkontor mit dem Bezahlautomat. Und: Søfronten ist der bisher einzige Hafen, in dem nicht nach der Länge der Schiffe bezahlt wird, sondern nach der Breite. Nur: die Boxen, die danach ausgezeichnet sind, enthalten falsche Angaben. In einer 3,25 m-Box bleiben wir stecken, obwohl wir nur 3,15 m Breite haben. Erst 3,30 m passen. Und wir sind nicht die einzigen: Am nächsten Tag sehen wir ein dänisches Schiff, das siebenmal (!) versucht, die richtige Box zu finden, bevor es passt. Vielleicht haben sie ja bei ihren Angaben von der Mitte der Pfähle aus gemessen?! Dazu noch: klaustrophobisch enge Toiletten, jedenfalls für die Männer! Aber man hat nicht weit in den Ort und einen Discounter gibt es in der Nähe auch.  

 

Mo., 07.07.2014  Søfronten nach Vordingborg

[.....] Also warten wir bis zwölf Uhr, als endlich der Motor gestartet werden kann. Zwanzig Minuten später haben wir die Genua auf, und segeln auf südwestlichem Kurs durch die Karrebæksminde-Bucht bis zum Wegepunkt 4551, der im Nordwesten der Untiefe Knudshoved liegt. Allein mit dem Vorsegel machen wir bei 4-5 Bft zwischen 5,5 und 6 kn, der Seegang beträgt 2-3 bei ca. 1 m hohen Wellen. Es ist wolkig, aber die Sonne setzt sich immer mehr durch. Um halb zwei haben wir die gelb-schwarze Untiefentonne bei Knudshoved erreicht und danach geht es auf südöstlichem Kurs in Richtung des Storestrøms, der zwischen Falster und Sjælland liegt. 10 Minuten später haben wir auch das Groß auf und machen jetzt bei abgeschwächtem achterlichem Wind immer noch mehr als 5 kn.

     Inzwischen knallt die Sonne vom Himmel, nach und nach ziehen wir Regenkleidung und Pullover aus. Um halb drei schlackert uns das Vorsegel zu sehr hin und her, der Wind hat weiter abgenommen, mit dem Groß erreichen wir noch 3,5 - 4 kn Fahrt. Nachdem wir die Einfahrt in den Storestrøm erreicht haben, nehmen wir auch das Groß runter und fahren mit dem Motor weiter. Es wird spät werden, bis wir nach Vordingborg kommen und dann wird es mit den Liegeplätzen knapp. Um halb fünf unterqueren wir die Brücke und nehmen nach der nächsten Gefahrentonne Kurs nach Nordosten, über das Masnedø E-Flak, Richtung Trellegrund, das im Süden die Einfahrt nach Vordingborg begrenzt. Nach einer ziemlich langen Anfahrt in die Bucht, in der der Nordhafen liegt, erreichen wir diesen - und siehe da: es ist kein Plätzchen mehr frei. Alle Boxen sind belegt, wir müssen bis ganz nach hinten ausweichen, wo wir am Ende der Stige noch eine Anlegestelle finden. Kurz vor halb sechs machen wir den Motor aus, fast fünfeinhalb Stunden sind wir gefahren, davon einen großen Teil unter Segel.

 

     Aber an Ausruhen und Entspannen ist noch nicht zu denken: Am Steg sind alle Stecker des Strommasten bis auf einen belegt, und genau der hat keinen "Saft". Ich laufe gefühlte zwanzig Minuten bis zum Hafenkontor, wo gerade zufälligerweise der Hafenmeister den Bezahl-
Abb. 42: Blick in die Bucht von Vordingborg
automaten wieder mit Papier auffüllt. Er hört sich meine Beschwerde an und sagt, dass er sich darum kümmern würde. Aber die nächste halbe Stunde tut sich nichts, dafür springt ein freundlicher Holländer und eine hilfsbereite Dänen-Familie ein. Die Dänen gehen mit ihrem langen Kabel an einen anderen Verteilerkasten, jetzt haben wir den Anschluss, den wir brauchten. Der Holländer bot mit seinem 80 m langen Kabel auch eine Lösung an, aber so ist das besser geregelt. Die netten Dänen bekommen zum Dank ein Weißbier, das sie sich für ihre Hilfe gewünscht hatten: zwei Tuborg-Dosen werden an der Öffnungsseite weiß angemalt, mehr war an "Weiß"-bier nicht zu machen (Barbaras Idee!). Der Anschluss hatte auch am nächsten Tag noch keinen Strom!

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     Vordingborg selbst ist eigentlich eine große Einkaufsstraße mit einer Stadt drum herum. Auf der Meile spielt sich das Leben ab, besonders während der Festtage: Neben einer Bimmelbahn zahlreiche Aktivitäten, viele auch für Kinder. An den vielen Straßencafes spielen immer zwei bis drei Gruppen, in großem Abstand  voneinander. Abends dann das Haupt-
Abb. 43: Blick von der Vordingborg-Burg auf den Hafen
programm: Auf der Hauptbühne am Festplatz spielen zwei Gruppen. Gestern abend (09.07.) Zididada, und  danach Johnny Madsen, ein Altrocker, der Nashville-Country-Blues-Musik zum Besten gibt. Das Publikum von jung bis alt, viele Bierstände, aber keine betrunkenen oder aggressiven Jugendlichen. Alles geht sehr gesittet und fröhlich zu. Für den Plastikmüll der Bierbecher stehen zahlreiche Abfalltonnen bereit.

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     Sehenswert ist auf jeden Fall die Burganlage, die selbst noch mit ihren Ruinen großartig ist. "Am Anfang der Stadtchronik steht die große Burg, die Valdemar der Große (1157-1182) zum Schutz Seelands den Wenden erbauen ließ, jenen aggressiven norddeutschen Küstenbewohnern, die zu der Zeit immer wieder zu Raubzügen nach Dänemark aufbrachen und über viele Jahre eine wahre Gottesgeißel waren. Valdemar dem Großen brachte sein Vordingborg wenig Glück: 1182 starb er hier, angeblich vergiftet von einem kräuterkundigen Abt, der zu dieser Untat vom mächtigen Bischof Absalon, dem Gründer Kopenhagens, angestiftet worden sein soll. Auch ein anderer großer König des Mittelalters, Valdemar II, der Sieger (1202-1241), (bekannt aus Lyø), starb auf der Vordingborg, im selben Jahr, als er das "Jyske Lov", das erste für ganz Dänemark geltende Gesetzbuch, hier erlassen hat. Dieses "Jütische Recht" hatte über Jahrhunderte Bestand, war für seine Zeit erstaunlich
human und galt im Herzogtum Schleswig sogar bis zum Jahre 1900. Mit Valdemar dem Sieger ging der Großmachttraum Dänemarks zu Ende. Als der König, der Estland erobert hatte, starb, schrieb ein deutscher Chronist: "Mit ihm fiel die Krone vom Haupt der Dänen." Die Vordingborg blieb auch unter den Nachfolgern der beiden früheren Valdemars ein Symbol der Auseinandersetzung Dänemarks mit den norddeutschen Küstenländern. Valdemar IV. Atterdag (1340-1375) baute die Burg ganz massiv aus, woran er auch gut tat, denn er lag mit der zu der Zeit übermächtigen Hanse in dauernder Fehde. Hinter den dicken Mauern seiner Vording-
Abb. 44: Verspottung der "Pfeffersäcke"
borg aber fühlte er sich so sicher, dass er jeden der 70 Fehdebriefe, die ihm die Pfeffersäcke ins Haus schickten, nur mit Hohn bedachte. Und um seinen Spott aller Welt deutlich zu machen, ließ er auf den höchsten Turm der Burg eine goldene Gans setzen, als Zeichen seiner Verachtung für die Hanseaten, die er als fette Gänse zu verspotten pflegte. Dies war wohl etwas voreilig, denn als die vom Fehdebriefschreiben zum Kämpfen übergingen, bekam Valdemar mit seinen Dänen gewaltig eins aufs Haupt. Die Vordingborg allerdings, die 1351 von der Hanse belagert wurde, hielt jedem Ansturm stand." So weit die Historie, nach Jan Werner: Törnführer Dänemark 2, Bielefeld 2011.

 

Di., 15.07.2014  Vordingborg nach Stege

     Von Vordingborg haben wir inzwischen genug gesehen. Nach einer Woche Festival kehrt auch hier Ruhe ein. Der Hafen leert sich allmählich. Eigentlich wollten wir schon Montags los, aber das Wetter lud uns eher zu einem verlängerten Morgenschlaf ein. Nass und kalt, der Wind aus der falschen Richtung, da denken wir doch lieber an unser Motto: Der Weg ist das Ziel.

     Am nächsten Tag, dem Dienstag passt alles: Wind in der richtigen Stärke und Richtung, Hauptsache aus Westen. Dazu kein Regen mehr, stattdessen Sonne und ein paar Wolken. Aber: welche Überraschung! Aufgrund des Windwechsels von Ost nach West ist auch der Wasserstand gesunken. Ob wir da mit unseren 1,50 m Tiefgang überhaupt rauskommen? Wir lassen uns Zeit, beobachten das Geschehen und Agieren der anderen Segler. Zwei der größeren Yachten stecken bereits in der Zufahrt zum hinteren Hafenteil fest. Selbst mit Vollgas bleiben sie auf der Stelle stehen. Ein starkes Fischerboot zieht einen der Segler aus dem Schlick heraus. Ein anderer hat große Mühe, um überhaupt die Box zu verlassen. Nur mit der ganzen Kraft der Mannschaft kann der Skipper das Schiff in tieferes Fahrwasser manövrieren. Als wir kurz vor halb zwölf den Motor starten, geht es uns nicht besser: Wir stecken erst mal fest. Mit kräftigem Ziehen an den Achterleinen und Rückwärtsgang lösen wir uns aus dem Morast heraus. Jetzt heißt es aufpassen, nicht denselben Fehler zu machen wie andere, nämlich den kürzesten Weg in die Bucht zu nehmen. Nein, streng den roten Tonnen entlang geht die Richtung. Aber wir schaffen es und können schon nach zwanzig Minuten das Vorsegel aufziehen. Wir haben Wind aus Südwest, Stärke 3, in Böen 4, aber leider abnehmend.

      Wir machen ungefähr vier Knoten, mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger. Blauer Himmel erstreckt sich über uns, ein paar Cumulus-Wolken am Horizont versprechen einen schönen Tag. Um zwölf setzen wir auch das Großsegel, um unsere
Abb. 45: Auf dem Weg nach Stege
Geschwindigkeit zu halten. Wir schaukeln leicht vor dem Wind, immer den Großbaum im Auge, damit der nicht unvermittelt die Seite wechselt. Seit dem "Wasserfall" habe ich Angst, den Bullenstander zu setzen, die Erinnerung an das Erlebte geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Der Weg ist sehr gut markiert, die Fahrrinne nicht allzu breit, links und rechts lauern Untiefen oder große Steine.

[.....]

      Knapp 4 Stunden haben wir gebraucht für die 16 sm lange Strecke, davon den größten Teil unter Segeln. Nach dem Festmachen legen wir wie gewohnt den Strom. Ich suche den Hafenkontor und finde einen der üblichen Bezahlautomaten. Der Nordhafen ist mehr der Stadt zugewandt, der Südhafen mehr  dem Wasser der Stege-Bucht. Wir finden das Plätzchen ganz in Ordnung und schauen zu, wie der Hafen sich mit der Zeit füllt.  Aber es passiert nichts Spektakuläres mehr an diesem sonnigen Tag, der - wie sich dann später herausstellt - uns doch auch etwas gefordert hat.

 
 
    Der Wind und die Sonne, sie hatten es in sich. Die vielen neuen, sich ständig ändernden Eindrücke strengen an. Dazu die Konzentration, immer eng an den Tonnen entlang, dauernd schauen, wo ist die nächste Markierung. Zumal die Seezeichen in der Karte, auf dem GPS und in der Realität nicht immer übereinstimmen. Da kann dann schon mal das eine oder andere fehlen oder an anderer Stelle stehen. Wir gönnen uns deswegen heute Abend fish & chips aus der nahegelegenen Pommesbude, auch wenn das Preis-Leistungs-
Abb. 46: Kunst am Haus in Stege
verhältnis nicht stimmt. Aber manchmal muss man eben auch Kompromisse eingehen und fünfe gerade sein lassen!  Stege ist ein kleines Städtchen, aber hübsch anzuschauen. Die Geschäfte, die man als Segler für die Nahrungsversorgung braucht, sind alle in Hafennähe. Zur Innenstadt - eine Einkaufsstraße wie gehabt - sind es auch nur wenige Meter. Es gibt sogar einen Buchladen mit deutschen Büchern und Zeitschriften.

     Interessant ist die St. Hans Kirche. Abgesehen von dem Bau der Kirche selbst, dem Turm, Kirchhof, Kanzel und Taufstein sind vor allem die Kalkmalereien bedeutsam. "Die Reste der ältesten Fresken von 1300 befinden sich an der Nordwand des Mittelschiffes, in einem nicht restaurierten Feld mit kleinen roten und weißen Rosen, eingerahmt von schwarzen Strichen. Im gotischen Ostteil zwischen Kanzel und Chor befinden sich Dekorationen von ca. 1460. Blumen und Blätter, Brustbilder mit Bischofsornat und Phantasietrachten, Engel und ein Bischofskopf mit dem Wort 'Canta' (Singen). Die Kalkmalereien im linken Mittelschiff sind versehen mit der Jahreszahl 1494, woraus sich schließen lässt, dass die Erweiterung im Vorjahr  vorgenommen wurde.  Von den Gewölbepfeilern gehen schachbrettartige Muster in moosartige Pflanzen über. Die Fresken sind naiv, fast grob gehalten, was sie
 kulturgeschichtlich besonders interessant macht. Man sieht Männer mit Bärten, Sterne und verteilte Kleinfiguren, versehen mit Inschriften.... Charakteristisch sind auch die großen Kreise mit Inschriften, Namen und Szenen des täglichen Lebens, wie der Jäger mit Jagdhunden, der Fuchs und Hase jagt. An der gegenüber- liegenden Seite präsentiert sich eine besonders interessante Seite: ein Mann und eine Frau, aneinandergekettet und mit einer Kanne mit roten Flecken
Abb. 47: Warntafel vor Ehebruch
über  ihren Köpfen. Man deutet den Inhalt der Kanne als Gift. Die roten Flecken setzen sich fort im Gesicht des Mannes. Ein roter Ring auf dem Gesicht der Frau und an den Geschlechtsteilen des Mannes lassen auf  Ehebruch schließen. Ein mystisches Bild mit vielen Auslegungsmöglichkeiten", schreibt Bente Logager in der von der Gemeinde herausgegebenen Broschüre über die Kirche. Auch das Kirchenschiff "Justitia" und die Grabkapelle haben ihre eigene, faszinierende Geschichte.
 

Mo., 21.07.2014  Ausflug nach Møns Klint

      Eigentlich wollten wir die Kreidefelsen von Møns Klint mit dem Rad erfahren. Doch nach dem Kauf der Rad- wanderkarte und einem kleinen 4 km langen Test - eher aus Unwissenheit in der falschen Richtung - wuchs die Erkenntnis, dass die 20 km nach Møns Klint für unsere untrainierten Muskeln wohl nicht zu schaffen sind. Deswegen machen ein Ausflug mit dem Bus, der auch so seine Überraschungen parat hatte. Erstens: egal, ob man von Stege nach Møns Klint-GeoCenter fährt, ungefähr zwei Drittel der Strecke, oder bis zum  Endpunkt Klintholm Havn, man zahlt immer den gleichen Preis. Also zahlten wir dreimal, Stege bis zum GeoCenter, GeoCenter bis zum Hafen und die ganze Strecke zurück.

     Dafür saßen wir in einem ganz neuen modernen Bus und hatten immer einen herrlichen  Rundblick. Zweitens: Die Straße hatte es in sich. Aus Stege heraus war sie noch breit genug, aber danach musste jedes entgegenkommende Auto anhalten und an den Randstreifen fahren. Im Buchenwald an der Steilküste, Standort des GeoCenters, ging es dann auf einer Lehmpiste bergauf und bergab. Aber abgesehen davon: beim GeoCenter ausgestiegen erwarten uns Massen von Touristen, vor allem Dänen, auch ein paar Schweden, Norweger und Deutsche.
Abb. 48: Die Klippen von Klintholm
     Dann die erste Treppe, immer bergauf, ca. 130 Stufen, gewissermaßen zum Eingewöhnen. Oben geht es am Klippenrand entlang, meistens ein  paar Meter vom Abhang entfernt, aus Sicherheitsgründen. Vor allem im Herbst und Winter, nach starken Regenfällen, rutschen schon mal ganze Teile derFelswände ins Meer. So geht es ca. einen Kilometer, zwischendurch auch mal durch den lichten Blätterwald. Vor allem am Abgrund entlang ein starker kühler auflandiger Wind, der uns mit seinem Brausen die Ohren füllt. Er kommt aus Ost und rauscht dann die Klippen hoch, oben doppelt so stark wie später unten am Strand. Bei Røde Udfald geht es wieder eine Treppe hinunter, diesmal ca. 470 Stufen, alles aus Holz und noch ziemlich stabil.

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     Weil man auf dem grobkörnigen Steinschotter nur langsam vorankommt, stauen sich die Touristen unten auf dem Weg. Links das Meer, selbst bei nur 4 Windstärken beeindruckend brausend, brodelnd und sich brechend, rechts die weiß blendende Kreidewand der Klippen, durch das Licht des Meeres und des Himmels noch verstärkt.
Abb. 49: Segler vor den Klippen von Klintholm
Von einem Segler sehen wir zwischendurch nur noch das Tuch, so hoch sind die Wellen.

     Und häufig auch beeindruckend das Schuhwerk, vor allem der Touristinnen!  Zwischendrin immer wieder Teppiche aus Kreidebrocken, mitten unter den den meist schwarzen Feuersteinen, die alle rund gewaschen und abgeschliffen sind. Manche mit Kreideeinlagerungen, die später als Löcher im Steinbrocken zutage treten. Langsam zieht der Menschenstrom Richtung Süden zum untersten Punkt der Aufstiegstreppe. Wir gehen weiter und kommen an einem die Felsen herabstürzenden Bächlein vorbei, wo wir unsere Schuhe waschen und die Wasserflasche auffüllen können. Wir beschließen, die südliche Route nicht zu gehen und wandern zur Treppe zurück, diesmal als Aufstieg mit mindestens 500 Stufen nach oben. Eifrige Zähler haben die Tritte mit Kreide nummeriert, gefühlt sind es mindestens 1400 abwärts und wieder aufwärts.

     Oben angekommen gönnen wir uns eine Pause und ein dickes Eis, bevor es mit dem Bus nach Klintholm Havn geht. Der Yachthafen, ähnlich wie Bagenkop von Ferienhäusern umringt, ist ziemlich neu, etwas steril. Die Versorgungs-möglichkeiten sollen gut sein, aber das kann man im entsprechenden Törnführer genauer nachlesen. Von Klintholm Havn fahren wir wieder mit dem Bus zurück. In Stege gönnen wir uns im Brauereihaus ein gutes Bier und
Abb. 50:: Der Weg am "Strand" entlang
 
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 Abendessen, bevor wir erfüllt, erschöpft und zufrieden in die Koje sinken.

 

Mi., 23.07.2014  Stege nach Rødvig

      Nach acht Tagen Stege haben wir das Gefühl, dass es weitergehen muss. Auch wenn wir nicht alles erkundigt haben, auch wenn der Wind nicht passt. Zumal eine Änderung für die nächsten Tage nicht zu erwarten ist. Wir sind bestimmt nicht das letzte mal hier gewesen, dafür hat uns der Ort zu gut gefallen. Also beschließen wir für Mittwoch unsere Abreise. Dann geht es gegen den Ost-Nordost-Wind, der zum Glück nicht all zu stark sein soll.

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     In der Bucht sind die Wellen schon ganz anders, zusammen mit der Dünung erreichen sie eine Höhe von ca. 1 m. Strom und Wellen laufen an manchen Stellen gegeneinander, nicht gerade angenehm, da durch zu fahren.
Kurz vor Rødvig wird es ruhiger, dagegen erwarten uns jetzt zahlreiche Stellnetze, die die Einfahrt erschweren. Die rot-weiße Tonne WP 4610 dient nur als ungefähre Orientierung, dank der zahlreichen detaillierten Beschreibungen
Abb. 51: Stellnetze vor Rødvig
und der Beobachtung ein- und auslaufender Schiffe erreichen wir problemlos die enge Einfahrtschneise in den Yachthafen. Dort ist es um drei Uhr schon rappelvoll, also schnell abgedreht in den Fischereihafen, der auch für Segler Liegeplätze bietet. Um viertel nach drei legen wir längsseits an  der Mittelmole an. Nach uns kommen im Minutentakt weitere Yachten, die wenigen freien Plätze sind schnell gefüllt. Jetzt geht es nur noch im Päckchen, vor und hinter uns sind bereits zwei oder drei Boote aneinander gebunden.

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     Rødvig selbst hat eigentlich wenig zu bieten. Den im Reiseführer beschriebenen "Havneshoppen" haben wir nicht gefunden, dagegen im Ort einen Kleinladen, der aufgrund seiner Monopolstellung auch entsprechend teuer ist. Immerhin hatte er frisches Brot! Einige Straßen weiter weg ein "Dagli Brugsen", der Laden ein wohl sortiertes Chaos, mit erstaunlicher Preisgestaltung: 10 Bananen kosten weniger als neun, usw.
Die beschriebenen Gaststätten sind leicht zu finden, nicht weit vom Hafen weg. Was man bezahlt ist eher abschreckend, ein mittleres Abendessen mit nicht allzu vielen Getränken kostet schon mal gut 70 bis 80 €. Bezahlen
Abb. 52: Schrottplatz im Fischereihafen
mit der Kreditkarte kostet nochmals einen Aufschlag, zusätzlich langt die Kreditkartenfirma mit einer "Wechselgebühr" zu. Wahrscheinlich ist es am preiswertesten, mit einer großen Menge Bargeld anzukommen, dann hat man die geringsten Gebühren. Unten am Fischereihafen und rechts vom Yachthafen gibt es zwei schöne Sandstrände, der beim Fischereihafen gut besucht. Nicht zu vergessen das einzigartige "Schiffsmotorenmuseum", das aber eher etwas für entsprechende Fans ist.
     Die entfernter gelegenen Ausflugsgelegenheiten wie Stevens Klint und das "Kalte Kriegs-Museum" erfordern längere Anfahrten  mit dem Bus oder dem Fahrrad. Der Fischereihafen bietet deutlich mehr Ambiente als der Yachthafen. Mehrere große Fischkutter liegen am Kai. Sie fahren zu den ungewöhnlichsten Zeiten weg, teils mitten in der Nacht oder kommen an. Auf einmal ist dann ziemlicher Lärm im Hafenbecken, wenn die gefangenen Fische mit einer riesigen Maschine herausgesaugt oder die Boote mit Eis gefüllt werden.
Auch zahlreiche "Buntgarnfischer" haben hier ihre Anlegeplätze und rot
Abb. 53: Vor dem Schiffsmotorenmuseum

 gestrichenen Fischerhäuschen. Aber leider gibt es im Fischereihafen kein WLAN, trotz guter bis ausreichender Signalstärke, angeblich - so die Hafenverwaltung - "weil das die Fischer nicht wollen". Nur der Yachthafen, der der Kommune gehört, bietet diesen Service an, den wir bisher überall in Dänemark fanden. Deswegen dauert es auch ein bisschen, bis  der Bericht im Internet steht. 

 

Teil 3 der Reise: Nach Schweden

So., 27.07.2014  Rødvig nach Skåre  

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      Um 10 Uhr fällt uns zufällig auf, dass der dicke Kugelfender fehlt. Eigentlich kann er in der letzten Nacht nur geklaut worden sein. Vorne am Bug aufgehängt war er auch vom Steg aus erreichbar. Lange rätseln wir herum, ob geklaut oder vielleicht doch verloren, weil sich der Knoten gelöst hat. Wir können es nicht klären und buchen es unter dem Stichwort "Schwund" ab. Ein Kugelfender kostet auch nicht die Welt.

 

Abb. 54: Verschwunden in Rödvig - unser Kugelfender
     Um 11 Uhr sind wir an der 1. Fahrrinne des Verkehrstrennungsgebiets, der See-"Autobahn" vom Kattegatt in die Ostsee. Auf der Höhe von Falsterborev geht die von Norden kommende Straße in einen südlich und einen ostwärts führenden Teil über. Wir haben also auf dem Weg zur schwedischen Südküste zwei "Autobahnen" zu überqueren. Dabei ist die Sicht ziemlich diesig, am fernen Horizont verschwimmt alles. Von backbord aus kommt uns ein dicker Brummer entgegen, noch weit weg, und zum Glück verschwindet er, ostwärts abdrehend, im Dunst. Gegen halb eins haben wir die 1. Straße überquert und sind damit in Schweden. Die Grenze geht durch das Verkehrstrennungsgebiet durch.

     Kurz nach halb eins erreichen wir die 2. Straße. Von steuerbord taucht jetzt ein großer Containertransporter auf. Wir geben Gas und erhöhen kurzfristig die Drehzahl auf 2500 Umdrehungen/Minute. Wir könnten noch schneller, aber das kostet auch mehr Diesel. Und Tankstellen gibt es in Schweden nicht so häufig, haben wir gelesen. Mit 6 kn "rasen" wir durch die Zone, der Dicke kommt von rechts immer näher. Ob wir es schaffen, vor ihm den imaginären Kreuzungspunkt unserer beiden Kurse zu überqueren? Der Transporter dreht etwas ab, vielleicht um uns zu signalisieren, dass wir seinen Kurs schon überschritten haben. Einige Minuten später ist auch von uns aus die Situation geklärt, er dreht etwas zurück, um wieder in seine Spur zu kommen. Als wir das Verkehrstrennungsgebiet verlassen, ist er genau hinter uns. Seine Heckwelle trifft nicht mehr, wir können etwas zurückschalten und wieder den Kurs auf Skåre einnehmen. Inzwischen frischt der Wind auf, aber jetzt können wir den Rest von wenigen Seemeilen auch mit dem Motor durchziehen.

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      Skåre, im Reiseführer als kleiner, ruhiger Fischerei- und Sporthafen beschrieben, zeigt sich bei längerem Hinsehen eher als verlassener Ort, etwas geisterhaft, bei dem die letzte Investition für Segler schon Jahrzehnte her zu sein scheint. Im leicht schwelligen Wasser quietschen bei diesem Wind die verrosteten Anlegefedern der Leinen anderer Boote, man fühlt sich an die "singende" Tür der Eingangsszene aus Sergio Leones "Spiel
Abb. 55: Skåre, Hafen mit Western-Melodie
mir das Lied vom Tod" erinnert. Für Männlein und Weiblein gibt es gerade mal jeweils ein (1!) Toilettenhäuschen mit Waschbecken. Dafür ist die eine Brause "kostenlos", man kann warm und kalt so lange duschen wie man will. Und alles sauber! WLAN sucht man vergeblich. Anstelle eines Hafenmeisters gibt es ein "Bootclubhaus" des örtlichen Segelvereins, ein Bezahlautomat ist dort nicht aufgestellt. Wir zahlen für den Liegeplatz mit Bargeld in einem großen Briefumschlag, auf den wir den Bootsnamen, den Ankunftstag und -uhrzeit und die Liegeplatznummer schreibt. Die Bootsgröße spielt keine Rolle. An einigen, aber nicht allen Tagen kommt der Hafenmeister zur Kontrolle! 
Später mache ich dem nervigen Quietschen mit einigen Tropfen Spülmittel ein Ende, wenigstens für die Nacht ist jetzt Ruhe. Früh Abends kommen noch mehrere Segler an, vier Deutsche, einige Dänen und Schweden. Am nächsten Morgen sind sie alle weg. So ist es auch in den folgenden Tagen: vor Sonnenuntergang kommen ein, zwei Boote, nach Sonnenaufgang sind wir wieder die Einzigen.

 

Abb. 56: Blick vom Hafen auf die Ostsee
Die Schweden, die wir hier treffen, sind durchweg sehr freundlich. Mit "Hi" oder "Hi, hi" begrüßen sie uns auf den Hafen- oder Dorfwegen. Anders als die meisten Dänen, die einen gar nicht wahrgenommen haben. Sogar die Kleinsten sind sehr freundlich.


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     Im Gegensatz zu den Angaben im Törnführer (Gerti und Harm Claußen: Schweden 1 und 2, Bielefeld 2011) gibt es Strom und Wasser nur an den beiden Querstegen, die das Nord- vom Südbecken trennen. Im Nordbecken ist für die Dauerlieger und Fischer reserviert, die Wassertiefe am Rande nur 1,50 m. An den beiden langen Piers des Südbeckens gibt es keine Anschlüsse. Wer hier anlegt, braucht u. U. entsprechende Verlängerungen zu den Querstegen.

      Wir bleiben zwei Tage. Mittwoch soll endlich der erwartete Westwind kommen. Barbara nutzt den schönen Sommertag zum Angeln. Früh steht sie am Kai in der Sonne, in der Nähe der Hafenausfahrt. Geduldig probiert sie diesen oder jenen Blinker und Futterbrocken aus, aber es beißt nichts an. Gestern noch war ein anderer Angler an derselben Stelle recht erfolgreich:
Ab. 57: Frischer Dorsch aus Skåre
 mit sechs Fischen ging er stolz nach Hause. Barbara hat kein Glück, sie muss die Fische kaufen, damit es was zum Abendessen gibt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es Frischfang im Hafen zu akzeptablen Preisen, meist Dorsch oder Plattfische. Aber der Dorsch auf dem Grill war dann schon ganz schön lecker, zusammen mit Aubergine und Zucchini und frischem, selbst gemachtem Kartoffelsalat. Wie frustrierend, stundenlang die Angel auszuwerfen, und keiner beißt an! Wenigstens hat sie mich dann beim Rummikup mit drei Siegen erstmal geschlagen...

     Aber wie inzwischen gewohnt: es kommt anders als man denkt. Am Mi-morgen um acht Uhr regnet es Bindfäden, stetiger, leichter Sommerregen. Kein Wind geht, die Flaggen hängen schlaff herunter. Unsere Nachbarn aus Deutschland sind schon fast segelfertig, sie wollen nach Dänemark. Na denn, gute Fahrt im Regen. Bis weit in den Nachmittag, ja frühen Abend regnet es. Der Wind ist kaum spürbar, obwohl der SeeWetterDienst was anderes "versprochen" hat. Wir machen uns einen gemütlichen Bordtag, schlafen aus, faulenzen, ein bisschen hier und ein bisschen da, und zupp, ist der Abend schon da. Aber morgen wird es Ernst, komme was wolle, dann geht's ab nach Ystad.

[.....]

 

Do., 31.07.2014  Skåre nach Ystad  

     Die Wettervorhersage vom 31.07.2014 06.00 UTC verspricht für die westliche Ostsee Westwind Stärke 4-5 Bft, etwas abnehmend, SW-drehend, See 1 m. Die Aussichten bis morgen Mittag: Süd 3-4, etwas abnehmend. Die mittelfristige Prognose sagt für den Donnerstag Wind aus West, Stärke 4, See 0,5 m voraus. Das ist der Wind, den wir brauchen, um nach Ystad zu kommen.

      Um 10 Uhr lassen wir den Motor an und verlassen Skåre, den einsamen Hafen mit den quietschenden Anlegefedern der Motorboote. 15 Minuten später haben wir das Großsegel oben, danach das Vorsegel. Nach den Einfahrtstonnen vor Skåre wollen wir nach Osten, also Kurs 100°. Aber die 100° sind nicht zu halten, selbst 110° nicht. Also bewegen wir uns irgendwo zwischen 120° und 130°, was bedeutet, dass wir südlicher laufen als es der Kurs nach Ystad verlangt. Die Sonne lacht vom Himmel, im Osten türmen sich einige Cumuluswolken auf.

      Bereits ca. 2 sm von der Küste weg nimmt der Wind zu, die Böen sind jetzt schon gut über 5 Bft und die Wellenhöhe steigt bis zu 1,5 m an. Seegang ist schätzungsweise 3-4. Gegen halb eins dreht der Wind etwas, wir können jetzt wenigstens wieder 90° einhalten, auch wenn der Kurs eine etwas mehr nordöstliche Richtung verlangt. Der Wind nimmt zu, es herrschen jetzt mehr oder weniger konstante 5 Bft, die Wellenhöhe steigt auf 2 m. Von hinten gurgeln die Brecher heran, und laufen unter dem Schiff durch. Schiffschaukeln ist angesagt. Jedes Mal, wenn die Woge unter dem Kiel ist, macht das Schiff einen Satz nach vorne, stoppt dann kurz und die nächste kommt. Wir machen 4 Knoten, manchmal mehr. Um uns herum bricht immer mehr die See, weiße Wellenkämme und Gischt bildet sich.

[.....]

     Einige Minuten vor vier Uhr holen wir das Vorsegel ganz rein, knapp zwanzig Minuten später das Groß und fahren die letzten Meter mit dem Motor. Kurz vor 17 Uhr machen wir am Steg fest, zum Glück hat die Marina von Ystad eine moderne Anlage mit Seitenstegen, so dass man sehr bequem anlegen kann. Fast 7 Stunden sind wir gefahren, wir hatten eigentlich mit vier gerechnet, aber statt der 20 sm waren es eben laut GPS 35 sm. Der reine Kartenkurs beträgt ca. 30 sm, der Rest ist den Kurswechseln geschuldet, die der achterliche Wind uns aufgezwungen hat.
Abb. 58: Blick auf die Stadt vom Hafen aus
      Wir sind erschöpft und froh, endlich angekommen zu sein und gönnen uns als Belohnung ein Abendessen im Hafenrestaurant Marinan. Hier sitzt man mit weitem Blick, entweder über die Ostsee, dann aber zugig, oder über den Hafen, und kann in aller Ruhe die schwedischen Menschen betrachten, die jetzt in den Focus unserer Aufmerksamkeit gerückt sind.

      Die ziemlich neue Marina ist mit Schwimmstegen ausgestattet, bietet Wasser "umsonst" und Strom gegen eine Extra-Karte an, die man auch braucht, um in die Toiletten und Duschen zu gelangen. Billig ist Ystad nicht, siehe Preise in der unteren Tabelle. Dafür bietet der Hafen ein eingeschränktes WLAN, Internet funktioniert, aber email- und Datenübertragungsprogramm nicht. Zudem ist das WLAN ziemlich langsam, die Dänen waren da flotter. Deswegen wird auch dieser Bericht erst wieder zu lesen sein, wenn irgendwo die Datenübertragung möglich ist. Eine Gemeinschaftsdusche mit 4 Duschköpfen für die Männer bietet keinen Schutz der Intimsphäre. Für Körperbehinderte gibt es einen herabklappbaren Stuhl. Die Toilettenkabinen sind klaustrophobisch eng, sehr mollige Männer werden sie unbequem finden.

[.....]

      In der Altstadt sehen wir ziemlich viele und gut erhaltene, gepflegte Fachwerkhäuser. Teilweise sind sie sehr groß. Am Änglahuset aus dem 16. Jahrhundert finde ich schöne Schnitzereien von Gesichtern. Nur wenige Straßen vom Zentrum entfernt wird es schon stiller und menschenleerer. Die typischen Sträßchen, mit Buschwindrosen an den Hausmauern. Kleine, geduckte Häuser, jedes anders. Sehenswert sind die St. Marien-Kirche,  das ehemalige Franziskaner-Kloster Gråbrödra-Kloster ("Graubrüder" wegen der Kutten) mit seinen schönen Gärten: Rosengarten, Gewürz- und Kräutergarten u.a. 

      Auf dem Rauhausplatz steht eine Skulptur von "Bäckahästen", der "Geist des Baches" oder der "Näck" in Pferdegestalt. In der nordischen Mythologie und im schonischen Volksglauben wird berichtet, dass Bäckahästen ein großes, weißes, anmutiges, aber wildes Pferd sei. Es verführt Kinder auf seinem Rücken zu reiten. Anschließend werden diese ertränkt. Um es daran zu hindern, muss man einen Pfahl zwischen Wasser und Pferd werfen. Die Macht des Pferdes ist dann gebrochen. 

Abb. 59: Brunnenskulptur 'Bäckahästen' (dt. etwa 'Das Bachpferd'), vom Künstler Oskar Antonsson 1928 geschaffen.

      Tags darauf melde ich mich zur Wallander-Tour an, schließlich habe ich einige der Krimis gelesen und die meisten TV-Filme gesehen. Das Wetter zieht sich gegen Nachmittag zu, wir bauen die Kuchenbude auf. In der Nacht überrascht uns ein heftiges Gewitter, sogar mit Hagel. Aber am nächsten Morgen ist alles vorbei und die Welt in Südschweden wieder im Reinen. Auch die nächste Nacht bringt einige heftige Böen in den Hafen, der Regen kommt aber erst um fünf Uhr morgens. Lange dauert es nicht, das schlechte Wetter, am späten Nachmittag ist die Sonne wieder da.

      Am Dienstag ist Wallander-Tour. Nach der Anmeldung im Touristen- und Informationsbüro der Stadt erhalte ich einen Beleg mit Datum und Uhrzeit der Tour in einem offenen Oldtimer-Feuerwehrwagen. Und so kommt es auch: Gegen 18 Uhr sind wir beide auf dem zentralen Marktplatz, dem Stortorget und warten auf den Spritzenwagen. Der kommt eine Minute vor Tourbeginn und eine freundliche Dame aus der Touristeninformation (?) kontrolliert die Anmeldebögen und gleicht sie auf ihrer Liste ab.
Nachdem alle Platz gefunden haben, geht es 10 Minuten später los. Per Mikro und Lautsprecheranlage im Oldtimer erzählt sie einiges über den berühmten Sohn der Stadt, Henning Mankell, dessen Privatleben und seine Krimifigur Kurt Wallander. Nacheinander werden verschiedene Stationen angefahren, die in Mankells Erzählungen eine Rolle spielen: Fridolfs Konditorei, Wallanders Lieblingscafe', das auch den speziellen Wallander-Kuchen backt, anschließend Ystads Tourismus-
Abb.60: Auf dem Feuerwehrauto zur Wallander-Tour
büro, das in "Die weiße Löwin" eine Rolle spielt, das Hotel Continental, das in "Mittsommermord" und "Ein Toter aus Afrika" vorkommt und  in dem sich Wallanders Stammtisch befindet usw.

[.....]

      Was noch zu erwähnen wäre: Der neue Yachthafen ist ganz schön und gut, ja auch nicht billig. Der Vorteil der Stadtnähe wird unter Anderem damit bezahlt, dass man die gewaltigen Getreidesilos  vor sich hat.
Ihr "dekorativer" Anstrich täuscht nicht über den Lärm der Tag und Nacht laufenden Trocknungsmaschinen für das angelieferte Korn hinweg. Vor allem bei Ostwind wird man ununterbrochen durch das monotone Brausen und Rauschen genervt. Und dann sind da noch die Fähren: deren permanentes Motorenlaufen mit den entsprechenden Rußwolken sind nicht gerade ein Beispiel für nachhaltiges und umweltschonendes Verhalten im Transportbereich.  Da sind Städte wie Hamburg,  die den Stromanschluss großer Schiffe erzwungen haben, damit nicht
Abb. 61: Getreideverarbeitung vor der Ystad-Marina
ununterbrochen die Generatoren laufen müssen, schon ein ganzes Stück weiter. Tja, liebes Schweden: in Punkto Umweltschutz scheint es noch einige Herausforderungen zu geben: z.B. Mülltrennung in den Häfen. In Ystad geht das, aber in Skåre war alles eins. Ach ja, und noch etwas: Der Hafen riecht modrig, vielleicht wäre durch eine entsprechende Zufuhr von Frischwasser Abhilfe zu leisten.

 

Mi., 06.08.2014  Ystad nach Rønne (Bornholm, DK)

      Die lange Strecke nach Rønne - immerhin sind es laut Karte 39 sm - veranlasst uns früh am Mittwoch aufzustehen. Um halb neun - nach unseren Gepflogenheiten "mitten in der Nacht" - starten wir den Motor und laufen aus. Der Wind stimmt, was die Richtung betrifft, aber die vorhergesagten 3-4 Bft sind nicht drin. Es ist sonnig, leicht bewölkt, Schleier- und Cumuluswolken zeigen sich am blauen Himmel. Die Sicht ist diesig, See ohne Seegang, Windstärke 0-1, stellenweise ist das Wasser spiegelglatt. So läuft die Maschine nach dem Verlassen des Hafens weiter, bei Dieselsparenden 2250 Umdrehungen pro Minute.

[.....]

     Wir haben unsere Selbststeuerung angebracht, so dass das Fahren ziemlich entspannt ist, bis auf die Beobachtung der Frachter und der Bornholm-Fähre, eines High-Speed-Katamarans, der uns auf der Fahrt zweimal begegnet, einmal von vorne und
Abb. 62: Katamaran der Bornholm-Fähre
einmal von hinten. Da wir ziemlich genau auf seiner Kurslinie sind, ändern wir leicht die Richtung, wenn wir ihn sehen. Die Bug- und Heckwelle des Katamarans sind beträchtlich, selbst im Abstand von einer Seemeile spüren wir noch die Bewegung des Wassers. Und später sogar auf Rønne: wenn er ablegt oder ankommt, fangen die Schiffe im weiter nordwärts gelegenen Yachthafen Nørrekås zu tanzen an. Um halb zwei haben wir Bornholmsgat durchquert, es ist ein ziemlich breiter Streifen von mehr als 6 sm Entfernung vom einen zum anderen Rand.

Zwischendurch löst sich die Backbordvorleine von der Reling und schwimmt hinten mit. Da das für die Schraube das Aus bedeuten kann, muss Barbara nach vorne. Wegen des inzwischen stärkeren Seegangs krabbelt sie angeleint auf allen Vieren nach vorne und schießt die Leine auf. Uff, noch mal gut gegangen...

Nachdem wir Bornholmsgat verlassen haben, wird der Wind auch stärker. Aber jetzt haben wir keine Lust mehr,
noch lange mit 4 kn bis Nørrekås zu segeln.
Bornholms größter Hafen an der Westküste soll gut besucht sein und für uns war der Tag schon lang. Also fahren wir weiter, schalten kurz vor drei die Selbststeuerung aus und legen um halb vier im Yachthafen an. Wir haben Glück, es gibt noch gute freie Plätze. Aber nicht mehr lange: um fünf ist schon alles voll.
Abb. 63: Nørrekås-Hafen auf Bornholm
 Die jetzt noch Ankommenden suchen sich ein Plätzchen in den zwei kleineren Hafenbecken oder müssen in den Industriehafen ausweichen.

[.....]

      Gegenüber dem Yachthafen sehen wir einen netten Strand. Aber zum Baden haben wir keine Lust, dafür war der Tag zu anstrengend. Später gehe ich zum Bezahlautomaten und erlebe wieder eine Überraschung der besonderen dänischen Art: Das Kartenlesegerät des Automaten ist zugeklebt, deswegen muss man die Kontonummer, das Gültigkeitsdatum und die Identifikationsnummer der Kreditkarte per sensitiver Tastatur von Hand eingeben. Dann wird der  Klebezettel ausgedruckt, mit dem
Abb. 64: Strand beim Yachthafen Nørrekås
Schiffsnamen. Ebenso auf Klebezettel die Quittung mit dem Internet-Einwahl- und dem Toilettencode. Einige Eigner haben damit so ihre Schwierigkeiten.Das angebotene WLAN sorgt dann für die 2. Überraschung: laut Hafenprospekt und -beschreibung soll Internet im ganzen Hafen verfügbar sein. Doch es funktioniert nicht: zwar bekomme ich eine WiFi-Netzwerkverbindung, aber kein Internet. Am nächsten Tag frage ich den freundlichen Hafenmeister nach dem Grund. Er erklärt mir, dass schon nach dem ersten Steg kein Netz mehr verfügbar sei, ich solle doch in den Aufenthaltsraum kommen. Gesagt, getan, aber es klappt trotzdem nicht. Wahrscheinlich habe ich den Fehler gemacht, der vielen passiert, wenn am PC nichts mehr geht: dann wird an der Konfiguration so lange herumgebastelt und verschlimmbessert, bis alles verstellt ist. Seit Rødvig habe ich jetzt keine Verbindung mehr, die vollständig wäre, in Ystad klappte wenigstens noch das Netz als solches, wenn auch ohne email- und Datenübertragungsprogramm. Und noch eins: Noch nie habe ich einen Hafenmeister erlebt, der ganz gut Deutsch sprechend sich an meinen PC gesetzt und mindestens eine halbe Stunde Zeit genommen hat, um die entsprechende Netzwerkkonfiguration auszuprobieren. Aber leider ist er auch nicht weitergekommen.
 

[.....]

 

Teil 4 der Reise: Zurück nach Deutschland

Sa., 09.08.2014  Rønne nach Sassnitz (Deutschland)  

      Die Wettervorhersage in Rønne gibt uns nur wenig Spielraum für die Entscheidung, wann es weitergehen soll: Der Dänische Wetterdienst im Hafenkontor ist mit der Bildschirmtastatur nicht einstellbar, so bleibt uns nur der Windfinder und die bordeigene Wetterbox von Mörer. Der Windfinder sagt uns für Samstag von morgens bis 17 Uhr Südostwind voraus, erst danach soll der Wind aus West kommen. Durchgängig in Stärke 4 Bft, anfangs um 8 Uhr noch 3 Bft. Also eigentlich gute Voraussetzungen für unseren südwestlichen Kurs nach Sassnitz. Der Seewetterdienst Hamburg (Wetterbox) meldet dagegen für die Südliche Ostsee umlaufenden Wind um 3, später Südost Stärke 4, mit Gewitterböen, See 0,5 m. Bis Abends soll der Wind auf Süd drehen mit Stärke 4. Die 5-Tage-Voraussage dagegen meldet Südost 2-3 Bft, 0,5 m Wellenhöhe. Das hört sich alles gut an, auch wenn es sich im einzelnen ein wenig unterscheidet. Da für Sonntag nur Windstärke 2-3, später 4, aber aus unterschiedlichen Richtungen angesagt wird und von Montag an bis Donnerstag West-Südwestwind durchgehend Stärke 5-6, wagen wir den Absprung für die laut Karte 51 sm lange Strecke nach Sassnitz.

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      Kurz nach neun frischt der Wind auf, Bornholm verschwindet im Grau des Horizonts, jetzt ist Stärke 4 Bft angesagt, in Böen schon mal 5. Die Wellen brechen sich jetzt häufiger, bekommen weiße Schaumkronen, der Seegang beträgt schon 3-4, die Höhe 1 m. Aber die Sonne lacht vom Himmel und wir machen 6 kn Fahrt. Barbara schreibt im Fahrtenbuch: "ENDLICH! So wie wir uns schon immer lange Überfahrten gewünscht haben." Dazu einen lachenden Sonnen-Smiley. So haben wir uns das vorgestellt, aber was dann noch kommt, nicht unbedingt.

      Um halb elf sind wir schon bei Windstärke 4-5, in Böen 6. Die Böen kommen immer häufiger, ja eigentlich fast konstant. Die Wellenhöhe beträgt jetzt schon 2 m, die Schräglage 10-15°. Es  ist bei diesem Raumschotskurs wie Schiffschaukelfahren auf der Kirmes: Die Wogen rauschen von der Backbordseite heran, unter dem Schiff durch und eilen steuerbords weg. Auf dem Wellenkamm ist das Schiff ganz oben, um dann in das nächste Tal abzurauschen. Hoch - runter - hoch - runter. Nach oben geht es ganz
Abb. 65: Wellenreiten bei 4-5 Bft...
schnell, dann ins Wellental langsamer. Das Schiff macht also immer einen Satz nach vorne, kurzer Stopp, dann wieder Sprung. Die Schiffsbewegung ist mit den Geräuschen verbunden, die Wellen bei diesem Seegang machen: wenn sie ankommen, wird es laut, dann gurgelt die See unter dem Kiel durch, danach brodelt es mehr, wenn sie davoneilt. Eine nach der anderen, jede 10. Welle ist stärker als die vorausgegangenen. Ich muss genau nach backbords sehen, um die Kämme abzupassen. Mit der rechten Hand halte ich das Steuer, am Ende der Fahrt ist mein Arm gefühlte 10 cm länger geworden.
     Viertel nach elf: Die Windstärke ist konstant auf 5 angestiegen, die Böen liegen jetzt bei 6-7 Bft. Die Wellenhöhe hat die 2-m-Grenze erreicht, die Schaumstreifen auf dem Wasser bleiben bestehen. Wenn sie bricht, spritzt Gischt von ihr weg. Manchmal erreichen uns die Wassermassen etwas von vorne, dann spritzt die See gegen die Sprayhood. Ducke ich mich zu spät, bekomme ich einen Teil der "Dusche" ins Gesicht. Den Rest bekommt mein Rücken, er wird dabei öfters nass.
Abb. 66:...verlangt volle Aufmerksamkeit...
 Wir setzen das 1. Reff im Vorsegel, um aus den inzwischen 15-20° Schräglage  herauszukommen. Wenige Minuten später macht es einen Knall, die Bremse der Rückholleine der Genua hat nicht gehalten, das Vorsegel bläht sich wieder voll auf und knallt, weil es jetzt zu weit auf ist. Zweiter Versuch: diesmal wird die Rückholleine an der Klampe belegt, so dass das Vorsegel nicht mehr aufgehen kann.
       Das GPS zeigt uns, dass wir die ersten 25 sm geschafft haben, also fast die Hälfte des Weges. Zwei anstrengende Stunden später kürzen wir das Vorsegel weiter bis zum 2. Reff, der Wind ist jetzt konstant bei 5-6, die Böen nehmen mal zu, mal werden sie weniger. Inzwischen hat sich der Himmel zugezogen, die Sonne bricht nur noch gelegentlich durch die Wolkendecke. Wir setzten das 1. Reff vom Großsegel, was einige Mühe kostet, weil die Leinen schwer durch den Großbaum gehen. Zuerst leicht in den Wind gehen, damit der Druck auf das Segel abnimmt,
Abb. 67:...und Konzentration
dann das Großsegel ca. einen Meter runterlassen, die Reffleine 1 ziehen, die letzten Zentimeter mit der Winsch, dann das Großsegel wieder über die Wisch durchsetzten, und mit dem Ruder zurück um ursprünglichen Kurs. All diese Arbeiten führe ich aus, während das Schiff wie ein Korken auf dem Wasser hin- und her tanzt. Unter der Sprayhood fällt mir dabei immer wieder die Mütze ins Gesicht, es haut mich hin und her, mit den Füßen versuche ich mich abzustützen. Barbara warnt mich vor den Brechern: "Welle, Welle!" ruft sie, wenn die See heranrollt und das Schiff anhebt, dabei von einer Seite auf die andere wirft. Nach jedem Reff nimmt das Boot die besseren 10°-Schräglage wieder ein, nur hält das nicht lange vor. Der Wind nimmt weiter zu, jetzt liegt er konstant bei 6 und in Böen 7-8 Bft. Die Yacht wird dabei ziemlich luvgierig, aber ich wage es nicht, den Segeldruckpunkt durch mehr Zug am Achterstag heckwärts zu verlegen. Wenn jetzt irgendwas reißt, dann Gute Nacht!  

       Viertel vor drei hat sich der Himmel ganz zugezogen. Vom Westen rasen graue, tief hängende Wolken heran. Es ist zu spät, Regenkleidung aus dem Schrank zu holen, heute morgen konnten wir uns ja keinen Niederschlag vorstellen. Obwohl: in der einen Vorhersage war ja von Gewitterböen die Rede. Also soll wohl ein Gewitter kommen und es kommt auch. In der Ferne sehen wir erste Blitze, der Wind frischt weiter auf, ich versuche das 2. Reff im Großsegel zu setzen. Und krach: der Halteschlitten der Baumstütze bricht weg, genauer gesagt: die Schrauben oder Nieten, die den Halteschlitten so festgeklemmt haben, dass die Baumstütze den Baum auch hält. Eine Dirk gibt es nämlich nicht auf diesem Boot. Jetzt fällt der Baum herunter, liegt seitlich neben der Sprayhood. Das aufgeblähte Segel ist nicht in der Lage, ihn in der richtigen Höhe zu halten und wir können den Baum nicht mehr bewegen. In diesem Augenblick krachen die Wassermassen vom Himmel herunter, binnen weniger Sekunden sind wir bis auf die Unterwäsche nass, wenigstens für Schulter und Arme konnten wir die Jacken herausziehen, die direkt am Cockpit-Aufgang hingen. Wir entschließen uns, das Großsegel runter zu holen, und nur mit dem gerefften Vorsegel zu fahren. Dank der zu Beginn der Fahrt gesetzten Sorgleine klappt das auch in strömendem Regen einigermaßen.

        Zeitgleich mit dem Einsetzen des Schauerregens hat auch der Wind gedreht, er kommt jetzt aus südwestlicher Richtung, also unserer Fahrtrichtung. Nach über 7 Stunden und bei diesem Wetter haben wir keine Lust mehr auf Kreuzen und werfen den Motor an. Das Vorsegel wird reingeholt, und bis auf einen kleinen Rest von ca. 1 m ist das auch möglich. Der kleine "Vorrat" an Leine auf der Rolle wurde wohl durch den ersten Rutsch der Bremse aufgezehrt. Der Niederschlag hält weiter an, der Wind wird aber schwächer. Nach einer halben Stunde sind die ersten zwei Regenwellen vorbei, kurz nach vier bricht wenigstens stellenweise wieder die Sonne durch. Damit steigt auch gleich die Stimmung. Die See beruhigt sich etwas, aber immer noch haben wir 1,5 m hohe Wellen, gegen die wir jetzt direkt ankämpfen müssen. Das Schiff rollt ordentlich von links nach rechts und von vorne nach hinten, je nachdem, wie die See uns trifft.

      Kurz vor halb sechs fahren wir bereits an den Kreidefelsen von Rügen vorbei. Jetzt kommt die dritte Regenwelle, der Himmel wird von dunklen, tief hängenden Wolken beherrscht, die schnell auf uns zu wehen. Der Wind nimmt wieder zu. Aber diesmal werden wir verschont, es kommt nichts mehr Dramatisches an Wassermassen von oben herab. Inzwischen fahren wir dicht an der Felsformation vorbei, im Windschatten der Küste. Erste Gebäude von Sassnitz sind bereits sichtbar, ebenso die lang gezogene Mole des umgebauten und erweiterten Hafens.
Abb. 68: Die Kreidefelsen von Sassnitz
Früher ein reiner Industriehafen hat Sassnitz inzwischen wohl den Wassertourismus entdeckt und mit Hilfe der Europäischen Union und des Regionalfonds Mecklenburg-Vorpommerns zwei neue Schwimmsteganlagen für Segler gebaut.

      Viertel vor sieben machen wir den Motor aus, nachdem uns die bereits Angekommenen beim Anlegen mit dem Wind geholfen haben. 56 sm haben wir in zehneinhalb Stunden geschafft, den größten Teil unter Segeln, unter widrigen, ja stürmischen Verhältnissen. Unter Deck sieht es aus wie bei Hempels, diverse Gegenstände sind aus irgendwelchen Schappsen heraus gefallen, das Gewürzfach ist komplett aufgegangen und auf dem Boden sind alle möglichen Döschen verstreut. Bisher war es ja immer das Schapp mit den Tellern! Was für ein Tag! Nach zügigem Aufräumen, Sonnensegel setzen, Segel ordentlich falten, usw. gönnen wir uns eine Brotzeit, um dann den Abend langsam ausklingen zu lassen.

      Die Tage in Sassnitz vergehen wie im Fluge. Sonntag ist erst mal Ausruhen und langes Ausschlafen angesagt.
Montag erkundigen wir die Stadt und kaufen uns neue Bücher, schließlich wollen wir ja auch ein bisschen Kultur haben. In der Einkaufsstraße gibt es alles, was man als Touri braucht. Sassnitz hat ja auch viele Pensionen und Gästezimmer. Mehrmals täglich fahren die Ausflugsdampfer zu den Kreidefelsen. Dienstag besuche ich den einzigen Computershop im Ort. Aber bei der Lösung der Übertragungs-probleme meines Reiseberichts und der Fotos kann er mir auch nicht helfen. Ich komme nicht
Abb. 69: Neuer Schwimmsteg im Sassnitzer Hafen
an die Daten dran, die ich für den Server brauche und gebe auf. Immerhin kann ich meine Mails lesen, die fast zu 100% aus  Müll bestehen.  Dennoch war der Typ freundlich, hat mir geholfen und ich habe es immerhin ausprobiert. Mittwochs starte ich den ersten Versuch, den Schlitten der Baumstütze zu reparieren. Ich verabrede mich mit einem Meister der Firma Re-an, der am Freitag kommen soll, um einen speziellen Metalldübel einzusetzen. Als er dann pünktlich da ist, stellen wir fest: Außer Spesen nichts gewesen! Er kommt mit seinem Spezialwerkzeug nicht bis an den Rand der in einer Nut eingelassenen vertieften Schiene heran. Also fahre ich mit dem Fahrrad zu einem drei Kilometer entfernten Baumarkt, immer bergauf, nach Binz. Im Regen, aber das ist mir dann auch egal. Die dicker als 6,5 mm benötigten Metallschrauben haben sie auch nicht, mehr als 6 mm können sie nicht bieten. Immerhin gibt es
Fischer-Dübel, mit denen ich später die Reparatur versuche. Es scheint zu halten, mit 6,2 mm starken Edelstahlschrauben und besagten, aber gekürzten Dübeln. Zur Sicherheit wird der Schlitten noch links und rechts an einer Klampe am Baum befestigt, das sollte jetzt halten. Morgen ist die Nagelprobe bei Windstärke 5 Bft.   

      Barbara ist den ganzen Mittwoch auf Hochseeangeln. Um fünf Uhr steht sie auf, um sechs geht es los. Am Nachmittag kommt sie mit 8 Dorschen zurück, zwar nicht filettiert, aber wenigstens ausgenommen. Die insgesamt 6 Angler auf der Triton IV fangen über 55 Fische, davon 53 Dorsche. Kapitän Krause kommt aus Wolgast und bietet mit seinem Kahn auch mehrtägige Angeltouren an. Auf dem Boot kann man auch übernachten. Die Fänge werden noch an Bord filettiert und eingefroren. Zwei Dorsche verkauft sie erstmal an die Nachbarn links und rechts, ein dänisches und ein deutsches Paar.

Abb. 70: Das Abendessen ist erstmal vorhanden.
Damit hat sie wenigstens zum Teil die Kosten wieder, die der Ausflug verursacht hat. Der Rest wandert in den Kühlschrank, er soll dann am Freitag und Samstag gegessen werden. Wir warten auf Wind aus Nord-Nordwest, am Samstag soll es so weit sein, wenn auch gleich wieder Windstärke 5. Aber inzwischen sind wir das ja "gewohnt" und an der richtigen Regenkleidung soll es diesmal auch nicht mangeln.
 
       Sassnitz ist der erste Hafen auf unserer Tour, der zwar am Steg Wasseranschlüsse anbietet, aber weder Trinkwasser noch Schläuche. Angeblich, so der Hafenmeister, werde seit Wochen an dem Problem gearbeitet. Das kann er jedem erzählen, die meisten sind ja nur wenige Tage da. Und das an den zwei neuen Schwimmstegen!
Abb. 71: Was aus unserem Geld gemacht wird
Seine Empfehlung: Man solle doch zum benachbarten alten Steg fahren, da gebe es beides. Was für ein Unsinn! Ist der Besitzer dieser Anlage nicht in der Lage, das entsprechende Zertifikat zu bezahlen? Angeblich soll es sich ja um einen reichen russischen Investor handeln! Und die ganze Anlage wie vieles andere im Hafen wurde gefördert vom Europäischen Fond für regionale Entwicklung. Da sind sicher Millionen geflossen, aber für eine vernünftige Wasserversorgung der Yachties hat es nicht gereicht. Kaum glaublich!
 
      Weil es so preiswert ist, Essen zu gehen, gönnen wir uns diesen Luxus, auf den wir ja in Schweden und Dänemark weitgehend verzichten mussten. Für die Hälfte des Geldes bekommt man ein sättigendes, schmeckendes Abendessen mit genügend Getränken. Erwähnenswert die "Ostpreussische Hafenräucherei", ein wenige Schritte abseits gelegenes Fischrestaurant mit besonderem Ambiente: Man fühlt sich in ein Museum der Fischerei und Seefahrt versetzt. Jeder Quadratzentimeter an Decken und Wänden des Lokals wird für alte und uralte Objekte
Abb. 72: "Ostpreussische Hafenräucherei, ein wahres Museum
genutzt, manche sogar hinter Glas. Der Besitzer, Pascal Peleikis, muss wohl auch eine ziemliche Berühmtheit sein! Sowohl der Fisch wie auch die Königsberger Klopse sind auf jeden Fall empfehlenswert! Ansonsten finden wir im ganzen Hafen zahlreiche Restaurants und Fischbuden, Cafes, Eiskioske und und und. Für die Busladungen an Touristen gerade genug. Man sollte auch bedenken: in drei - vier Monaten muss das Geschäft für das ganze Jahr reichen. Da verwundert es nicht, dass im gesetzesstrengen Deutschland auch an Sonntagen die Läden offen sind.

 

Sa., 16.08.2014  Sassnitz nach Kröslin  

      Der Wetterbericht verheißt nichts Gutes: Samstag ist der einzige Tag in der Woche, an dem der Wind aus West-Nordwest kommt, wenn auch gleich mit 5 Bft. Die Tage danach herrscht wieder der Südwester vor, mit 6-7 Bft, in Böen 8. Wir entschließen uns zu fahren, ändern aber unser ursprüngliches Ziel ab: nicht mehr Świnoujśie (Swinemünde), sondern Kröslin. Die Marina kennen wir aus der Reise im Jahr davor, sie ist ein sicherer Hafen mit gutem Komfort.

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      Kurz vor halb eins reffen wir das Vorsegel zum ersten mal, fünf Minuten später wird das 2. Reff eingezogen. Jetzt haben wir "nur" noch zwischen 10° und 15° Schräglage. In den Böen, die immer öfters heranbrausen, zieht die Yacht gierig nach der Luvseite, bei einem Segel kein Wunder. Der Druck auf das Ruder ist beachtlich, also gebe ich ihm weitgehend nach und bringe nach der Böe das Schiff wieder auf den Kurs von 150°. Auch mit dem 2. Reff machen wir immer noch 5 kn. Gegen halb eins wird es etwas ruhiger, wir haben das Huk Nordperd östlich von Göhren auf der Halbinsel Mönchgut erreicht. Zwanzig Minuten später queren wir die erste Tonne der Rinne Landtief, ab da geht es jetzt den Seezeichen entlang bis zum Böttchergrund. Da wir nun den Kurs auf 210° ändern müssen, kommt der Wind vorlicher, ebenso die Welle, die Fahrt wird rauher und ruppiger. Viertel nach eins erreichen wir das 5. von sechs Tonnenpaaren, wir segeln so hart am Wind, dass die Yacht kaum noch Fahrt macht. Das Vorsegel wird eingezogen, der Motor gestartet. Der Wind kommt jetzt voll von vorne, es geht auf und ab, aber unser Volvo-Penta hält durch. Kurz vor halb zwei haben wir das 6. Tonnenpaar erreicht, jetzt gilt der Kurs von 170° bis zum Freesendorfer Haken, kurz danach erreichen wir die Einfahrt in den Peenestrom. Endlich wird es etwas ruhiger auf dem Wasser. Den Strom aufwärts bis zur Einfahrt nach Kröslin nach der roten Tonne 22 schaffen wir in etwas mehr als einer Stunde. Viertel nach drei legen wir in Kröslin an, einer modernen Anlage mit Schwimm- und Seitenstegen. Der Wind drückt uns in die Box hinein, gegen ein benachbartes Schiff. Im 2. Anlauf schaffen wir es und machen das Boot steuerbords fest, mit einer Spring zusätzlich gegen den Wind der kommenden Tage und Nächte gesichert.

      Fünfeinhalb Stunden haben wir für die 29 sm von Sassnitz aus gebraucht, davon knapp zweieinhalb unter Motor. Wir sind froh, bis Kröslin gekommen zu sein, jetzt haben wir immer noch die Option, über die Peene bis Ueckermünde zu fahren oder - sollte sich das Wetter doch noch ändern - dieses Ziel über die Ostsee und Swinemünde anzusteuern, was unser ursprüngliches Vorhaben war. Aber so wie es aussieht, wird es die nächsten Tage bei Südwest 6 - 7 Bft bleiben, erst Donnerstag soll der Wind nachlassen. Wir werden sehen.

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Do., 21.08.14  Kröslin nach Ueckermünde  

      Eigentlich wollten wir schon Mittwochs nach Ueckermünde fahren, um dort für ein paar Tage meine Tochter mit Familie zu treffen. Aber seit Tagen herrscht wie vorhergesagt Südwest-Westwind der Stärke 5, 6 oder 7 vor, Böen immer 1-2 Bft stärker. Der Seewetterdienst Hamburg gibt fortlaufend Starkwind- und Sturmwarnung für die Boddengewässer Ost heraus, auch andere Wetterdienste bestätigen diese Lage. Das Wetter ist nicht lecker, mal scheint die Sonne, dann schieben sich wieder graue bis ganz dunkelgraue Wolken von Westen her und es regnet kurz. Dazu herrscht eine Temperatur von tagsüber meistens 18-19° C. So nutzen wir die Zeit zum Klarschiff machen, lange Ausschlafen, etwas einkaufen, lesen und schreiben, vielfach unter Deck oder in der Kuchenbude. Zudem muss das Bordtagebuch weiter geschrieben werden, unsere Statistik der zurückgelegten Meilen unter Motor und unter Segel, unsere Ausgaben.

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     Also beschließen wir die Fahrt nach Ueckermünde für Donnerstag, da soll ja "nur" noch Windstärke 4 herrschen. Gegen den Südwester hilft dann nur unser treuer, bis jetzt zuverlässiger Motor, zumal die Fahrt die Peene runter in einem engen Kanal von vielleicht 50 m Breite verläuft. Daneben ist es dann ganz schnell untief, und Aufsitzen ist nicht so lecker! 12.45 Uhr müssen wir an der Brücke in Wolgast sein, um 16.45 Uhr an der in Zecherin, dann sind es nochmals 14 sm bis zur Lagunenstadt Ueckermünde, es wird also ein langer Tag.

      Kurz nach vier Uhr morgens - an Schlaf ist für uns beide nicht mehr zu denken - beschließen wir aufzustehen und die Fahrt um einen Brückenöffnungstermin vorzuverlegen. Nach dem üblichen Procedere inklusive des Einpackens der Kuchenbude werden um halb sieben die Leinen losgeworfen. Es ist ein klarer, heller Morgen, die Sonne ist gerade mal eine halbe Stunde am wolkenlosen Himmel, aber schon recht grell. Minimale Schleierwolken ziehen sich am Horizont entlang, es herrscht Windstärke 1, und es ist bitter kalt, gerade mal 11° C. Mit 6,2 kn bei einer Drehzahl von 2650 Umdrehungen/Minute fahren wir die Peene stromaufwärts. Um 7.45 Uhr macht die Brücke bei Wolgast auf, kommen wir zwanzig Minuten zu spät an, hat sich das frühe Aufstehen nicht gelohnt, dann müssen wir bis 12.45 Uhr warten! Aber wir schaffen es, so rechtzeitig, dass wir sogar 10 Minuten zu früh da sind. Das ist die Konditionierung durch die langen Berufsjahre!

      Die Peene ist spiegelglatt, hin und wieder kräuselt sich die Oberfläche, wenn eine Böe das Wasser streift. Im Licht der Morgensonne strahlt die ganze Landschaft Frieden aus. Kühe grasen an manchen Stellen auf den Weideflächen entlang des Ufers, an anderen Stellen trennt ein Schilfgürtel das Wasser vom Land. Man sieht keine Fahrzeuge und keine Menschen, nur einmal kommt uns ein Boot entgegen, ein holländischer Zweimaster. Die Voraussage sprach von West 5 Bft,
Abb. 73: Peenebrücke bei Wolgast
später abnehmend, davon ist auf der Peene nichts zu spüren. Rechtzeitig sind wir in Wolgast. Um 7:52 Uhr gehen die zwei Lichter für unsere Fahrtrichtung auf grün, die Hebebrücke ist jetzt ganz oben, die Bergfahrer haben Vorfahrt vor den Talfahrern. Nach der Durchquerung schalten wir auf gemütlich, mit 5 kn und 1850 Umdrehungen sollten die 16,5 sm bis Zecherin um 11.45 Uhr zu schaffen sein. Wieder und wieder geht die Rechnung von Strecke und Geschwindigkeit durch meinen Kopf, ich beschließe einen Tick schneller zu werden und erhöhe auf 5,1 kn bei 1950 Umdrehungen, später auf 5,3 kn.

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      Trotz Sonnenschein herrschen gerade mal 13° C auf dem Fluss. Kurz nach 10 Uhr erreichen wir die Moderort-Rinne, eine schmale Gasse durch die Jamitzower Hard. Die Stärke hat inzwischen zugenommen, das Wasser zeigt vom Wind der vergangenen Tage immer noch breite weiße Streifen. Am Ufer ziehen sich große Gruppen aus weißen Bäumen entlang, ein sicheres Zeichen für sumpfigen, moorigen Boden, in dem die Stämme absterben. Kein Wunder bei diesem Namen: Moderort.
Abb. 74: Brücke bei Zecherin
       Kurz nach 11 Uhr sind wir an der lang gezogenen Brücke Zecherin, vor der Stadt. Wir kreisen um die Zufahrt herum, lassen uns abtreiben, um dann wieder auf die schmale Durchfahrt zwischen den Brückenköpfen zuzusteuern. Mal im  Vorwärtsgang, mal im Rückwärtsgang. Anlegemöglichkeiten gibt es nur wenige, sie sind belegt. Mit uns warten ca. 5 weitere Segelyachten auf Grün, das dann kurz vor zwölf kommt. Bevor wir ins Kleine Haff einbiegen, fahren wir bei Karnin an der Ruine der alten Eisenbahn-Hebebrücke vorbei. Früher verband
diese Brücke Usedom mit dem Festland, von Berlin nach Swinemünde waren es dann nur zweieinhalb Stunden Zugfahrt. Das Mittelteil wurde angehoben, so dass die Schifffahrt ungehindert passieren konnte. Wenn ein Zug kam, wurde es abgesenkt. 1945, als die Russen herannahten, wurde die Brücke gesprengt, das Mittelteil später angehoben und fest verschweißt. (Jan Werner, Ostseeküste 2). Nach der Durchfahrt, im kleinen Haff, können wir endlich das Vorsegel aufmachen und den Motor abstellen.
Abb. 75: Ruine der Eisenbahnbrücke bei Karnin
      Fünfeinhalb Stunden haben wir die Maschine benutzt, ab sofort stehen wir nicht mehr Zeitdruck für unser Ziel. Mit fast vier kn, in Böen auch mehr, fahren wir auf Ueckermünde zu. Inzwischen hat die Bewölkung zugenommen, aber es ist auch etwas wärmer geworden.  Der Wind kommt mit 4-5 Bft aus West, die Wellenhöhe im Kleinen Haff mit zwischen 4 und 11 m Tiefe hat jetzt einen halben Meter erreicht. Kurz vor der rotweißen Tonne Ueckermünde, um 14 Uhr, starten wir den Motor wieder. Der Wind bläst jetzt vorlicher. Noch können wir fast eine weitere Stunde das Vorsegel oben lassen, bevor wir es kurz vor dem Tonnenstrich Ueckermünde einholen. Kurz nach drei haben wir unser Ziel erreicht und in der Marina Lagunenstadt ein schönes Plätzchen gefunden. Für die 39 sm haben wir achteinhalb Stunden gebraucht.

      Jetzt noch schnell das Schiff aufräumen und meine Tochter samt Enkelin können kommen. Wir haben es rechtzeitig geschafft, sind aber auch erledigt. Nach dem ersten Besuch auf dem Schiff und der Yachtbesichtigung gehen wir abends ins Restaurantschiff "König Ludwig", wir haben es uns mal wieder verdient.

     Den nächsten Tag verbringen wir bei schönem Wetter mit moderatem Wind auf dem

Abb. 76: Marina Lagunenstadt, ein netter Hafen
Kleinen Haff, eine Segeltour von zwei Stunden ist für die Enkelin schon genug. Tags darauf geht es in den Ueckermünder Zoo, für die Kleine genau das richtige. Mal einen Nachmittag ohne viel Wind,  dafür umso wärmer, mit Bäumen und Sträuchern statt dem Graublaugrün des Wassers, eine echte Abwechslung. Wir wandern langsam, kindgerechtes Tempo, von Gehege zu Gehege. Abends gibt es ein super Essen, und schon sind die Tage mit der Familie wieder vorbei. Am Sonntag, den 24.08. haben wir ein interessantes und folgenreiches Gespräch mit unserem Liegenachbarn Christoph. Er berichtet von einer hier ansässigen Firma (Nautical Mile), die für einen guten Preis einen Hallenwinterliegeplatz anbietet. Der Montag vergeht wie im Fluge mit Telefonaten mit der besagten Firma, aber auch anderen Anbietern. Die meisten sind längst ausgebucht, aber bei der Firma scheint es noch einen Platz zu geben. Wir entscheiden uns aus den verschiedensten aber guten Gründe, Ueckermünde zu unserer Endstation zu machen und nächstes Jahre die Reise dort wieder anzufangen.

      Dienstags fahren wir hin, und machen nach einer kleinen Besichtigung der Halle und Kennenlernen des Besitzers und seiner Frau schon mal einen Vorvertrag und ungefähre Kosten fest. Nachdem uns zugesichert wurde, "es werde schon klappen, wir kriegen noch ein Plätzchen" und wir eine Anzahlung über drei Viertel der Kosten geleistet haben, fahren wir am Mittwoch, den 27.08. nach Lübeck. Mit der Deutschen Bahn, eine Strecke von ca. 5 Stunden Fahrt mit zweimal Umsteigen.

       Als wir am Nachmittag dann an der Marina am Stau eintreffen, erwartet uns die erste Überraschung der besonders unangenehmen Art: Die Autobatterie hat in dreieinhalb Monaten ohne Strom den Geist aufgegeben. Und unser Auto - ein alter 5er-BMW-touring - ist eine Wissenschaft für sich. Nein, BMW ist kein Auto, sondern Wissenschaft und Glaubensbekenntnis. Allein die Fahrertür ist mit dem Schlüssel zu öffnen, an die Batterie kommt man nur über die geöffnete Heckklappe. Und die geht ohne Strom nicht auf. Denken wir, bis uns der liebe und hilfsbereite Herr Staeves von der gleichnamigen Bootsbaufirma nach dem Studium der entsprechenden Seiten des Handbuchs darauf aufmerksam macht, dass es im Motorraum zwei Batterieanschlüsse für Fremdstrom gibt. Mit seiner Hilfe lässt sich der Motor starten, läuft eine halbe Stunde, während wir den Rest unserer Materialien holen, die noch bei ihm gelagert waren und fahren dann nach Ueckermünde.

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       Der Donnerstagmorgen vergeht wie im Fluge mit der Suche nach einem Händler, der die passende Batterie aufgeladen herbringen kann. Die Firma findet sich, aber sie hat kein Personal, das die Ware ins Hafengelände liefern kann. Zum Glück ist der Hafenmeister so freundlich, mir zu helfen, er transportiert mich zu der Batteriefirma und zurück. Der Einbau geschieht relativ problemlos, wie auch der vorherige Ausbau. Erster Versuch: "Klack, klack". Ich könnte mir die wenigen Haar raufen, die ich noch habe. Zweiter Versuch: der BMW springt an. Ich bin stolz und froh, dieses Problem gelöst zu haben und überbringe die frohe Botschaft an Barbara, die müde und schläfrig ganz erstaunt die Kunde hört.

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       Ja, und wie es so kommt: es kommt immer anders als gedacht. Aus dem Krantermin am Di wird nichts, im Industriehafen steht der Wind aus Nord mit Stärke 4 und ziemlichem Schwell. Den Mast zu legen ist in einer solchen Situation zu gefährlich. Also haben wir nach dem entsprechenden Anruf am frühen Morgen den ganzen, dann sonnigen Dienstag zum Packen, Putzen und Sortieren. Die Nacht verbringen wir in einer nahe gelegenen Pension, am Mi-morgen geht es nochmals zum Schiff, um die letzten Lebensmittel aus dem Cooler zu holen. Und dann ab auf die Autobahn, nach Hause sind es über 700 km. Das wird wieder ein langer Tag, aber daheim wartet so etwas wie "Zivilisation" auf uns, was ich jetzt nicht genauer ausführen will.

 

Liegeplatzkosten und Nebenpreise  

 

Hafen Liegeplatzkosten incl. Strom+Wasser Strom extra Wasser Extra 5. od. 6. Nacht frei   
Grömitz 15.-€ ja nein nein ?
Heiligenhafen 12,50.-€ ja nein? nein ?
Bagenkop 160.-DKK (21,52.-€ nein 10.-DKK/Einheit ja ?
Æerøskøbing 110.-DKK (16,81.-€) nein 15.-DKK/Einheit nein ja, 6. und 7. frei
Lyø 130.-DKK (17,48.-€) ja nein nein ?
Faaborg 120.-DKK (16,14.-€) nein 10.-DKK/Einheit ja: 10 DKK/50 L ja
Svendborg 150.-DKK (20,17.-€) nein 10.-DKK/Einheit ja: 10 DKK/50 L ?
Troense 120.-DKK (16,14.-€) ja nein nein ?
Lohals 120.-DKK (16,14.-€) nein 10.-DKK/Einheit nein ?
Skælskør 135.-DKK (18,15.-€)
nur dän. Kreditkarten oder bar
nein 10.-DKK/Einheit nein ?
Søfronten 160.-DKK (21,52.-€) nein 10.-DKK/Einheit nein ?
Vordingborg 120.-DKK (16,14.-€) ja nein nein ja
Stege 120.-DKK (16,14.-€) ja nein nein ja
Rødvig 140.-DKK (18,83.-€) ja nein nein ?
Skåre 170.-SEK (18,63.-€)
nur bares!
ja nein nein ?
Ystad 200.-SEK (21,92.-€) nein ja nein nein
Rønne 170.-DKK (22,86.-€) ja nein nein ?
Sassnitz 12.-€ ja, wenn man nicht verbrauchte  Stromguthaben nutzt! nein; Kein Trinkwasser, man braucht seinen eigenen Schlauch mit Anschluss! nein
Kröslin 12,60.-€ ja nein nein bei Mitgliedschaft im Marinaverbund Ostsee
Lagunenstadt Ueckermünde 12,40.-€ mit Kurtaxe ja nein nein, eigener Schlauch von Vorteil! bei Mitgliedschaft im Marinaverbund Ostsee

Was noch zu sagen wäre, am Ende einer langen, fast vier-monatigen Reise: Erfahrung kommt von Erfahren, und Erfahren haben wir einiges. 113 Tage waren wir von zu Hause weg, 111 Tage die eigentliche Reise ohne Hin- und Rückreise nach Lübeck bzw. Ueckermünde. Davon sind wir an 22 Tagen gesegelt, also ca. 1 Segel- auf 4 Hafentage. Von den 111 Tagen waren wir 49 in Deutschland und 64 in Dänemark und Schweden.

      486 sm haben wir zurückgelegt, in knapp 40 Segelstunden und etwas über 60 Motorstunden. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit betrug in etwa 5 kn. Was die Reise gekostet hat, verraten wir nicht, aber soviel sei gesagt: Umsonst war es nicht, und Dänemark und Schweden sind teure Länder. Mit entsprechend viel Vorräten und Verzicht auf Restaurantbesuche oder Getränke kann man hier oder dort den einen oder anderen Euro sparen, aber das hat auch seine unangenehmen Seiten. Manchmal ist man von einem langen Segeltag eben so fertig, dass man keine Lust mehr hat zu kochen.

      Das Wichtigste: die Stimmung an Bord. Und die war in der Regel gut bis sehr gut. Das Vertrauen zu einander: ist auf jeden Fall nach dem "Wasserfall" noch gewachsen. Und das Vertrauen zum Schiff: unsere sichere Insel in den Wellenbergen und -tälern, bei Gewitter und starkem Regen. Ganz wichtig: der Smutje, seine/ihre Arbeit und immer was zu essen und zu trinken. Wie Leif GW Peerson sagt: Der Weg zum Gehirn eines Mannes geht durch seinen Magen. Vor allem auch, weil der Wind auszehrt! In den fast vier Monaten habe ich 8 Kilo abgenommen, allein durch die ständige Seeluft, das Herumturnen an Bord u.a. Dabei habe ich nicht weniger gegessen!

      Die nächste Fahrt: Vielleicht etwas kürzer, aber von den Häfen und den Sehenswürdigkeiten besser vorbereitet. Obwohl: Manche Häfen braucht man auch einmal nur zum Ausruhen. Vielleicht sind dann einige Strecken auch mit Bus und Bahn zu fahren.

Die schönsten Häfen: 1. Troense, 2. Faaborg, 3. Skælskør
Die schrecklichsten sanitären Anlagen: 1. Ly
ø
Die besten Duschen: 1.
Skælskør, 2. Kröslin

Unsere tatsächliche Reiseroute: In Bearbeitung

Quelle: Abb. 35: Ausschnitt aus der Karte 117B aus dem Kartensatz 1

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update: 25.03.2019                                                                                                                      zurück zum Inhaltsverzeichnis                   zurück zur Hauptseite